Dass Börsianer vielfach allgemein über Rohstoffe sprechen, ist eigentlich ein Fehler. Die einzelnen Bodenschätze gehorchen nämlich sehr unterschiedlichen Gesetzen, kein Markt ist wie der andere. Das zeigt sich aktuell am Beispiel Zink sehr deutlich. Während bei Industrierohstoffen wie Eisenerz oder Kupfer ein Überangebot droht, ist die Lage bei Zink genau andersherum: Dem Markt droht ein Angebotsdefizit, warnen Analysten und erwarten deutliche Preissteigerungen.

Der Grund für das drohende Defizit liegt vor allem in den Investitionen der Branche in neue Minen. Während viele Milliarden in den Eisenerz- und Kupferbereich flossen, hier lässt vor allem China grüßen, hat Zink keine solche Ausgabenwelle bei den Explorationen erfahren. Vom Preistief in der Zeit der Finanzmarktkrise, die auf den Zusammenbruch des US-Hauskreditmarktes folgte, hat sich Zink zwar erholt. Doch auch Jahre später steht der Zinkpreis weit, weit unter den Notierungen der Jahre 2006 und 2007.

Die lange Kursflaute hat sich auf die Aktivitäten der Konzerne, neue Zinkvorkommen zu entdecken und zu erschließen, negativ ausgewirkt. Hinzu kommt die Krise in der Rohstoffbranche. Die Investitionslust hat generell stark nachgelassen, seitdem die Gesellschaften auf Druck vieler Großaktionäre verstärkt auf Rendite, Dividende und Cashflow achten müssen. Diese Faktoren machen sich nun beim Zink stark bemerkbar: Eigentlich müssten neu entdeckte Vorkommen zumindest die vom Markt verschwindenden Kapazitäten decken. Da ist ein mögliches Wachstum der Zinknachfrage noch gar nicht mit einbezogen. Doch nicht einmal der Ersatz gelingt, wie sich mittlerweile deutlich abzeichnet.

Daniel Maté, verantwortlich für die Zinksparte bei der Schweizer Glencore Xstrata (ISIN: JE00B4T3BW64), rechnet bis zum Jahr 2016 mit einem Angebotsdefizit von 2 Millionen Tonnen. Entsprechende neue Kapazitäten müssten eigentlich auf den Markt kommen, aber in der Pipeline sind die neuen Projekte Mangelware. Es gebe einen Engpass bei Projekten mit hoher Qualität, die kurz vor der Aufnahme der Produktion stehen, sagt Maté. Dagegen wird in den kommenden Jahren eine Reihe von Zinkminen schließen, die aufgrund ihrer Fördermenge eine wichtige Größe für das Weltmarktangebot darstellen. Zu nennen sind hier unter anderem neben den beiden kanadischen Xstrata-Projekten Brunswick und Perseverance die Century-Mine in Australien. Der Standort gehört zu Minmetals (ISIN: HK1208013172) und wird 2016 die Förderung einstellen. Und als wäre dies nicht genug, kommen bei neuen Projekten Verzögerungen hinzu, zum Beispiel bei der australischen Mine Dugald River, die ebenfalls im Besitz von Minmetals ist.

So ist es kein Wunder, dass Experten steigende Zinkpreise erwarten. Aktuell sind es knapp 1.900 Dollar, die eine Tonne des Rohstoffes kostet. Die Experten von Wood Mackenzie prognostizieren für die Jahre 2016 bis 2018 Durchschnittspreise von mehr als 3.500 Dollar je Tonne. Noch allerdings ist der Engpass im Markt nicht wirklich angekommen, wie nicht nur die Preise zeigen. Leon Westgate von der Standard Bank schätzt, dass die derzeitigen Zinklagerbestände im Vergleich zum Preisboom des Jahres 2007 mit Kursen von bis zu 4.580 Dollar je Tonne etwa vier Mal so hoch sind. Wenn Investoren von einem Zinkpreisboom profitieren wollen, müssen sie also einiges an Geduld mitbringen.