Die US-Wahlen sind vorbei, und nach einem schmutzigen Wahlkampf zwischen den zwei in der Bevölkerung unbeliebtesten Kandidaten, die jemals zur Wahl standen, heißt der neue Präsident nun ab dem 20.Januar 2017 Donald John Trump. Nachdem im Vorfeld der Präsidentschaftswahlen mit einem Weltuntergangsszenario an den Märkten gedroht wurde, würde Trump die Wahl gewinnen, hat der Dow-Jones ein neues Allzeithoch erreicht und erstmals die 19.000 Punkte Marke durchbrochen. Nutzen wir nun das verlängerte Wochenende über Thanksgiving um einen kurzen Ausblick zu wagen. Was bedeutet die Wahl von Donald Trump für die Wirtschaft im Allgemeinen und für den Rohstoff-Sektor im Speziellen?

Augenscheinlich konnten nicht nur Bankentitel (durch die Ankündigung einer weitgehenden De-Regulierung des Finanzsektors) und die Biotech-Titel profitieren, sondern auch die Rohstoffwerte und die Titel der Bau- und Baumaschinenindustrie. Verlierer waren die Titel der Waffen- und Rüstungsindustrie, obwohl gerade diese traditionell einen hohen Rückhalt bei den Republikanern genießen. Wie hängt das jetzt zusammen? Zunächst einmal haben die US-Wahlen jedoch erneut gezeigt, dass die Ankündigungen im Wahlkampf und die tatsächliche Umsetzung dieser Themen mitunter weit auseinander gehen können, denn noch vor Amtseinführung rudert Trump bereits bei vielen Themen, in denen er im Wahlkampf noch mit markigen Worten und lautstarken Ankündigungen für Stimmung unter seinen Anhängern gesorgt hat, wieder zurück und vertritt inzwischen wesentlich moderatere Positionen.

„Let’s make America great again“, das verspricht in erster Hinsicht eine protektionistische Wirtschaftspolitik, welche die Konkurrenzfähigkeit der US-Wirtschaft gerade in Hinblick auf die Wettbewerber aus Europa und Fernost verbessern und somit das produzierende Gewerbe zurück in die Vereinigten Staaten locken soll. Freihandelsabkommen wie TTIP sollen gestoppt und der Import von fremden Waren in den Handelsraum der Import-Nation Nr.1 durch entsprechende Handelsbarrieren und Zölle erschwert werden. Prinzipiell ist davon auszugehen, dass entsprechende Maßnahmen, sollten sie tatsächlich in Kraft treten, dem weltweiten Handel schaden und somit die Weltkonjunktur ausbremsen. Damit verbunden ist ein verlangsamter Anstieg des weltweiten Bedarfs an Rohstoffen. Warum steigen die Rohstoff-Preise und die Akten der Bergbau-Giganten trotzdem?

Donald Trump hat nicht nur angekündigt, den Handel zu erschweren und US-Unternehmen schützend zur Seite zu treten, sondern auch neue Schulden zu machen und massiv in die teilweise marode Infrastruktur der USA zu investieren. Im Wahlkampf sprach er sogar davon, die Infrastruktur der USA zum weltweiten Vorbild ausbauen zu wollen. Wenn ein reicher und flächenmäßig großer Staat wie die USA tatsächlich nur einen Teil davon umsetzen, dann werden jede Menge an Rohstoffen wie Kupfer, Aluminium, Eisen, usw. benötigt. Zudem führt eine protektionistische Wirtschaftspolitik dazu, dass es zu Marktverschiebungen kommen wird, da lokale Zusatzkapazitäten aufgebaut werden, die mittelfristig zu globalen Überkapazitäten führen. Eine USA die mehr oder weniger autark von ausländischem Öl ist, oder wieder zu Öl exportierenden Nation wird, sind in Zeiten von Fracking und neuen Ölfunden plötzlich wieder vorstellbar.

Da Trump nicht gerade als Umweltaktivist bekannt ist und auch hier schon versprochen hat, notfalls die Standards abzusenken und den Klimaschutz zurückzufahren, wenn es dem Wohle der US-Wirtschaft dient, könnten nicht nur die Ölförderung ausgebaut werden, sondern auch die Genehmigung von neuen Minen vereinfacht werden. Da aber von der Genehmigung einer Mine bis zur tatsächlichen Aufnahme der Produktion in der Regel sechs bis acht Jahre vergehen, werden neue Minen und neu entdeckte Ölfelder kaum einen Beitrag dazu leisten können, die Rohstoffe für eine entsprechende Sonderkonjunktur bereitstellen zu können, wenn Trump seine Ankündigung wahr macht und tatsächlich ein Programm auflegt, mit welchem massiv in die US-Infrastruktur investiert wird.

Bislang ist die jüngste Rally am Rohstoffmarkt wohl augenscheinlich durch den Ankündigungseffekt zu erklären und nicht fundamental unterstützt. Dies zeigt jedoch auch, wie nervös die Märkte aktuell sind, sodass ich weiterhin mit einer hohen Volatilität und kräftigen Ausschlägen in beide Richtungen rechne.