Die Manipulationsverdächtigungen rund um das Edelmetallfixing in London führen zu mehr und mehr Irritationen an den Gold- und Silbermärkten. Der elitäre Club der fünf Banken, die am britischen Finanzplatz den Fixingprozess unter Kontrolle haben, zeigt kleine Auflösungserscheinungen. Die Deutsche Bank, die zum erlauchten Kreis der Fixingbanken gehört, zieht sich mehr und mehr aus dem Rohstoffgeschäft zurück. Und die The London Silver Market Fixing Company wird am 14. August das Silberfixing beenden, wie jüngst angekündigt wurde.

Es wäre eine Zäsur für den Markt, denn die Fixingkurse gehören zu den wichtigsten Basispreisen am Rohstoffmarkt. Seit mehr als 100 Jahren wird börsentäglich am Mittag ein Silberpreis ermittelt, der für viele Rohstoffgeschäfte als Grundlage dient. Fällt die Preisfeststellung weg, müssten viele Marktteilnehmer sich auf neue Benchmarks für ihre Geschäfte einigen – und das könnte große Probleme aufwerfen und den Markt zunächst noch intransparenter machen, als er es ohnehin schon ist.

Was kommt nach dem Londoner Silberfixing?

Allerdings arbeitet man in der „City“ an möglichen Alternativen zum Silberfixing. Die London Bullion Market Association, die den weltweit wichtigsten außerbörslichen Handelsplatz für Gold und Silber betreibt, ist bei den Verhandlungen federführend. Eingebunden in die Konsultationen sind neben den Marktteilnehmern unter anderem auch die Regulierungsbehörden. Am Markt rechnet man damit, dass ein Auktionssystem das bisherige Fixing ersetzen könnte. Doch ob etwas bzw. was am Ende der Verhandlungen herauskommt, ist derzeit offen. Dass die Gespräche unter Zeitdruck erfolgen, macht die Situation nicht besser.

Mit welcher Benchmark sich der Silbermarkt ab dem 15. August abgeben wird, ist also derzeit ein großes Fragezeichen. Das sorgt für Unruhe am Markt. In Indien, einem der wichtigsten Hotspots für Edelmetalle weltweit, werden große Sorgen und zugleich Forderungen nach einer schnellen Lösung des Problems laut. Man befürchtet, dass die entstehenden größeren Intransparenzen zu höheren Importpreisen für Silber führen werden. Indiens Schmuckindustrie ist ein wichtiger Konsument des Edelmetalls, das allerdings auch in einer Vielzahl von industriellen Anwendungen eingesetzt wird – in der Medizin, der Elektronik oder beim Bau von Solarenergieanlagen, um nur einige zu nennen. Alle diese Branchen wären ebenfalls von Preissteigerungen betroffen.

Fallen die indischen Restriktionen auf Goldimporte?

Für den indischen Edelmetallmarkt könnten sich nach dem Regierungswechsel im Land in Kürze die Rahmenbedingungen auch ohne das Fixing-Chaos signifikant ändern. Analysten gehen davon aus, dass die indische Regierung die Importzölle für Gold von derzeit 10 Prozent senken könnte. Dies solle bereits Anfang Juni geschehen, heißt es. Zudem könnte die Regelung aufgeweicht werden, dass mindestens ein Fünftel der Goldimporte für die exportierende Schmuckindustrie reserviert sein muss. Für die offizielle Edelmetallnachfrage aus dem Land könnte sich dies enorm positiv auswirken, nachdem zuletzt der Goldschmuggel immer größere Teile der Nachfrage in Indien befriedigt haben soll. Zum Teil waren die indischen Konsumenten auch auf Silber ausgewichen, 2013 waren die Silberimporte des Landes hoch wie nie zuvor.

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