Im internationalen Vergleich schneiden die für den Bergbau maßgeblichen kanadischen Börsen TSX und TSX-Ventures sehr schlecht ab. In den letzten 5 Jahren hat der TSX – trotz der noch spürbaren Aktienrallye 2010 und 2011 – nur rd. 25% zugelegt. Im Vergleich dazu der S&P 500 über 70%. Seit seinem Höchststand im Jahr 2011 verlor hingegen der TSX-Venture bis heute sogar um über 70%. Die Ursachen dafür sind in den Strukturen, Auflagen und Regulierungen zu finden. Besonders auffällig ist dies in den Rückläufen bei den kleinen Unternehmen (Small-Caps). Im Vergleich zum Vorjahr fiel die TSX-V um 30%, Das Handelsvolumen sank im gleichen Zeitraum um rd. 25% und die Transaktionen um mehr als 45%. Das sind erschreckende Zahlen, die man nicht mehr mit gestiegenen Explorationskosten und fallenden Rohstoffpreisen alleine erklären kann. Blicken wir nun ein wenig tiefer in die Problematik:

Die Listing-Gebühren

Es ist kein Wunder, wenn Experten der Meinung sind, dass bis Jahresende rd. 500 Unternehmen vom Kurszettel verschwinden werden. Viele dieser kleinen Explorer haben nämlich weniger als Can$ 250.000,- in ihrer Kasse und somit ein existenzielles Problem um die jährlichen Gebühren und Auflagen in Höhe von rd. Can$ 200.000,- für das Listing zu stemmen. Schafft es ein Junior tatsächlich Can$ 1 Mio. zu ergattern, so verschlingt alleine die Aufrechterhaltung der Notierung 20% des Kapitals. Dies in Verbindung mit dem folgenden Problem berührt jedoch die Börsen absolut nicht. Nicht einmal ansatzweise ist hier ein Entgegenkommen zu spüren.

Der kanadische Kapitalmarkt

Eine nahezu tödliche Spirale hat in den letzten Jahren eingesetzt. Mit den Rohstoffpreisen fielen auch die Aktienkurse der Unternehmen. Viele der Anleger sitzen auf gewaltigen Verlusten. So ist es nicht verwunderlich, dass sich sowohl Kleinanleger, wie auch Institutionelle scheuen, dieses Parkett wieder zu betreten, nachdem viele mit Verlusten ausgestiegen sind, oder noch immer darauf sitzen. Banken haben sich bei Investments neu orientiert und die vielen Brokerhäuser in Kanada sitzen bereits völlig auf dem Trockenen. Für viele Kleinunternehmen wahrlich keine leichte Situation, einerseits Fortschritte zu erzielen und anderseits an der Börse notiert bleiben zu können. Diesen Wandel der Branche hat die kanadische Börse einfach negiert. Wohl wissend, dass ein Großteil der Unternehmen dem Bereich Bergbau entstammen, der derzeit besonders leidet.

Waren es zum März 2013 noch 2.497 gelistete Unternehmen an der TSX-Venture, so sank die Mitgliederzahl bis März 2014 auf 2.437 und per März 2015 waren noch 2.318 gelistet. Das heißt, dass 60 Unternehmen im Zeitraum März 2013 bis März 2014 und im Zeitraum März 2014 bis März 2015 119 verschwunden sind. Seit Beginn dieses Jahres sind 57 Unternehmen von der TSX-Venture „De-Listet“, also von der Notierung ausgesetzt worden, 50 weitere völlig gestrichen. Lediglich 12 neue Aufnahmen zur Notierung wurden im gleichen Zeitraum gezählt. Ein trauriger Trend, der sich wahrscheinlich im Laufe des Jahres noch massiv verstärken wird. Ist hier ein Entgegenkommen der TSX und TSX-Venture zum Erhalt ihrer Kunden zu sehen? Fehlanzeige. Man macht keine Anstalten, den Unternehmen diese schwere Zeit auch nur ein wenig zu erleichtern.

Das „Short-Selling“

Große Banken haben schon immer die besseren Instrumente zur Hand gehabt als kleine Institutionen oder gar Privatanleger. So ist der Trend zu verzeichnen, dass die „Big Player“ die Kleinen aus dem Markt drängen. Sind die Kleinen weg, haben sie wesentlich mehr freie Hand für ihre Aktionen, die zum Leidwesen aller anderen Beteiligten auch das „Shorten“ umfasst, also die gezielten Wetten auf fallende Kurse. Wetten, die überwiegend nur die Großbanken im großen Stil durchführen. Das bedeutet, dass das Kapital für diesen Markt nicht verschwunden ist, sondern sich nur von den vielen kleinen Stützen des Juniormarktes hin zu den großen Banken verschoben hat, die jedoch ihr eigenes Spiel damit betreiben, anstatt die Branche zu unterstützen. Dieses wertvolle Kapital fehlt jedoch den noch meist jungen Unternehmen für deren Weiterentwicklung. War es früher (bis 2013) erlaubt, einen Leerverkauf erst dann durchzuführen, wenn der Kurs höher als der Einstiegspreis war, so sind nach den seit 2013 geltenden Regulativen Leerverkäufe zu jeder Zeit möglich. Damit wird der Juniormarkt völlig ausgetrocknet. Auch hier legt TSX-Venture erneuten keinen Riegel vor.

Technisches Trading

Die moderne Elektronik hat es mit sich gebracht, dass computergestütztes Handeln möglich wurde. Dadurch sind Handelsvorgänge in Bruchteilen einer Sekunde abgeschlossen. Kein normaler Mensch, Investor oder Großanleger kann in solch kurzer Zeit reagieren wie es die den Markt beeinflussenden Computer tun. Diese auf Software basierenden Handelsentscheidungen benötigen maximal 10 Millisekunden zur Ausführung. Und es genügen durchschnittliche Behaltezeiten von 16 Sekunden, um aus dadurch entstehenden Kursreaktionen Gewinne mitzunehmen. Egal, ob die Programme auf fallende oder steigende Kurse setzen. Doch hat dieses Spiel auch eine gefährliche Seite, denn man kann damit auch ganz bewusst Fehlsignale generieren, um den Markt zu täuschen. Solche Handelsaufträge werden ausgesandt und gleichzeitig mit millionstel Sekunden Zeitabstand widerrufen. So werden Trends generiert, die eigentlich gar keine sind. Und dies alles zum Schaden der notierenden Unternehmen, die keine Chance haben gegen diese von Computern generierten Trends anzukämpfen. Das ist Betrug, Manipulation und die Börsen sehen dabei zu.

Fazit

Bündelt man nun diese 4 Problempunkte, so wird offensichtlich, dass dringender Handlungsbedarf von Seiten der Börsen besteht, denn sie geben die Vorschriften, Regelwerke und Gestaltungen des Handelns vor. Und die Börse muss es auch sein, die Zeichen der Zeit zu erkennen, um sich und ihre vertretenen Unternehmen vor negativen Trends und Fremdeinflüssen zu schützen.

Als Marktbeobachter sehen wir vom Miningscout allerdings noch ein weiteres Problem, dass ebenfalls die TSX-Venture in großem Maße betrifft, aber nicht von ihr verursacht wurde.

In Kanada besteht für Unternehmen die Möglichkeit zur Ausgabe von sogenannten „Flow-Through-Aktien“, also steuerbegünstigte Aktien für die Anleger. Diese haben einzig zur Auflage, dass das damit generierte Kapital ausschließlich zur Weiterentwicklung des Unternehmens verwendet werden darf. So weit, so gut. Diese Aktien können jedoch nur von Inländern steuerlich genutzt werden. Nicht jedoch von Anlegern aus anderen Ländern.

Wir haben mit vielen Unternehmen gesprochen, die wegen des ausgetrockneten Marktes in Kanada vehement versuchen über ein Dual-Listing an der Frankfurter Börse, oder bei Investorenmeetings in Europa zu frischem Kapital zu gelangen. Fakt ist jedoch, dass neben den ohnehin schwächelnden Märkten auch diese „Flow-Through-Aktien“ den europäischen Investor nachhaltig verärgert haben, denn dieser kann daran nicht partizipieren und sieht als Ergebnis nur eine Verwässerung der Aktienstruktur und Schmälerung seines Wertanteils am Unternehmen, ohne jedoch selbst etwas dagegen unternehmen zu können. Somit haben sich viele Juniorunternehmen aus Kanada ihre früheren Quellen für frisches Kapital selbst verbaut. Wie wir in unseren Gesprächen mit Firmenvertretern auch immer wieder feststellen müssen, ist den meisten dieser Umstand gar nicht bewusst, und wenn, dann rechtfertigen sie es mit der Aussage, dass sie das Geld einfach brauchen, egal wo es her kommt. So schafft man jedenfalls kein Anlegervertrauen auf internationalen Märkten.

Die oben genannten Punkte, die die Probleme der kanadischen Börse beschreiben, sind offensichtlich, aber schlussendlich kaum verständlich. Auch ein schwerfälliger Apparat wie eine Börse müsste doch in der Lage sein, Rahmenbedingungen zu schaffen, die dem Markt, den Unternehmen und den Anlegern entgegenkommen. Für die allgemeine Lage der Märkte kann die Börse nicht zur Verantwortung gezogen werden, aber Leerverkäufe könnten zum Beispiel verboten oder sinnvoll eingeschränkt werden und technisches Trading ebenso. Man könnte auch zum Beispiel eine Behaltezeit der Aktien nach Orderausführung von zumindest 1 Tag festschreiben.

Auf den Wandel der Zeit zu reagieren und die Gebühren den Bedürfnissen der Unternehmen anzupassen sollte, auch wenn es nur eine vorübergehende Maßnahme ist, ebenfalls möglich sein. Klar ist man von Seiten der Börse auf eine Strukturbereinigung erpicht, denn noch tummelt sich eine große Anzahl von „Zombie-Unternehmen“ unter den Notierungen, die vom Geschäftsmodell nicht wirklich etwas auf diesem Marktplatz verloren haben und rufschädigend agieren. Doch mit Sachkenntnis und richtiger Handhabung könnte sicherlich vermieden werden, dass anständig arbeitende Unternehmen von diesen separiert werden. Man könnte hier durchaus die Ratio (Verhältnis) aus Aufwand für allgemeine Kosten und Aufwand für Exploration heranziehen. Dies ist aus jeder Bilanz ersichtlich. Gut geführte Unternehmen verwenden eingesammeltes Kapital überwiegend für die Entwicklung ihrer Projekte, bei den „Zombies“ versickern die Anlegergelder in Bereichen, die nicht der Unternehmensentwicklung dienen. Und genau diese Unternehmen gehören von der Börse verbannt. Dies zu kontrollieren wäre ein Leichtes. So fände eine Bereinigung statt ohne die ehrlich arbeitenden Unternehmen zu schädigen. Damit könnte die im Ruf angeschlagene TSX-Venture wieder zu besserer Reputation gelangen und nicht länger als Sammeltopf für alles und jeden gelten.