Wann haben Sie zuletzt ihr Auto aufgetankt? Ich hatte heute früh beim Tanken das nachhaltige Erlebnis, 1,729 Euro pro Liter Super bezahlen zu dürften. Spätestens beim Tanken spüren wir die Folgen des Rohstoffhungers der aufstrebenden Schwellenländer im eigenen Geldbeutel. Durch die zusätzliche Nachfrage aus China, Indien und Brasilien bei konstantem oder nur geringfügig sinkendem Verbrauch in den entwickelten Industrienationen trifft eine immer größere Nachfrage auf ein nahezu konstantes Angebot, mit der Folge, dass die Preise steigen.

Noch gravierender als beim Ölpreis ist diese Entwicklung allerdings bei den Preisen für Kohle und Eisenerz. Während Eisenerz lange Zeit ein echt „langweiliger“ Rohstoff war, dessen Preise einmal im Jahr verhandelt wurden und um 20 USD/t notierten, ist seit 2007 richtig Dynamik in Preisentwicklung gekommen. Zwischenzeitlich notierte Eisenerz bei knapp 200 USD/t, inzwischen knapp unter 150 USD/t. Dabei sind Eisenerz und (Stein-)kohle typische Rohstoffe der Infrastruktur. Zum einen wird Eisenerz (und der daraus hergestellte Stahl) aufgrund des Baubooms in China extrem nachgefragt, zum anderen stillt China den Großteil seines Energiebedarfs aus Kohlekraftwerken. Die Infrastruktur spielt aber nicht nur bei der Verwendung dieser Rohstoffe eine entscheidende Rolle, sondern auch bei der Rohstoffgewinnung. Zudem ist Kohle ein unentbehrlicher Rohstoff bei der sogenannten Verhüttung von Eisenerz zu Stahl.

Nicht nur auf der Nachfrageseite spielt die Infrastruktur bei Kohle und Eisenerz eine dominante Rolle, sondern auch bei der Förderung. Prinzipiell sind die Resourcen an Kohle und Eisenerz nicht knapp, zumindest nicht im Vergleich zu den bekannten Erdölreserven, jedoch liegen die großen Eisenerz und Kohlevorkommen in der Regel weit entfernt von den Orten, an denen diese Rohstoffe benötigt werden. Selbst wer ein Vorkommen von hochgradigem Eisenerz, sogenanntem DSO (direct shipping ore) mit Eisenerzgehalten von > 60% Eisengehalt oder hochgrade Kohlevorkommen besitzt, muss diese Güter in der Regel zum nächsten Hafen und von dort aus per Schiff zum Abnehmer bringen.

Während das Verschiffen von einer Tonne Eisenerz aus Australien nach Europa ungefähr mit 15 USD/t zu Buche schlägt, ist der Transport zum Hafen in der Regel ungleich teurer. Um die Rohstoffe über größere Strecken von den Lagerstätten im Landesinneren zu dem nächsten Seehafen zu transportieren, erfolgt der Transport in der Regel per Bahn. Dabei können die Transportkosten schnell in den Bereich von 50% der Gesamtkosten für das Erz bzw. die Kohle steigen, vorausgesetzt man kann sich überhaupt den Zugang zu einer geeigneten Bahnstrecke sichern. Die Tatsache, dass die Bahnlinien oftmals im Privatbesitz von Großkonzernen sind, oder sich die Großkonzerne entsprechende Nutzungsrechte an staatlichen Bahnlinien gesichert haben, macht es für Explorer und angehende Juniorproduzenten in diesem Bereich nicht einfacher. Begünstigt sind vor diesem Hintergrund Unternehmen wie Mogul Venture, deren Kohlevorkommen in der Mongolei in unmittelbarer Nähe des Hauptabnehmers China liegen, wobei zum Transport auf eine existierende Bahnlinie zurückgegriffen werden kann, oder Advanced Exploration, deren Eisenerz-Vorkommen im nördlichen Kanada in unmittelbarer Nähe zu einem Seehafen liegen, so dass der Transport zum Hafen mit einem Förderband anstelle einer Bahnlinie realisiert werden kann. Ich rate Ihnen (aus schmerzhafter eigener Erfahrung) bei einem Invest in Kohle oder Eisenerz nicht nur auf die Größe der Vorkommen, die Qualität des Erzes und den nötigen Kapitalbedarf zum Abbau der Rohstoffe zu achten, sondern sich auch die Frage zu stellen, wie diese Rohstoffe den zum Verbraucher kommen sollen.

Ihr Manuel Giesen

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