Es ist schon etwas her, dass den ersten Großinvestoren in Sachen Bergbaubranche der Kragen geplatzt ist. Die Krise der Jahre nach dem Goldpreishoch 2011 haben die Geldgeber genutzt, um den Druck auf die Chefetagen der Minenkonzerne zu erhöhen. Die Kritik entzündete sich vor allem an der Erosion der Gewinnspannen in dem Wirtschaftssektor. Starke Kostensteigerungen und sinkende Rohstoffpreise machten den Unternehmen zu schaffen, aber auch viele hausgemachte Probleme: Kosten-Wasserköpfe, unrentable Projekte, „Größenwahn“, der zu milliardenschweren Abschreibungen führte.

Zuletzt gab es immer wieder Lichtblicke, dass die Bergbau-Manager die Kritik der Anteilseigner und damit ihrer Arbeitgeber verstanden haben. Projekte kamen auf den Prüfstand, was nicht bestimmte Kriterien erfüllte, wurde geschlossen oder verkauft, Kosten wurden gesenkt. Doch das scheint nicht zu reichen, wenn man eine aktuelle Studie der Consultinggesellschaft Ernst & Young studiert.

Produktivität im Bergbau sinkt – zahlreiche Baustellen

Die Experten haben sich in der Studie „Productivity in mining: A case for broad transformation“ mit dem jahrelangen Margenverfall in der Branche auseinander gesetzt. Zurückgeführt wird dieser vor allem auf die Bemühungen der Konzernmanager, Produktionsmengen und Umsätze zu steigern. Diese Expansion stellt die Gesellschaften nun vor Herausforderungen, heißt es. Bruce Sprague, der Experte für den Minensektor in Kanada bei Ernst & Young, legt den Finger in die Wunde und nennt Ineffizienzen beim Arbeitereinsatz und den Ausrüstungen als weitere Gründe für die sinkende Produktivität in der Bergbaubranche.

Sprague glaubt nicht, dass sich die auftürmenden Probleme bei der Produktivität der Minenkonzerne allein durch Kostenkürzungen und leichte Veränderungen bei Technologie und Arbeitsprozessen beseitigen lassen. „Es gibt keine einfachen Lösungen, um die Herausforderungen zu lösen“, sagt der Rohstoffexperte. Werde der Fokus auf solche Reformen wie Kostensenkungen eingeengt, könnte sich dies sogar kontraproduktiv auswirken, indem man den Kostendruck einfach nur auf die Zulieferer abwälzt. Das Problem werde so nicht gelöst, sondern schlicht entlang der Zuliefererkette abgewälzt, so Sprague.

Verbesserungen in vielen Bereichen sind dringend vonnöten

Brancheninsider Sprague fordert stattdessen nachhaltige Veränderungen in den Businessmodellen und ein radikales Umdenken bei den Rohstoffförderern. Dazu gehören nicht nur Veränderungen in den Abbaumethoden wie zum Beispiel – wo möglich – einer wesentlich konsequenteren Automatisierung, sondern unter anderem auch Integrationen und Angleichungen im Rahmen der Zulieferer- und Wertschöpfungsketten und genaue Prüfungen der Abbaupläne in den einzelnen Minen. Nicht zuletzt fordert Sprague von den Unternehmen Verbesserungen bei Planungen und Budgetierungen sowie der Performancemessung bei den Aktivitäten.