Diese fast schon ängstliche Frage bekomme ich derzeit sehr häufig gestellt. Viele krisengeschüttelte Anleger trauen dem Braten aktuell nicht so wirklich und fürchten sich vor einem erneuten Abtauchen der zuletzt exzellent gestiegenen Goldminenaktien. 200%, 300% und mehr waren seit dem Jahreswechsel bei vielen guten Minenwerten keine Seltenheit. Was aber zumeist Angst macht, war, dass diese fulminanten Anstiege in sehr kurzer Zeit abliefen. Und was stark steigt kann auch wieder stark fallen. Von dieser Unsicherheit geprägt stehen viele Anleger oder Interessierte und fragen sich, wie es wohl weitergehen könnte. Einsteigen? Halten? Gewinne mitnehmen und verkaufen?

Natürlich gibt es kein letztendliches und zu 100% gesichertes Szenario für die kommenden Quartale und Jahre, aber vergleichende Analysen und Ableitungen aus historischen Daten mit Querverbindungen zu aktuellen Marktlagen können zumindest ein wenig Licht ins Dunkel bringen und eine mögliche Richtung aufzeigen.

Christopher Aaron, Analyst bei Golde-Eagle, hat brandaktuell seine analytische Meinung zu diesem Thema veröffentlicht, die meiner Ansicht nach recht gut in das momentan herrschende „big picture“ passt, und vor allem die eingangs gestellte Frage nach dem Ende des aktuellen Höhenfluges der Goldminenaktien solide beantworten könnte.

Ein Blick auf den Goldminenindex HUI für den Zeitraum 2015 – 2016 zeigt den rasanten Anstieg der vergangenen Monate.

Pic 1 HUI 2015-2016

Quelle: gold-eagle.com

Hier zeigt sich der Hebel, den die Goldminenaktien im Vergleich zum 22%-Anstieg des Goldpreises aufweisen sehr deutlich. Gerade – und das als Tipp für Investoren – in Bullenmärkten sind nachstehende Fakten wichtig, die einen starken Hebel begründen können:

  • auf Jahresbasis steigende Goldproduktionen
  • entdecken neuer Goldlagerstätten
  • Ressourcenerweiterungen
  • Eröffnung neuer Minen
  • Wiedereröffnung zuvor unwirtschaftlicher Minen
  • Geringere Produktionskosten und damit erhöhte Wirtschaftlichkeit
  • Verschmelzung mit einem bestehenden Goldproduzenten
  • Übernahme durch einen bestehenden Produzenten
  • Kapitalaufnahmen ohne starke Verwässerungen

Einer dieser Fakten kann in einem Bullenmarkt bereits zu einem starken Kursanstieg führen und stellt somit eine gute kurz- bis mittelfristige Handelschance dar.

Aber zurück zur Beleuchtung des Marktes. Nicht nur die kleineren und mittleren Goldminenaktien haben den aufgezeigten Höhenflug begründet, auch die sogenannten Majors haben mit ihrer Performance von ebenfalls rd. 130% dazu beigetragen. Betrachten wir nun die vergleichende Entwicklung der Jahre 2000 bis 2003, wo ebenfalls ein starker Bullentrend gestartet ist.

Pic 2 HUI 2000-2003

Quelle: gold-eagle.com

Auch in diesem langjährigen Trend ist die erste Phase, in der wir uns derzeit zu befinden scheinen, ersichtlich. Auch diese erbrachte nach einigen Monaten bereits einen rd. 130%igen Anstieg, um dann kurzfristig zu korrigieren. Dieser erste Anstieg bezeichnete nur eine 20%ige Steigerung innerhalb des 3-jährigen Aufstiegs, der insgesamt rd. 640% erreichte. Nimmt man diese Statistik als bare Münze, so wäre die ängstliche Frage nach einem Ende des Höhenfluges klar beantwortet.

Doch gehen wir etwas weiter in die Materie ein und vergleichen die historische Situation der Goldminenaktien anhand nachfolgender Grafik.

Pic 3 Unzen je Aktie

Quelle: gold-eagle.com

Was sagt uns die Grafik, die die Unzen in Relation zur Aktie setzt? Im Grunde genommen stellt sie klar, dass es seit dem Jahr 2000 noch nie so günstig bewertete Unternehmen gab. Noch nie konnte man die Bodenwerte in Form von Aktien günstiger erhalten als derzeit. Schon alleine aus dieser Begründung darf man erwarten, dass bei anhaltendem Bullenmarkt die Goldminenaktien gewaltiges Steigerungspotential beinhalten.

Ein anderes Beispiel, das die Goldminenaktien im Verhältnis zum US-Aktienmarkt setzt, und somit in Relation zur US-Wirtschaft sieht, zeigt ein ähnliches Muster.

Pic 4 SuP vesus HUI

Quelle: gold-eagle.com

Auch in dieser Grafik wird deutlich, dass Goldminenaktien im Verhältnis zum S&P 500 so günstig sind, wie schon seit 16 Jahren nicht mehr, also die wesentlich bessere Anlageklasse darstellen. Beide Stände befinden sich 91% bzw. 95% unter dem Hoch aus 2011. Dies sollte ebenfalls zur Untermauerung des Aufwärtspotential dienlich sein.

Ein weiteres gutes Beispiel, das grafisch aufbereitet wurde, ist ein Chart aus einem Bericht von Palisade Research:

Pic 5 Chart Bullmarket

Quelle: Palisade Research

Auch diese Grafik veranschaulicht die angenommene Parallelität des aktuellen Aufwärtstrends zu den vergangenen, die ebenfalls eine Korrekturpause einlegten nach dem ersten Höhenflug, um danach langfristig weiter zu laufen.

Aus all dem Vorgenannten wäre anzunehmen, dass der gestartete Aufwärtstrend maximal eine Pause einlegen kann, um danach so richtig durch zu starten. Und das zumindest nach Ansicht der meisten Analysten für die kommenden 3 bis 4 Jahre.

Doch da grundsätzlich kein Bullenmarkt mit einem anderen vergleichbar ist, so bin ich als Hausanalyst vom Miningscout noch etwas vorsichtig, was die kommenden Perioden zeigen werden. Wie wir aktuell sehen, so drückt schon alleine die Ankündigung einer weiteren Zinsanhebung (dieses Thema hatten wir bei keinem vorigen Bullenmarkt) auf den Goldkurs. Logisch, wird doch dadurch der US-Dollar als Investment attraktiver. Bei der Betrachtung der Gesamtentwicklung des US-Marktes sehe ich jedoch diese angekündigte Zinserhöhung nicht als Ergebnis der sich bessernden Gesamtlage sondern als taktische Augenauswischerei der Währungshüter. Ein Effekt, der aus meiner Sicht nicht nachhaltig wirksam bleiben kann.

Was ich aber grundsätzlich sagen möchte, ist, dass es nach wie vor unterschiedliche Störfaktoren geben kann, die die Macht haben eine exzellente Fortsetzung des Aufwärtstrends abzubremsen. Allerdings treffen aus meiner Sicht auch hier parallel laufende Zahnräder zusammen. Künstlich hoch gehaltener US-Dollar, überhitzte US-Börsen – ein Durchschnitts-KGV von über 27 ist weit von einem gesunden Durchschnitt von 16 entfernt -, und ein sich weiter verschlechterndes Gesamtbild der US-Wirtschaft passen so überhaupt nicht zur angekündigten Zinserhöhung. Meiner Meinung nach ist dies eine Spiegelfechterei vor einer gewaltig bröckelnden Fassade.

Aber die aktuelle mögliche Korrektur wäre einerseits stimmig zu den obigen Aussagen, aber auch zu Meinungen vieler anderer Analysten, die eine Korrektur von einigen Wochen bis zu 4 Monaten voraussagen. Kein Prophet kann derzeit voraussagen wie sich der Goldmarkt und damit der der Goldminenaktien tatsächlich entwickeln wird, doch dem positiven Grundszenario einer Weiterführung des Aufwärtstrends nach einer Korrekturphase kann man durchaus Glauben schenken. Schon alleine aus dem Grund, da erwartet werden darf, dass sich die derzeit hochgepushte Wertigkeit des US-Dollars nicht mehr lange aufrecht erhalten lässt und mit dem dann einsetzenden Wertverfall den Aufwärtstrend von Gold und den Goldminenaktien nachhaltig stützen sollte.