Die Exploration, also die Suche nach Rohstoffen, ist ein Spiel mit der Ungewissheit, jeder erbohrte Kernmeter kann theoretisch den Anfang und die Grundlage für eine neue Lagerstätte und damit eine neue Mine darstellen. In der Realität stellen sich jedoch viele Projekte als zu klein, unwesentlich oder unwirtschaftlich für einen Minenbetrieb heraus, dennoch investieren viele Anleger bewusst in Projekte in einem frühen Stadium. Dabei sind sie sich in der Regel sehr wohl des erhöhten Risikos ihrer Geldanlage bewusst, doch die mögliche Rendite stellt der höheren Unsicherheit einen gleichwertigen Widersacher entgegen.

Bei kleinen Explorationsfirmen können bereits einige wenige Bohrergebnisse zu einer Vervielfachung des Aktienkurses beitragen. Doch welche Gebiete liegen im Fokus dieser Firmen, welche Anhaltspunkte nutzt das Management? Grundlegend ist eine Unterscheidung der Liegenschaft in ein Greenfield- oder ein Brownfieldprojekt entscheidend.

Als Greenfield wird ein Projekt kategorisiert wenn überregionale Rahmenbedingungen die Existenz einer Lagerstätte ermöglichen, aber keine detaillierten lokalen Informationen vorhanden sind (Abb. 1 und 2).

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Abbildung 1: Durch landwirtschaftliche Nutzung überprägte Landschaft (unterlagernd möglicherweise eine Lagerstätte).

Wenn grundlegend die geologischen Rahmenbedingungen (z.B. Störungen, Intrusionen, Alter und Art der Gesteine [Stratigraphie]) mit anderen bekannten Vorkommen übereinstimmen, besteht durchaus die Möglichkeit, an vergleichbaren Stellen ebenfalls fündig zu werden. Selbst nicht an der Oberfläche austretende Vorkommen, die durch jüngere geologische Einheiten oder anderweitige Nutzung (z.B. Landwirtschaft oder allgemein Vegetation, siehe Abb. 1) verdeckt werden, können durch ein dementsprechendes Vorgehen entdeckt werden.

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Abbildung 2: Unbekanntes Terrain, Bohrungen werden unter anderem anhand von geoelektrischen, gravimetrischen und geomagnetischen Messungen sowie auf Basis von vereinfachten Modellen geplant und umgesetzt.

Die Suche in einem nur vage bekanntem Umfeld (siehe Abb. 2) birgt deutliche unternehmerische Risiken, erfolgreiche Bohrkampagnen ermöglichen dabei aber auch die Erschließung neuer, bis dato unbekannter Lagerstättendistrikte sowie die Entdeckung neuer, großer Vorkommen.

Die Greenfield-Exploration, letztendlich die Suche nach einer Lagerstätte auf einer grünen Wiese, stellt somit ein extrem risikoreiches Unterfangen dar, aber insbesondere die Ungewissheit und das limitierte Wissen über mögliche Vorkommen stellt das Potential dieser Methode in Aussicht. Ein Glückstreffer in einem unbekannten Lagerstättendistrikt kann den Wert eines Unternehmens immens steigern, in vielen Fällen meiden jedoch kleine Firmen und oftmals auch die großen Bergbaukonzerne das risikoreiche und kapitalintensive Unterfangen, ein unbekanntes Gebiet zu erkunden und mit Hilfe einer Vielzahl von Bohrungen erste Vorkommen zu definieren.

Als Alternative zur Suche im Grünen – um nicht Schuss ins Blaue zu sagen – gibt es die sogenannte Brownfield-Exploration.

Die Grundlage der sogenannten Brownfield-Exploration stellen bestehende oder historische Bergbauoperationen dar.

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Abbildung 3: Suche nach neuen Vorkommen bei bekannten geologischen Rahmenbedingungen.

Sind die für die Mineralisation und Vererzung verantwortlichen Strukturen, die geologischen Einheiten und die mineralogischen und meist auch metallurgischen Eigenheiten eines Gebietes bekannt, kann bei einer Suche in angrenzenden Arealen von einer Brownfield-Exploration gesprochen werden.

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Abbildung 4: Freigelegte Oberfläche ohne Bewuchs und Bebauung ermöglicht die Aufnahme geologischer Einheiten und struktureller Rahmenbedingungen sowie eine gezielte Probenahme.

Der grundlegende Unterschied zur Greenfield-Exploration besteht darin, dass die größere Umgebung eines Brownfield-Projektes bereits nachgewiesene Vorkommen besitzt. Die neuerliche Suche besteht somit entweder in der Erweiterung bekannter Vorkommen in lateraler oder vertikaler Erstreckung, oder in der Suche nach möglichen weiteren Erzkörpern zwischen bereits bekannten Vorkommen.

Da hierbei meist anhand bekannter tektonischer Strukturen (z.B. Störungen), bestimmten stratigraphischen Einheiten oder direkt im Anschluss an bestehende Tage- oder Grubenbaue erkundet wird (siehe Abb. 4 und 5), besteht ein deutlich geringeres Risiko. Die höhere Datendichte, die oftmals gute Datengrundlage und eventuell abgeschlossene Bergbauversuche und -operationen liefern eine solide Basis, um neue Bohrergebnisse gezielt anhand von bestehenden geologischen Modellen zu überprüfen und eine entsprechende Bewertung vorzunehmen.

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Abbildung 5: Altbergbau, aufgelassene Gruben und Minen stellen sowohl ein wertvolles Archiv der mineralisierten Zonen als auch der für die Vererzung relevanten Strukturen dar.

Bei der Exploration eines Brownfield-Projektes kann im Vergleich zu Greenfield-Projekten meist von einem geringerem Risiko der Auffindung ausgegangen werden, bestehende Probleme früherer Projekte sind von den Investoren jedoch unbedingt zu berücksichtigen. Da es sich zudem oftmals um aufgelassene Gebiete handelt, kann in einigen Fällen zudem davon ausgegangen werden, dass Bereiche mit guten Gehalten bereits abgebaut wurden. Ein Beispiel für eine Brownfield-Exploration mit hochgradigen Bohrergebnissen stellt das Matilda-Projekt von Blackham Resources (ASX: BLK; WKN: A0KFUC; ISIN: AU000000AEK4) dar (siehe Abb. 5). Die Re-Interpretation alter Bohrergebnisse, die Anwendung neuer geologischer Modelle und die Erweiterung der Datenbank durch neue Bohrungen ermöglicht damit das Auffinden neuer Erzkörper sowie hochgradiger Zonen, die in früheren Operationen unter Umständen nicht berücksichtigt oder richtig verstanden wurden. Fehlerhafte oder unvollständige Interpretationen der Lagerstätte ermöglichen somit in einigen Fällen den neuen Eigentümern durch neue Ideen und Ansätze eine erfolgreiche Unternehmung ins Leben zu rufen.

Greenfield und Brownfield stellen somit zwei Methoden der Erkundung von Vorkommen auf Basis einer unterschiedlichen Datengrundlage dar. Dabei ist im Allgemeinem festzuhalten, dass eine höhere Datendichte meist mit einem niedrigerem Risiko, oftmals aber auch einem limitierten Potential des zu erkundenden Vorkommens einhergeht.

Als Investor stellt sich grundlegend die Frage der Risikobereitschaft. Je weniger Informationen über ein neues Projekt vorliegen, desto unsicherer ist der Ausgang der Prospektionskampagnen, bei entsprechenden Treffern ist jedoch eine außerordentliche Kurssteigerung möglich. Die geringe Datengrundlage reduziert dabei jedoch auch die Möglichkeit einer fundamentalen Analyse, Anleger sollten sich dieser Tatsache vor einem Investment bewusst sein.

So risikoreich die Greenfield-Exploration auch sein mag, sowohl für Kleinanleger als auch für die großen Bergbaukonzerne stellt die Vielzahl der vorhandenen Projekte obgleich ihrer geringen Erfolgsaussichten eine wesentliche Entwicklungsgrundlage und Investitionsmöglichkeit dar. Und auch die größten Bergbauprojekte der Welt begannen mit einer Erkundungsbohrung oder einer ersten Probe.