Das Verhältnis zwischen Gold und Silber war schon immer ein gern genommener Indikator um Über- bzw. Unterbewertungen eines der beiden Edelmetalle feststellen zu können. Das historisch gewachsene Verhältnis von 15:1 geistert auch heute noch in vielen Köpfen. Dabei entstammt es eigentlich nur aus dem seit dem Altertum bekannten Abbauverhältnis und der Tatsache, dass eben 15 x mehr Silber als Gold gehoben wurde und man für 15 Unzen Silber 1 Unze Gold kaufen konnte. Was aber über zwei Jahrtausende Gültigkeit hatte, kann man durch die modernen Erforschungstechniken für Lagerstätten heute nicht mehr anwenden und muss daher auf ein modernes Verhältnis gebracht werden.

Betrachten wir dazu die Grafik der Gold-Silber-Ratio der vergangenen 30 Jahre um einen Überblick über die tatsächlichen und der heutigen Zeit entsprechenden Relationen zu erhalten.

Gold-Silver Ratio

Quelle: Silver Bullion

Ganz deutlich ist dabei zu erkennen, dass das alte Verhältnis 15:1 heute keine Gültigkeit mehr hat, sondern sich das Verhältnis in all seiner Volatilität in einem Trendbereich von rd. 45:1 bis 80:1 bewegt. Die in obiger Grafik enthaltenen Zusatzeinblendungen entstammen einem angeführten Beispiel des Ursprungsautors, der damit nachvollziehen wollte, wie sich die Wertsteigerung durch zyklischen Tausch von Gold in Silber und zurück über die Laufzeit entwickelt hätte. Es ist ein nettes Rechenbeispiel, die wirklich wichtige Aussage ist allerdings eine ganz andere. Der oben erkennbare Trendkanal zwischen rd. 45:1 und 80:1 lässt für viele Anleger die Möglichkeit erkennen auf den jeweiligen Gegentrend zu setzen, sobald die Ratio einen gewissen Wert über- bzw. unterschritten hat.

Auch heute befinden wir uns wieder in einer Verhältnissituation, die zu Überlegungen führen könnte. Dazu der Jahreschart der aktuellen Ratioentwicklung.

Ratio heute

Quelle: godmodetrader.com

Auch wenn wir mit Anfang April 2016 eine starke Korrektur unter 80 auf Tagesbasis erkennen, so bewegen wir uns seit gut einem Jahr an der Oberkante des Trendkanals. Wenn sich die Ratio in den kommenden 2-3 Monaten nicht weiter signifikant unter die 70:1 Barriere bewegt, so deutet dies lediglich auf eine kurze Korrektur hin und man kann weiterhin eine Ratio von ca. 80:1 erwarten. Gold gilt allgemein bei den Edelmetallen als Vorläufer in einem Trend. Und momentan wird von vielen Experten die Ausbildung eines steigenden Goldtrends erwartet.

Aber was bedeutet dies für Silber? Auf jeden Fall Gutes, denn der Ratio folgend und auch der Situation, dass Silber später „zündet“ als Gold, so kann damit gerechnet werden, dass Silber, wie auch schon bisher üblich, einen später einsetzenden aber dafür kräftigeren Aufwärtstrend ausbilden wird. Die erste grundsätzliche Erholungsphase aus dem langjährigen Abwärtstrend sehen wir ja bereits.

Nun kommt die Fantasie der Ratio hinzu. Korrigiert die Ratio bei steigenden Goldkursen in ihrer üblichen „Ping-Pong-Dynamik“ (siehe Grafik), so bedeutet dies schon rein logisch einen Multiplikatoreffekt für den Silberkurs. Und dafür ist eine Ratio um rd. 80:1 der beste Ausgangspunkt. Natürlich gibt es keine Garantie dafür oder endgültige Anzeichen für eine sofort einsetzende Trendumkehr in der Ratio, aber sagen wir mal so, es wäre dafür angerichtet. Die Entwicklung der beiden Edelmetalle in den kommenden 2 – 3 Jahren dürfte jedoch genug Ansätze erkennen lassen, wohin die Reise nicht nur für Gold, sondern ganz speziell auch für Silber gehen kann. Kürzer wirksame Aussagen können aus einem Langfristchart nicht seriös abgeleitet werden. Doch neben all den Optionen für einen langfristig orientierten Anleger haben die Entwicklungen der Verhältnisse zwischen Gold und Silber eindeutig aufgezeigt, dass die alte „Formel“ mit 15:1 endgültig der Vergangenheit angehört und man zur Beurteilung in modernen Zeiten den Trendkanal zwischen 40:1 und 80:1 auch dauerhaft anwenden wird können.

Quelle Originaltext: www.mining.com