Wenn wir bislang über die Demokratische Republik Kongo berichtet haben, dann ging es meistens um den Kupfergürtel im Süden des Landes in der Region Katanga. Die Demokratische Republik Kongo (DRC) verfügt aber auch übergroße Vorkommen andere Rohstoffe, wie Diamanten, Gold, Wolfram, Tantal oder Zinn.

Wenn Sie diesen Artikel auf ihrem Smartphone oder ihrem Tablet PC lesen, dann enthalten diese Geräte sehr wahrscheinlich sogenannte „Konfliktmetalle“ aus der Krisenregion im Osten der DRC. In dieser Region findet sich knapp die Hälfte der weltweiten Tantalförderung sowie weiterer Metalle, die in modernen elektronischen Geräten quasi unverzichtbar sind.

Gerade der Osten des Landes, die Grenzregion zu Ruanda und Burundi, wird nach wie vor eher von lokalen Warlords als von der Regierung in Kinshasa beherrscht. Leider sind Morde, Vergewaltigungen und andere Kapitalverbrechen hier immer noch an der Tagesordnung. Lange Zeit hat niemanden die Herkunft der Rohstoffe interessiert, solange sie preiswert verfügbar waren.

Auf Intervention der U.S.A.und der „Securities and Exchange Commission (SEC)“ wurden im vergangenen Jahr strenge Regeln verabschiedet, welche von den Herstellern einen Nachweis über die Herkunft der verwendeten Rohstoffe verlangen. Obwohl diese Regeln 2014 in Kraft treten, zeigen sich mehr als ein Drittel der US-Unternehmen bislang nicht in Lage, angemessen auf diese Regeln zu reagieren.

Die Minen im Osten der DRC finanzieren die Kriege der Warlords in dieser Region. Die belgische Organisation „International Peace Information Service“ (IPIS) hat eine Karte mit Minen im Osten der DRC erstellt, in der auch die kleineren Minen (mutmaßlich zur Finanzierung der Warlords) verzeichnet sind.

DRC Kongo Rohstoffe

Eastern Congo's major conflict mineral: Gold point on map represents gold mine | Image from IPIS (Quelle: www.mining.com)

Nach der Veröffentlichung einer ersten Karte im Jahr 2009 hat die Organisation jetzt eine weitere Karte veröffentlicht. Das Ziel ist es, die Bergbauaktivitäten in dieser Region besser zu überwachen und illegalen Bergbau zu verhindern. Die ISIS Karte zeigt, dass Goldminen momentan die dominante Rolle für die Finanzierung der Warlords einnehmen. Dies sei relativ einfach zu erklären, da sich Gold (und Diamanten) wesentlich leichter über die Grenzen ins Ausland schmuggeln ließe als Tonnen von Zinn, Wolfram oder Tantal. Doch auch der legale Absatz von diesen Industriemetallen ist erschwert, da Großunternehmen Schritte eingeleitet haben, um sich vom Image der „Bürgerkriegs-Finanziers“ zu distanzieren.

Intel hat einen großen Schritt in die richtige Richtung gemacht und übernimmt als Großkonzern die Verantwortung, dass seine Produkte zünftig ohne Konfliktmetalle hergestellt werden. Intel’s CEO Brian Krzanich, erst seit sechs Monaten in dieser Position, versicherte, dass jedes Stück Tantal, Wolfram, Gold und Zinn in Intel’s Mikroprozessoren aus Minen stamme, die nicht in Konfliktgebieten liegen und bei denen die Menschenrechte eingehalten würden. Andere Unternehmen wie Apple, Samsung oder HP würden Intel’s Beispiel folgen und ebenfalls Schritte einleiten, um die Herkunft der Rohstoffe nachvollziehen zu können und so weit wie möglich auf Rohstoffe aus Konfliktregionen verzichten.

So sehr ich solche Initiativen befürworte und schätze, um so schwerer fällt es mir daran zu glauben, dass dieser Kurs dauerhaft durchgehalten wird. Ein „freiwilliger“ Verzicht auf knapp 50% der weltweiten Tantal-Förderung würde zumindest das Angebot deutlich reduzieren, was zu steigenden Preisen führt und die Wahrscheinlichkeit steigen lässt, dass man doch wieder zu den Konfliktmetallen aus dieser Region zurückkehrt.

Ihr Manuel Giesen