Eigentlich sind die Rollen in der Goldbranche klar verteilt: Barrick Gold (ISIN: CA0679011084) ist der Platzhirsch. Im vergangenen Jahr hat der kanadische Goldförderer rund 7,2 Millionen Unzen des Edelmetalls ans Tageslicht geholt. Die Aktie der Nordamerikaner gilt seit langer Zeit als Benchmark der Branche und Blue Chip. Und dennoch, wenn man sich die Marktkapitalisierungen anschaut, wird Barrick Gold dieser Marktführerrolle nicht immer gerecht.

Aktuell kratzt Goldcorp (ISIN: CA3809564097) an der Pole Position von Barrick Gold. Die Marktkapitalisierung der beiden Unternehmen hat sich im Jahresverlauf 2014 nach und nach angeglichen, wie eine Grafik von mineweb.com zeigt. Diese Kursentwicklungen der beiden Goldminenaktien lassen sich an der Nachrichtenlage auf den ersten Blick durchaus nachvollziehen. Während der Markt letztendlich doch erleichtert scheint, dass Goldcorp bei der Übernahmeschlacht um Osisko Mining (ISIN: CA6882781009) den Kürzeren zog, nehmen Börsianer Barrick Gold offensichtlich „übel“, dass der geplante Zusammenschluss mit Newmont Mining (ISIN: US6516391066) geplatzt ist.

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Quelle: Mineweb.com

Goldcorp überholt Barrick Gold

In den vergangenen Wochen ist der Barrick-Aktienkurs deutlich unter Druck geraten. Von 21,45 Dollar am 25. Februar ist das Papier bis an die 17-Dollar-Marke zurück gefallen. Dabei spielten auch charttechnische Effekte eine Rolle, denn der Rückschlag begann an der enorm wichtigen Widerstandszone zwischen 21,10 Dollar und 21,70 Dollar – hier haben einige Trader auf ein Kaufsignal gehofft und enttäuscht das Handtuch geworfen. Der Aktienkurs von Goldcorp ist zugleich zwar auch gefallen, doch der Rückschlag fällt im gleichen Zeitraum deutlich geringer aus: Am 25. Februar notierte die Goldcorp-Aktie an der Börse in New York bei 27,25 Dollar, zuletzt lag sie bei 24,88 Dollar. In diesem Zeitraum, das darf aber nicht vergessen werden, kam es zwischenzeitlich zu einer Abwärtsbewegung von 29,27 Dollar auf 23,14 Dollar, von der sich das Papier zum Teil wieder erholt hat. Bei Barrick Gold sucht man diese Erholung bisher vergeblich.

Wirft man allerdings einen zweiten Blick auf die beiden Goldminenaktien und vergleicht diese, so ist es enorm bemerkenswert, dass Goldcorp Barrick bei der Marktkapitalisierung überholt hat – wenn es auch nur minimal ist. Bemerkenswert ist dies vor allem aus einem Grund: Die Förderung von Goldcorp lag 2013 mit 2,7 Millionen Unzen meilenweit unter den Zahlen von Barrick Gold. Zum Vergleich: Barricks Umsatz lag 2013 bei 12,5 Milliarden Dollar, der von Goldcorp bei 4,7 Milliarden Dollar; Barricks um millardenschwere Sondereffekte bereinigtes Ergebnis kam 2013 auf einen Gewinn von knapp 2,6 Milliarden Dollar, Goldcorps bei mehr als 0,6 Milliarden Dollar.

Ist der Barrick-Bewertungsabschlag gerechtfertigt?

Nun ist es nicht ungewöhnlich, dass die Aktien von Goldcorp gegenüber den Anteilsscheinen des kanadischen Marktführers einen Bewertungsaufschlag haben. Die Frage, die den Markt bewegt, ist allerdings, ob der Aufschlag in dieser Höhe angesichts der fundamentalen Daten gerechtfertigt ist. In der Chefetage von Barrick Gold dürfte die Entwicklung nicht gerade mit Behagen gesehen werden. Die Kanadier müssen etwas tun, um den Bewertungsabschlag zumindest zu verkleinern und für Anleger kann dies eine Chance sein.

Auch kurzfristig bleibt die Situation interessant: Sollte die Barrick-Aktie die wichtige charttechnische Unterstützung bei 16,90/17,20 Dollar halten können, wäre dies zumindest ein erster Schritt für eine Besserung der Lage bei der Goldaktie.