Obwohl Kolumbien nicht gerade zu den internationalen Hot Spots der Bergbaubranche gehört, haben Bodenschätze für das Land eine zunehmend größere Bedeutung. Das liegt zum Teil sicherlich an der investitionsfeindlichen Politik des Nachbarlandes Venezuela, allerdings auch an Initiativen in Kolumbien, den Bergbau anzukurbeln. Insbesondere Kohle, hier spielt das Land eine wichtige Rolle als Exporteur auf dem Weltmarkt, Gold sowie Gas und Öl spielen eine Rolle, die wesentlich zum Wirtschaftswachstum der vergangenen Jahre beigetragen haben. 2011 lag dieses immerhin wieder bei 6,6 Prozent, nachdem es zuvor als eine Folge der US-Kreditkrise eingebrochen war – die USA sind wichtigster Handelspartner des südamerikanischen Staates, nehmen mehr als ein Drittel der Exporte ab.

Doch das Potenzial, dass der Bergbausektor für die Wirtschaft Kolumbiens spielen könnte, wird bei weitem nicht ausgeschöpft. Das liegt zum einen daran, dass die Bemühungen des Staates, den Sektor zu fördern, noch einigermaßen jung sind. Erst 2003 nahm man die Branche verstärkt in den Fokus, eine liberale Politik förderte den Sektor, viele Lizenzen wurden vergeben. Sogar erst seit Mai 2012 und damit nicht einmal seit zwei Jahren hat man eine nationale Bergbauagentur. Hinzu kommt, dass ein Investitionsboom in dem Land die Strukturen der Behörden enorm gefordert und überfordert hat. Korruption und Vetternwirtschaft in dem Land waren weitere Hindernisse für die Entwicklung des Bergwerksektors.

Noch heute läuft die Maschinerie im Zusammenspiel von Unternehmen uns Behörden alles andere als rund. Das sorgt mittlerweile für Frustration, wie Medienberichte zeigen. Projekte mit Investitionen von mehr als 7 Milliarden Dollar hängen derzeit in der Warteschleife und kommen nicht voran. Es kommt nicht von ungefähr, dass Kolumbiens Wachstumsraten wieder rückläufig sind und dies lässt sich nur zum Teil auf die Entwicklungen der US-Wirtschaft seit 2011 zurückführen.

Branche beklagt schwindende Unterstützung durch den Staat

Zuletzt fuhren die Behörden eine härtere Linie. So musste der Kohlekonzern Drummond jüngst seine Kohleexporte aus Kolumbien einstellen, weil man mit dem Ausbau von Hafenanlagen an der Küste zur Karibischen See nicht rechtzeitig fertig wurde. Das verstößt gegen neue Umweltauflagen, was die Behörden ahndeten, obwohl die Anlagen in den kommenden Wochen fertiggestellt werden sollen und die Verzögerungen unter anderem auf einen längeren Streik zurückzuführen waren.

Der „Fall Drummond“ ist Sinnbild für den Sand im Getriebe, mit dem die Bergbaubranche in Kolumbien kämpft. Mittlerweile klagt die Branche über eine zurückgehende Unterstützung durch den Staat. So ziehen sich vor allem Umwelt-Genehmigungsverfahren hin und bringen Projekte zum Stillstand. Branchenvertreter mahnen Besserung an, während andere Experten davor warnen, dass der „Fall Drummond“ bei Investoren einen schweren Imageschaden für das Land nach sich ziehen könnte.

Abzuwarten bleibt, ob sich der Zustand im Zusammenspiel der Behörden des Landes und der Unternehmen in der nächsten Zeit bessert. 2014 stehen in Kolumbien Parlaments- und Präsidentenwahlen an.