Rund drei Jahre ist es her, da sorgte eine Meldung für Furore. US-Geologen wollten in Afghanistan Billionen Dollar schwere Rohstoffvorkommen geortet haben. Mittlerweile ist klar: Der damals geortete Bodenschatz ist noch sehr viel größer als zunächst erwartet und könnte weiter wachsen. In dem von Kriegen geplagten Land ist erst ein Teil des Gebiets überhaupt grob unter die Lupe genommen worden.

Seitdem hat ein Wettlauf um Projekte in Afghanistan begonnen. Die Nase vorn haben bisher klar die Chinesen, die sich von der Sicherheitslage in dem Land nicht abschrecken ließen. Derzeit sind sie die größten Investoren, vor allem Projekte in vergleichsweise sicheren Gebieten des asiatischen Berglands dürften sie sich gesichert haben. Doch andere Länder wollen aufholen: Unter anderem Deutschland.

Am heutigen Freitag findet in Berlin eine Konferenz statt, zu der unter anderem der afghanische Bergbauminister Wahidullah Schahrani angereist ist. Bundesentwicklungsminister Dirk Niebel (FDP) strebt eine Rohstoffpartnerschaft mit dem Land an – ein Modell, das die Bundesregierung derzeit auch mit einigen anderen Ländern verhandelt. Auf afghanischer Seite scheint durchaus Interesse vorhanden, wie Schahranis Äußerungen gegenüber der Presse zeigen. Neben Deutschland als Abnehmerland ist dabei vor allem die heimische Bergbautechnik von Interesse, weshalb bei Branchenvertretern wie dem Bauer-Konzern oder SMT Scharf erste Hoffnungen auf Geschäfte keimen könnten – Abschlüsse gibt es natürlich noch keine. Ob deutsche Konzerne auch operativ beim Betrieb der Bergwerke oder nur als Zulieferer und Rohstoffkäufer eine Rolle spielen werden, bleibt abzuwarten.

Ohnehin ist der Aufbau einer Rohstoffförderung in Afghanistan ein langfristiges Mammutprojekt. Die Infrastruktur liegt völlig am Boden, was neben der Sicherheitslage im Land eines der größten Hindernisse am Hindukusch sein dürfte. So rechnet die afghanische Regierung auch erst in einigen Jahren mit signifikanteren Einnahmen für den Staat aus dem Rohstoffsektor. Diese sollen dann aber stark steigen und in zwölf Jahren einen mittleren einstelligen Milliardenbetrag ausmachen.

Eine der großen Fragen, die aber noch beantwortet werden muss: Lassen sich unter den Bedingungen vor Ort überhaupt zuverlässig und wirtschaftlich Rohstoffvorkommen fördern? Noch stecken die Projekte in den Kinderschuhen, gelten insgesamt aber als interessant. Afghanistan könne binnen weniger als 20 Jahren zu einem wichtigen Lieferanten für verschiedene strategische Rohstoffe aufsteigen, heißt es in einer Mitteilung des Bundesministeriums für wirtschaftliche Entwicklung und Zusammenarbeit (BMZ) am Freitag. „Erforderlich sind jetzt sichere wirtschaftliche und rechtliche Rahmenbedingungen, also klare Regeln zum Abbau der Rohstoffe, zum Umweltschutz und zur Einbindung der Bevölkerung“, sagt Gudrun Kopp (FDP), Parlamentarische Staatssekretärin und zugleich Sonderbeauftragte für Rohstofffragen im BMZ. Angesichts der vielen Probleme des Landes, unter anderem auch im Bereich der Korruption, wird dies keine einfache Aufgabe werden.

Sollte es gelingen, einen Bergbausektor in Afghanistan zu etablieren, könnte das Land zahlreiche Rohstoffe exportieren. Vor allem die Seltenen Erden scheinen im Westen Interesse auszulösen. Interessant ist in dem Zusammenhang, dass man in Afghanistan trotzdem dem Quasi-Monopolisten im Bereich Seltene Erden, China, bisher den Vortritt gelassen hat. Wichtige Rohstoffe für den afghanischen Export könnten neben Energierohstoffen diverse Metalle wie Lithium, Tantal und Wolfram werden. Hinzu kommen die „üblichen Verdächtigen“ wie Eisenerz, Kupfer, Gold und Silber.