Woran denken Sie zuerst, wenn Sie an die Karibikinsel Jamaika denken? An die weißen Sandstrände, Palmen, Sonne? An das karibische Lebensgefühl, Reggaemusik, Dreadlocks? An die Spitzensportler der Insel, die schnellsten Männer und Frauen der Welt? An die englische Kolonialzeit, Rum und Piraten?

Jamaika wurde von Columbus auf seiner zweiten Reise 1494 entdeckt, nachdem die erste Reise ihn auf die Insel Hispaniola, in die heutige Dominikanische Republik geführt hatte. 1509 wurde die Insel von den Spaniern in Besitz genommen. Im Gegensatz zu Mexiko waren die Kolonialherren hier nicht so willkommen und es entbrannte ein Kampf, der dazu führte, dass die Urbevölkerung bereits 1560 fast gänzlich ausgerottet war. Da die Spanier sich damit aber auch um günstige Arbeitskräfte gebracht hatten, wurden zur Kompensation afrikanische Sklaven auf die Insel gebracht. 1611 überstieg die Zahl der schwarzafrikanischen Einwohner auf Jamaika erstmals die Zahl der Siedler mit europäischem Migrationshintergrund. Aufgrund seiner strategisch günstigen Lage im Golf von Mexiko wurde Jamaika 1655 von den Engländern eingenommen. Nach mehreren Jahrhunderten der Kolonialherrschaft erhielt die Insel 1962 schließlich ihre Unabhängigkeit. Jamaika liegt am Nordrand der karibischen Platte, die sich direkt vor der Küste unter die Nordamerikanische Platte schiebt. Die Nähe zur Plattengrenze führt immer wieder zu starken Erdbeben wie dem, das 1692 unter anderem Port Royal zerstörte.

Neben dem Postkarten-Idyll von weißem Sand, türkisblauem Wasser und schattenspendenden Kokospalmen, unter denen junge, gutaussehende Menschen in lockerer Atmosphäre Rum-Cocktails trinken, lohnt sich auf Jamaika definitiv auch eine Reise ins Landesinnere der Insel. Im Osten der Insel erheben sich die Blauen Berge (Blue Mountains) bis auf über 2200m. Ebenfalls lohnenswert ist ein Ausflug zu den Wasserfällen der Insel, den Dunn River Falls oder den YS Falls sowie in die pulsierende Hauptstadt Kingston. Vor Ankunft der Spanier war Jamaika weitestgehend mit tropischem Regenwald bedeckt, wobei im Laufe der Zeit große Flächen für eine landwirtschaftliche Nutzung gerodet wurden. Angebaut werden vor allem Bananen, Kaffee, Zitrusfrüchte und Zuckerrohr, der Grundstoff für den legendären Rum aus Jamaika. Bis zum zweiten Weltkrieg war die Wirtschaft der Insel fast ausschließlich durch die Landwirtschaft geprägt. Danach kamen mit dem Tourismus und dem Abbau von Bodenschätzen weitere bedeutende Einnahmequellen hinzu? Bodenschätze auf Jamaika? Ja!

Das relativ kleine Jamaika ist einer der fünf größten Lieferanten für Bauxit, ein Erz, aus dem Aluminium gewonnen wird. Heute erzielt Jamaika ca. zweidrittel seiner Exporterlöse aus dem Abbau und der Verschiffung von Bauxit. Die großen Bauxit Lagerstätten befinden sich im Inselinneren, westlich von Kingston. Aluminium wird aufgrund seiner relativ geringen Dichte überall dort eingesetzt, wo aus um Leichtbau geht, beispielsweise in der Luftfahrtindustrie.

Obwohl Aluminium selbst einen Schmelzpunkt von „nur“ 660°C hat, ist die Aluminiumgewinnung sehr energieintensiv. Die Gewinnung von Aluminium erfolgt fast ausschließlich in der sogenannten Schmelzfluss Elektrolyse. Wie die Schmelzfluss-Elektrolyse genau abläuft und warum dieser Prozess so energieintensiv ist, darüber informiere ich Sie in der nächsten Ausgabe.

Bis dahin verbleibe ich mit freundlichen Grüßen,

Ihr Manuel Giesen