Platin wird nicht nur in der Schmuckindustrie hoch geschätzt, sondern findet neben der industriellen Verwendung auch Platz bei privaten und institutionellen Investoren. Speziell ETFs bezeugen das starke Marktinteresse an diesem Metall als Anlageprodukt. Gold und Silber werden von den Medien fast täglich durchleuchtet und von vielen Analysten permanent untersucht. Über Platin liest man trotz seiner Bedeutung relativ wenig. Ein Grund mehr für uns den Status und die Aussichten für die nähere Zukunft einmal näher zu betrachten.

Im nachfolgenden Chart sehen wir von Platin die historische Entwicklung der letzten 15 Jahre. Die Platinpreise sind in USD je Unze angeführt:

Platin 3 Jahre

Quelle: finanzen.at

Die Kursentwicklung zeigt starke Parallelen zu Gold und Silber. Die „Boomjahre“ 2005 bis 2008 mit einer fast Verdreifachung des Preises, der Absturz 2008, die Aufholjagd bis 2011 und das seitdem langsame Abbröckeln kennen wir von Gold und Silber bereits zur Genüge. Aber das soll dennoch nicht dazu verleiten, anzunehmen, dass diese Parallelentwicklung auch in Zukunft so sein wird.

Denn die weltweite Produktionsentwicklung unterscheidet sich stark von der des Goldes oder Silber. Hauptverursacher der geringeren Produktionsergebnisse für 2014 (siehe Chart 2) waren in erster Linie die von Jänner bis Juni andauernden Streiks in Südafrika. Südafrika zählt jedoch mit einer Jahresproduktion von 110 Tonnen (2014) zu 60% verantwortlich für die Jahresweltproduktion von 161 Tonnen. Der zweitgrößte Produzent der Welt, Russland, wurde von Krise in der Ukraine wesentlich beeinflusst. Dies alles sind Faktoren, die bei Gold und Silber nicht zutrafen und speziell für Platin entscheidend waren.

So kam es auch, wie die nachfolgende Grafik zeigt, dass sich in den letzten 3 Jahren, aber speziell in 2014 ein Angebotsdefizit aufbaute.

Platin Angebotsdefizit

Quelle: bloomberg.com

Da in Südafrika nun seit Dezember 2014 wieder der Aufbau zur Vollproduktion vollzogen ist, so wird sich der Nachschub an Platin im Jahr 2015 wieder auf früherem Niveau einpendeln und den Markt ausreichend versorgen können. Sogar eine Ausweitung der Produktion ist zu erkennen durch gesteigerte Voraussagen der großen Minenbetreiber. Da spielt die anhaltende Ukrainekrise keine wesentliche Rolle mehr.

Um die Marktgröße begreiflich zu machen betrachten wir die Weltproduktion. Wer sind die großen Nationen und wieviel Platin wird insgesamt produziert.

Erwin Statistik Platin

Wie man sieht, beträgt Platin nicht einmal 6% der Goldproduktion, besitzt also nur einen sehr kleinen Markt. So klein er auch sein mag, für aufkommende Produktion von Elektrofahrzeugen, für Schmuck und Anlagen in Form von Barren und Münzen ist seine Bedeutung sehr hoch. Doch auch bei Platin ist der Recyclingmarkt ein wesentlicher Faktor für die Gesamtnachfrage und den Nachschub.

Platin Recycling

Quelle: ANZ Research

Betrachtet man das Verhältnis zur Minenproduktion von rd. 4,45 Mio. Unzen Platin für das Jahr 2014, so nimmt das Recycling mit rd. 33% als Spitzenwert für dieses Jahr einen hohen Stellenwert ein. Das recycelte Platin stammt hauptsächlich aus industriellem Abfall sowie aus der Schmuckindustrie.

Normalerweise würde man erwarten, dass bei einem so engen Markt nachlassender Nachschub für steigende Preise sorgen würde. Doch um hier zu einem schlüssigen Urteil zu gelangen muss man sich auch eine weitere bedeutende Marktgröße bei Platin ansehen, die ETFs.

Platin Etfs

Quelle: bloomberg.com

In Zeiten nachlassender Goldbestände sind ETFs speziell im Jahr 2013 bei Platin auf der Käuferseite gestanden und haben mit über 1 Mio. Unzen im Bestand alleine einen bedeutenden Teil der Produktion abgenommen. Ein Zeichen dafür, dass man mit steigenden Kursen rechnete. Als 2014 der Kurs jedoch nicht wieder anzog, so sieht man speziell in den ersten Monaten des Jahres 2015 die ETFs wieder auf der Verkäuferseite. Daraus ist zu erkennen, dass das gesamte Marktsentiment mehr Einfluss auf die Preisbildung hat als der Handel selbst. Darüber hinaus wirken auch die sinkenden Nachfragen aus China, deren Wirtschaftswachstum sich verlangsamt, die noch zögerlich anlaufenden PKWs mit Elektroantrieb sowie das Misstrauen der Anleger gegenüber Edelmetallen allgemein.

Wie sieht die Zukunft Platins in den kommenden Jahren aus?

Dazu muss man die nachfolgenden Situationen zu einem Gesamtbild zusammenfügen. Hier die gesammelten Meinungen der Analysten und Bankexperten aus den letzten Monaten:

  1. Es wird erwartet, dass sich Chinas Wirtschaft auf geringerem Level als bisher entwickeln wird, und der Marktbedarf an Platin bei diesem Großabnehmer sinken wird. Speziell von der Schmuckindustrie erwartet man nachgebenden Bedarf.
  2. Die Südafrikanischen Minen laufen auf Hochtouren und verkünden Produktionssteigerungen von bis zu 20% für die nächsten Jahre. Dies sollte zu einem Überschuss führen.
  3. Die ETFs werden bei anhaltender Negativentwicklung weiterhin verstärkt auf der Verkäuferseite stehen, da auch sie Performance zeigen müssen.

Trifft nun steigende Produktion auf sich ermäßigende Nachfrage, so ist dies kein gutes Zeichen für das Marktsentiment und folglich auch nicht für die Kursentwicklung. In den kommenden 3 Jahren stehen Mehrproduktionen in Höhe von rd. 1,2 Mio. Unzen einem zu erwartenden Mehrbedarf von nur rd. 200.000 Unzen gegenüber. Chart Nr.3 zeigt dass die Experten in den kommenden 3 Jahren einen Preis von durchschnittlich USD 1.113,- für 2015, USD 1.147,- für 2016 und 1,172,- für 2017 je Unze Platin erwarten.

All diese Vorhersagen können natürlich noch von politischen Störungen oder Marktturbulenzen verändert werden, aber generell sollte man bei Platin in der kommenden Zeit keine allzu großen Erwartungen haben.