Das Ende der deutschen Steinkohle

Ich gebe zu, in den letzten Wochen und Monaten sind wir nicht gerade mit positiven Nachrichten zum Zustand der Wirtschaft überschüttet wurden. Dem entsprechend haben sich auch die meisten Rohstoff-Werte sehr bescheiden entwickelt und die Preise für Öl, Kupfer, Gold, etc. sind gefallen. Was nun?

In den jüngsten Schätzungen habe ich von einem Wachstum der Weltwirtschaft für 2012 von ca. 2,5% und für 2013 von ca. 3% gelesen, auch wenn diese Zahlen sicherlich mit Vorsicht zu genießen sind, so zeigt sich doch, dass die Lage bei weitem nicht so fatal ist, wie sie vielfach in den Medien dargestellt wird. Im Gegenteil, die Lage auf den Rohstoff-Märkten hat sich sogar (quasi unbemerkt) teilweise deutlich gebessert, die Lagerbestände sind zurückgegangen, entsprechende Bestellungen eingetroffen und von der Versorgungsseite ist nicht zu erkennen, dass hier kurzfristig die Kapazitäten noch deutlich gesteigert werden können. Es bleibt also abzuwarten, wie sich die Wirtschaft in der zweiten Jahreshälfte entwickelt, aber ich blicke hier vorsichtig optimistisch in die Zukunft.

Während sich Deutschland gerade anschickt, sportlich und wirtschaftlich seine Vormachtstellung in Europa zu festigen, so gilt dies leider nicht für Deutschland als Rohstoffland. Der deutschen Steinkohle-Industrie steht ein heftiger Schicksalsschlag bevor. Ende Juni wird die Steinkohle-Förderung im Saarland eingestellt. Was ist so schlimm daran, den unprofitablen und hoch subventionierten Bergbau einzustellen? Hat der Untertagebau mit seinen Tunneln und Stollen nicht schon genug Schäden durch Grubenbeben und Erdabsenkungen herbeigeführt?

Die Antwort scheint im ersten Moment naheliegend, die Geschichte hat jedoch einen zweiten Blick verdient. In der Vergangenheit wurde oft argumentiert, dass Deutschland seine Steinkohle-Industrie benötige, um in Krisenfällen nicht vollständig von Energieimporten abhängig zu sein. Dieses Argument hat in mehrerer Hinsicht an Bedeutung verloren. Durch die Energiewende und den Ausbau der regenerativen Energien hat die Bedeutung von Steinkohle für den Energiemix in Deutschland abgenommen. Auch wenn zur Zeit neue Steinkohlekraftwerke geplant werden, um den Atomausstieg zu kompensieren, so wird die Bedeutung der Kohlekraftwerke wohl weiter abnehmen. Wenn Steinkohle aus Polen oder Australien, aber auch aus aufstrebenden Nationen wie der Mongolei oder Kolumbien günstiger ist, dann ist aufgrund der vielen Anbieter nicht damit zu rechnen, dass Deutschland der Zugang verwehrt bleibt. Wenn die Deutschen Kohleflöße zu dünn und dann auch noch ungünstig geneigt sind, dann ist dieser Wettbewerbsnachteil zumindest kurz und mittelfristig nicht zu kompensieren.

Doch an der Steinkohle hängen nicht nur die direkten Arbeitsplätze untertage, sondern mittelbar auch zahlreiche Arbeitsplätze in anderen Industriezweigen. Die deutschen Unternehmen besitzen immer noch eine Spitzenstellung in der Abbau- und Fördertechnik. Es bleibt abzuwarten, ob diese Spitzenposition ohne eigene Bergwerke gehalten werden kann, insbesondere dann, wenn 2018 auch noch die Kohleförderung im Ruhrgebiet endgültig eingestellt werden soll.

Und noch ein letzter Punkt. Eine Grube, die einmal aufgegeben wurde, ist quasi dauerhaft verloren. Ähnlich einem Schiff, dass auf hoher See gesunken ist, ist es zwar theoretisch möglich, die Grube wieder trockenzulegen, dies ist jedoch mit immensen Kosten und Risiken verbunden (Sie können auch ein Schiff heben, dass einige Zeit am Ozeangrund gelegen hat, aber erwarten Sie bitte nicht, dass Sie mit diesem Schiff gleich auf große Fahrt gehen können). Auch die Saarländer, die jetzt hoffen, dass mit dem Ende des Untertagebaus auch die Bergbau bedingten Schäden aufhören, haben möglicherweise zu kurz gedacht. Durch das Wasser, was jetzt nach und nach in die Gruben eintritt, wird es zu weiteren geologischen Veränderungen kommen. Möglicherweise stürzen einige Stollen erst durch die Flutung ein, die bislang keine Veränderungen erfahren haben, oder der Boden in den bisherigen Senkungsgebieten hebt sich (beispielsweise durch das Aufquellen von Kalkschichten) wieder an. Gerade diese nur schwer vorhersagbaren Veränderungen machen eine Wiedererschließung extrem teuer und unwirtschaftlich. Was einmal weg ist, ist weg. Zumindest für das Saarland ist die Entscheidung nun zu ungunsten der Steinkohle gefallen, auch wenn uns die Steinkohle als Energieträger noch länger begleiten wird.

Was bietet sich da mehr an, als in die wirtschaftliche ausländische Kohleförderung zu investieren? Vielleicht wird diese Kohle ja mit Spitzentechnologie "made in Germany" abgebaut?

Ihr Manuel Giesen

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