Am Montag ist die Europäische Union gewachsen. Der Beitritt von Kroatien zur Staatengemeinschaft ist erfolgt, es ist das 28. Mitglied in der EU und ist den meisten hierzulande vor allem durch zwei Aspekte bekannt: Zum einen durch den Krieg nach dem Zerfall Jugoslawiens, Kroatien hatte sich 1991 von dem Land abgespalten, zum anderen als Touristenregion. Gerade dieser Sektor ist für die angeschlagene Wirtschaft des Landes enorm wichtig, rund ein Viertel der Wirtschaftsleistung entsteht hier. In der Industrie sind dagegen die enormen Schwierigkeiten unübersehbar, erst recht, seit das wichtige Exportzielland Italien enorme finanzielle Turbulenzen zu durchstehen hat.

Die Reaktionen auf die Aufnahme sind daher durchaus gemischt, vor allem was die wirtschaftlichen Perspektiven des beigetretenen Landes angeht. Viele fürchten sich vor einem neuen Sanierungsfall, politisch gilt das Land ohnehin erst seit dem Jahr 2011 als wirklich stabil. Im europäischen Vergleich ist das Land arm und das schürt Sorgen, zugleich aber auch bedeutet es Chancen.

Das gilt unter anderem für den Rohstoffsektor. Was viele nicht wissen: Kroatien ist in manchen Bereichen ein durchaus rohstoffreiches Land. Der Bergbau war, bevor es im ehemaligen Jugoslawien zum Krieg kam, ein wichtiger Arbeitgeber und Wirtschaftsfaktor des Landes. Von Bedeutung ist derzeit noch vor allem der Öl- und Gassektor. Hier kann der Mittelmeer-Anrainerstaat von seiner enorm langen Adriaküste profitieren. Den Trumpf will Kroatien weiter ausbauen. Größere Investitionen sollen der ungarische Mineralölkonzern MOL bzw. die Firmengruppe aus MOL und dem kroatischen Mineralölkonzern INA planen. Rund 175 Millionen Euro will man in die Erkundung von Erdöl- und Erdgasvorkommen stecken. Völlig unklar ist aber, wie es mit der verwirrenden Eigentümerstruktur bei INA und daraus resultierend auch in der MOL-Kooperation weiter geht.

Das Beispiel MOL/INA veranschaulicht allerdings auch eines der großen Probleme des Landes, unter dem die Wirtschaft leidet. Im Bereich Transparenz, Rechtsstaat und Korruptionsbekämpfung hat Kroatien deutlichen Nachholbedarf. Auch staatliche Prozesse müssen beschleunigt werden, zum Beispiel bei Genehmigungen. Hier muss man aufholen, auch um dringend benötigte ausländische Investitionen ins Land zu holen. Derzeit ist vor allem der kroatische Export viel zu klein, um die Wirtschaft voran zu bringen. Hier müssen Investitionen aus dem Ausland in die Industrie das Land voran bringen, auch um die finanziellen Probleme im Inland zu mildern.

Eine Rolle könnte dabei auch die Bergbauindustrie abseits von Öl und Gas spielen. Kroatien besitzt Vorkommen wichtiger und zukunftsträchtiger Rohstoffe. Zu nennen sind hier vor allem Bauxit, der Grundstoff für Aluminium, oder auch Eisenerz und verschiedene Kohlearten. Allerdings werden große und kleine Konzerne der Branche um das Land derzeit wohl eher einen Bogen machen anstatt große Investitionen zu stemmen – gerade in Zeiten knapper Kassen bei den Ausgaben, wo in der Bergbaubranche Risikoprojekte eher abgebaut als weiterverfolgt werden. Zu risikoreich ist noch das Umfeld in dem Land, auch wenn Kroatien mit dem Acquis Communautaire nach Meinung von Experten Schritte in Richtung einer größeren Vertrauenswürdigkeit und größerer Rechtssicherheit unternommen hat. Der formale EU-Beitritt wird ebenfalls zu einem besseren Image beitragen. Dennoch dürfte es noch ein langer Weg sein, der viele weitere Reformen benötigt, bis in dem Land die Rohstoffbranche wieder deutlicher auf die Beine kommt.