Am Montag schaute wieder einmal die versammelte Börsengemeinde in die USA. Dort legte Alcoa seine Zahlen vor. Der US-Aluminiumproduzent eröffnet traditionell den Reigen der Quartalszahlen an der New Yorker Wall Street. Doch die Zahlen der Gesellschaft, die der ehemalige Siemens-Chef Klaus Kleinfeld anführt, sind noch aus einem anderen Grund interessant: Sie gelten als eine Art inoffizielles Konjunkturbarometer.

Warum ist das so? Alcoa produziert Aluminium, den Grundstoff für eine ganze Reihe von Produkten und Investitionsgütern. Wenn sie eine Getränkedose in der Hand halten, könnte das Material hierzu vom US-Konzern stammen. Oder Teile ihres Autos. Sind sie zuletzt geflogen? Auch im Flugzeugbau spielt Aluminium eine wichtige Rolle.

Im täglichen Leben ergeben sich viele Berührungspunkte mit dem Leichtmetall. Das hat Gründe, denn Aluminium hilft Gewicht zu sparen. Vor allem für die Mobilitätsindustrie ist dies ein wichtiger Faktor, weniger Gewicht bedeutet einen geringeren Treibstoffverbrauch. Hier kommen Umwelt- und Kostensaspekte ins Spiel, die dem Aluminium eine bedeutende Rolle als Konstruktionswerkstoff auch in der Zukunft sichern werden. Allerdings, und das ist die Kehrseite der Medaille beim Umweltaspekt, verschlingt der Herstellungsprozess für Aluminium selbst große Mengen Energie.

Dennoch hat sich der Werkstoff durchgesetzt. Bereits jetzt sind die Auto- und Flugzeugindustrie wichtige Abnehmer des Metalls. Der Bedarf könnte sich weiter erhöhen. Das wäre zumindest die logische Folge des Mobilitätsbooms in Asien. Von dort laufen bei Airbus & Co. nicht nur haufenweise große Bestellungen für neue Flugzeuge ein, sondern insbesondere in China boomt die Autoindustrie. Milliardenschwere Investitionen der Branche zum Ausbau der Produktionskapazitäten prägen das Bild.

Dass die deutschen Hersteller gerade wieder Rekordabsatzzahlen gemeldet haben, trotz der Flaute in Europa (!), fällt vor allem auf die Entwicklung in China zurück. Bestes Beispiel ist der Volkswagen-Konzern, der von seiner gleichnamigen Automarke in China im ersten Halbjahr 2013 rund 1,17 Millionen Fahrzeuge verkauft hat. Das ist ein Zuwachs von fast einem Fünftel, das Verkaufsvolumen ist zudem mehr als vier Mal so groß wie im Autoland Deutschland – Tendenz steigend.

Für Aluminiumproduzenten wie Alcoa sind die langfristigen Aussichten für die Mobilitätsmärkte in Asien und anderen aufstrebenden Nationen eine klare Wachstumsperspektive. Dazu kommt, dass der Anteil von Aluminium in Autos steigen wird. Einer Studie von Ducker Worldwide und der European Aluminium Association kam zu dem Schluss, dass der Aluminiumanteil in Autos bis 2020 im Schnitt weltweit bis zu 180 Kilogramm erreichen wird – zum Vergleich: 2012 waren es 140 Kilogramm, 1990 sogar lediglich 50 Kilogramm.

Das bedeutet aber nicht, dass die Marktbedingungen aktuell glänzend sind. Im Gegenteil: Der Branche macht der massive Kapazitätsaufbau chinesischer Schmelzen zu schaffen. Plakativ gesagt, kann der Westen die Kapazitäten gar nicht so schnell herunter fahren wie sie China ausbaut. Das drückt die Preise und darunter leiden die Konzerne wie unter anderem Alcoa. Die US-Amerikaner haben im zweiten Quartal 2013 einen leichten Umsatzrückgang um 2 Prozent auf 5,8 Milliarden Dollar und einen Verlust von 0,11 Dollar je Aktie verbucht. Kleinfeld muss Schmelzen schließen, die Kosten belasten das Ergebnis. Auf bereinigter Basis wäre Alcoa immerhin profitabel, wenngleich der Proforma-Quartalsgewinn mit 0,07 Dollar bei einem Aktienkurs von 7,92 Dollar (NYSE-Schlusskurs vom Montag) nicht gerade exorbitant hoch ausfällt.