Nach einem für den Rohstoffsektor höchst turbulenten Jahr 2013 hofften viele Anleger Anfang 2014 auf eine bessere Performance der Bergbauaktien. Und die Chancen dafür standen gut. Die Bewertungen der Papiere waren alles andere als teuer, insbesondere zu Aktien aus anderen Branchen, bei Leitrohstoffen wie dem Goldpreis winkte eine Bodenbildung und viele Experten rechneten damit, dass die Weltwirtschaft einen Aufschwung nimmt.

Es war zwar klar, dass nicht jeder Rohstoff eine gute Performance wird hinlegen können, doch dass das Jahr 2014 ein weiteres Katastrophenjahr für einige Bodenschätze wird, hatten nicht allzu viele Börsianer erwartet. Der Blick auf einige Rohstoff-Aktienindizes zeigt die Entwicklung beispielhaft. Der Philadelphia Gold and Silver Index, besser unter dem Kürzel XAU bekannt, notiert mit Kursen um 69 Punkten deutlich unter dem Jahresendstand 2013 bei 84,15 Punkten, noch deutlicher fällt der Abstand der letzten Indexnotierungen zum Jahreshoch bei 107,39 Punkten aus. Seit Ende August ist beim XAU eine massive Talfahrt zu sehen. Auch anderen wichtigen Rohstoff-Aktienindizes, wie zum Beispiel dem MSCI ACWI Select Metals & Mining Producers Ex Gold &Silver IMI, ging es im vergangenen Jahr nicht besser: Sowohl gegenüber dem Jahres-Schlusskurs als auch besonders gegenüber dem Jahreshoch 2014 sind deutliche Verluste zu verzeichnen.

Zwei in Deutschland bei Tradern sehr beliebte „blue chips“ aus der Branche stehen exemplarisch für das, was 2014 viele Anleger durchmachen mussten. Zum einen ist hier die Aktie von Barrick Gold (ISIN: CA0679011084)zu nennen, den Marktführer unter den Edelmetallproduzenten. Der im Jahresverlauf schwache Goldpreis hat den Aktienkurs von Barrick Gold deutlich unter Druck gesetzt. An der US-Börse ging es für den kanadischen Titel vom Jahreshoch bei 21,45 Dollar auf bis zu 10,26 Dollar nach unten, die Mitte Dezember erreicht wurden. Zum schwachen Goldpreis kommen projektspezifische Probleme, wie zum Beispiel beim Goldvorkommen Pascua-Lama oder der Kupfermine Lumwana in Sambia, die man nach Änderungen des Steuerrechts des afrikanischen Staates eventuell dicht machen muss, da sich die Aktivitäten nicht mehr rentieren würden. Dass Barrick Gold zudem alles andere als gering verschuldet ist, entspannt die Lage des kanadischen Unternehmens nicht gerade.

Zum anderen ist da die Gazprom-Aktie (ISIN: US3682872078), in der sich reihenweise Probleme ballen, die im zu Ende gehenden Jahr den Anlegern Sorgen gemacht haben. Vor allem aber waren dies zwei Dinge: Zum einen die Folgen der Ukraine-Krise für die globale Politik, zum anderen die abwärts gerichtete Preisentwicklung bei einer ganzen Reihe von Bodenschätzen. Energierohstoffe wie Öl und Gas hat es besonders getroffen. Die Folge all dieser Belastungen: Der Gazprom-Aktienkurs fiel insbesondere im November und Dezember noch einmal deutlich zurück, gegenüber dem Jahresschlusskurs 2013 hatte sich die Notierung mehr als halbiert, bevor eine Kurserholung einsetzte. Die Turbulenzen um Gazprom sind längst nicht beendet. Zum einen taumeln der russische Rubel und die russische Wirtschaft gen Abgrund, zum anderen kommt der Konzern bei den Kosten und Investitionen durch die Rubel-Schwäche zusätzlich stark unter Druck.

Rohstoffaktien aus dem deutschsprachigen Raum an der Börse im Fokus

Doch nicht nur Großkonzerne der Ölbranche wie Gazprom bereiten Anlegern Kopfzerbrechen, auch kleinere Unternehmen sind betroffen. Bei heimischen Anleger gilt dies unter anderem für den Anteilsschein von C.A.T. oil (ISIN: AT0000A00Y78), um den ein Machtkampf zwischen den alten Großaktionären und dem Investor Joma entbrannt ist. Letzterer hat zuletzt mit einer umstrittenen Aktion die Mehrheit übernommen und ein Übernahmeangebot vorgelegt. Der Machtkampf geht weiter, die Lage bleibt für private Anleger undurchsichtig. Zuletzt hat allerdings der Vorstand der Österreicher den Aktionären des Konzerns empfohlen, die Joma-Offerte anzunehmen.

Ein anderer Small Cap, der sich bei Anlegern immer wieder in den Fokus bringen kann, ist die Entry-Standard-notierte Deutsche Rohstoff (ISIN: DE000A0XYG76). Der Heidelberger Konzern verzeichnet nach einem Kursgewinn zu Jahresbeginn seit Anfang März fallende Kurse, die Aktie stürzte dabei von 29,50 Euro auf bis zu 12,89 Euro ab, die erst am 17.12. erreicht wurden. Den Aktienkurs belastet, dass sich die Süddeutschen seit einiger Zeit stärker auf den Öl- und Gassektor konzentrieren – eigentlich ein schlechtes Timing für den Strategieschwenk, könnte man auf den ersten Blick glauben. Tatsächlich steht die Deutsche Rohstoff derzeit aber vor allem auf der Seite der Projektkäufer, für die der Markt nach dem Preisrutsch bei vielen Rohstoffen attraktiver wird. Im Management rechnet man mit wieder anziehenden Ölpreisen und hat zuletzt Investoren beruhigt, dass die Ölprojekte bereits bei etwa 40 Dollar je Barrel die Gewinnschwelle erreichen. Zudem will man auch außerhalb des Energierohstoffsektors Projekte zukaufen.

Beim Blick auf die deutschen Rohstoffaktien springt immer wieder der DAX-notierte Konzern K+S (ISIN: DE000KSAG888) ins Auge. Die Kasseler bauen Kali und Salz ab und verarbeiten die Rohstoffe unter anderem zu Düngemitteln und Streusalz weiter. Ähnlich wie der wichtigste deutsche Aktienindex erlebte auch die K+S Aktie ein volatiles Jahr, ohne per Saldo gegenüber dem Jahresschlusskurs 2013 (22,375 Euro) vorangekommen zu sein. Zwischenzeitlich wackelte sogar die DAX-Zugehörigkeit. Für die weitere Kursentwicklung des Konzerns wird vor allem die Kalipreisentwicklung von großer Bedeutung sein.

Norilsk Nickel profitiert von Preisentwicklung bei Palladium und Nickel

Noch einmal gehen wir in diesem Rückblick nach Moskau an die dortige Börse, die unter den Blue Chips der Rohstoffaktien einen der Top-Performer des Jahres 2014 beheimatet – allerdings nur in Landeswährung: Norilsk Nickel (ADR-ISIN: US46626D1081). Während das Papier in der zweiten Jahreshälfte 2014 aufgrund der Rubel-Schwäche an den westlichen Börsen vom Jahreshoch bei 15,935 Euro (XETRA-Handel) deutlich an Terrain verlor, liegt der Norilsk-Aktienkurs an der Moskauer Börse weit über den 5.399 Rubel, die das Papier Ende 2013 wert war. Der Grund für den Kursanstieg sind die Besonderheiten auf dem Nickel-Markt, wo der Exportbann, den der indonesische Staat ausgesprochen hat, 2014 für massiv steigende Nickelpreise gesorgt hat. Seit September aber hat das Metall größere Teile der diesjährigen Gewinne wieder hergeben müssen. Noch Mitte Dezember wurden für Norilsk Nickel in Moskau 10.805 Rubel bezahlt, am Freitag waren es 8.860 Rubel. Der russische Konzern hat dabei allerdings nicht nur vom Nickelpreis profitiert, sondern auch von den Entwicklungen beim Palladium. Russland ist beim „kleinen Geschwisterchen“ des Platins Nummer 1 auf dem Weltmarkt – und auch Palladium konnte sich 2014 deutlich verteuern, wenngleich es hier seit September ebenso zu Kursabschlägen gekommen ist.