Der US-Notenbankchef Ben Bernanke hat gestern die Worte gesprochen, vor denen sich an den Edelmetallbörsen viele gefürchtet haben. Der Fed-Chef stellt ein Ende der extrem expansiven Notenbankpolitik in Aussicht. Die Anleihenkäufe der Notenbank, bekannt geworden unter dem Stichwort „Quantitative Easing“, könnten im Jahresverlauf erstmals im Volumen zurückgefahren werden. Zuletzt pumpte die Fed Monat für Monat hohe zweistellige Milliardensummen über diese Kaufprogramme in den Markt, um die US-Konjunktur zu stützen.

Der Erfolg dieser Maßnahmen scheint nach Ansicht der Fed-Verantwortlichen so groß zu sein, dass man den Fuß nun nach und nach vom Gaspedal nehmen kann. Voraussetzung ist aber, so Bernanke, dass die Konjunkturzahlen nicht schlechter als erwartet ausfallen. Es ist nicht mehr, aber auch nicht weniger als eine Hintertür, die sich die Währungshüter in den USA offen lassen, um auf unvorhergesehene Konjunkturschwankungen reagieren zu können. Denn dass in der Weltkonjunktur nicht alles glatt läuft, zeigen am Donnerstag die Zahlen aus China: Hier hat ein schwacher Wert des HSBC-Einkaufsmanagerindex die Börsen auf Talfahrt geschickt.

Verläuft alles normal, so wird die Fed „Quantitative Easing“ aber nun nach und nach drosseln. Mitte 2014 wird man das Programm dann endgültig beenden und damit auch die gigantische Cashmaschine abwürgen, die am Markt als ein wesentlicher Faktor der Goldhausse gilt, die 2011 zu einem Unzenpreis von 1.921 Dollar führte. Seitdem haben an der Börse die Favoriten gewechselt und insbesondere Aktien konnten von der Liquiditätsschwemme von Seiten der US-Notenbank profitieren. Der Goldpreis, und nicht nur dieser, geriet dagegen immer stärker unter Druck.

Der Kursrutsch geschah allerdings in einem gespaltenen Markt: Während die Nachfrage nach Barren und Münzen aus Silber und Gold exorbitant hoch ist, wurde vor allem von Finanzanlegern am Terminmarkt auf den Goldpreis eingeprügelt. Ob mit Recht, ist durchaus fraglich, denn viele machen mittlerweile nichts anderes als mit der Herde zu rennen – im Finanzchinesisch nennt sich das dann Trendfolgeinvestment. Eine höhere Volatilität der Kurse ist eine Folge, aber sicher keine bessere fundamentale Bewertung von Werten wie dem Gold oder dem Silber.

Dass die Notierungen der beiden Edelmetalle heute erneut unter Druck geraten, ist angesichts der Nachrichtenlage nachvollziehbar. Ob Gold wirklich weiter nach unten durchgereicht wird, bleibt aber abzuwarten. Bei 1.304 Dollar liegt bisher das Tagestief, bei 1.322 Dollar war zuvor das Jahrestief notiert, entstanden im spektakulären Goldpreisabsturz im April.

gold chart 01 - 20.06.2013

Quelle: Cortal Consors

Aktuelle Niveaus hatten wir also im April schon einmal, so viel niedriger ist der Goldpreis derzeit nicht. Zudem erstreckt sich im Chart der Feinunze um 1.308/1.322 Dollar eine Unterstützung, die derzeit noch nicht endgültig unterschritten ist. Darunter zeigen sich zwischen 1.249 Dollar und 1.266 Dollar sowie bei 1.226 Dollar schon die nächsten Unterstützungen.

Früher oder später werden die Bären also in eine Falle laufen und die short orientierten Trendfolger sich heftig die Finger verbrennen, zugleich werden die „Contrarians“ triumphieren, die kaufen, wenn die Kanonen donnern. Das gilt auch für den Silberpreis, wo sich im Bereich zwischen 19,47 Dollar und 20,21 Dollar eine sehr starke Unterstützungszone zeigt. Wechselt der Trend an solchen Marken, könnten die heftigen Verluste für ebenso heftige Aufwärtsbewegungen als Korrektur sorgen.

silber chart 01 - 20.06.2013

Quelle: Cortal Consors

Da kann Bernanke erzählen, was er möchte, der Markt entwickelt ohnehin seine eigene Trendfolgedynamik.

Übrigens: Die Zinsen werden noch lange Zeit unattraktiv niedrig sein und die Aktienkurse wachsen auch nicht in den Himmel. Derzeit ist bei Edelmetallen zwar Katzenjammer angesagt, aber die Favoriten wechseln an der Börse immer mal wieder.