Begriffe des Rohstoffhandels

Heute möchte ich ihnen ein paar Grundbegriffe des Rohstoffhandels erklären und diese Anhand ausgewählter Beispiele näher erläutern. Die einfachste Form eines Investments in Rohstoffe stellt der physische Erwerb des jeweiligen Rohstoffes dar. So können Sie beispielsweise bei Ihrer Hausbank einen Goldbarren erwerben, diesen Barren in ihrem Bankschließfach oder den Safe daheim einlagern, auf eine Preissteigerung des Goldes hoffen und den Barren zu einem späteren Zeitpunkt wieder veräußern. Für den gleichen Geldbetrag könnten Sie beispielsweise auch einige Tonnen Sojabohnen kaufen, wobei sich die Lagerung bei den Sojabohnen deutlich schwieriger gestalten dürfte als beim Gold und Lebensmittel zusätzlich das Problem der begrenzten Haltbarkeit aufweisen. Zudem ist die Lagerung von einigen Rohstoffen wie Uran oder Erdgas äußerst schwierig und Privatpersonen im Regelfall untersagt.

In der Regel werden also an den Rohstoffbörsen nicht die physischen Rohstoffe gehandelt (dafür gibt es den Großmarkt), sondern Lieferverträge für eine zukünftige Rohstofflieferung. So sichert beispielsweise der Plantagenbesitzer seinen (Verkaufs-)Preis (Short-Position), für die in 6 Monaten fällige Kaffeeernte über einen Verkaufskontrakt ab, der von einer Kaffee-Rösterei gekauft wird (Long-Position), um sich a) eine entsprechende Menge an Kaffee zu sichern und b) einen Preis zu fixieren, um nicht von plötzlichen Preissteigerungen überrascht zu werden. Solche Absicherungsgeschäfte, wie sie hier von dem Plantagenbesitzer und der Kaffee-Rösterei betrieben werden, werden als Hedging bezeichnet. Große Unternehmen wie beispielsweise die Lufthansa sichern auf diesem Weg zumindest einen Teil ihrer Treibstoffkosten ab, um sich gegen zukünftige weiter steigende Preise für Kerosin zu rüsten. Ein aktuell hervorragendes Beispiel für eine erwartete steigende Preisentwicklung liefert der Erdgaspreis. Während Erdgas zur kurzfristigen Lieferung aktuell um 2,5 USD gehandelt wird, notiert Erdgas zur Lieferung im Jahre 2016 bei ca. 4,25 USD und zur Lieferung im Jahre 2023 bei aktuell ca. 6 USD. Bei einer solche Preiskurve, bei der die aktuellen Preise unterhalb der Preise für zukünftige Lieferungen liegen, also einer stetig steigenden Preisekurve spricht man von einer Contango-Situation. Diese Situation kommt uns aus vielen Lebensbereichen vertraut vor und lässt sich auch "aus dem Bauch heraus" über erwartete Inflation und/oder Lagerkosten für den Rohstoff nachvollziehen.

Bei einer gegenteiligen, fallenden Preiskurve, bei der die zukünftigen Preise unterhalb des aktuellen Preisniveaus liegen, spricht man von einer Backwardation-Situation. "Backwardation-Situationen" im Alltag sind gar nicht so selten, beispielsweise können sie im Februar, wenn ein Kopf Salat auf dem Markt 2 Euro kostet damit rechnen, dass ein gleichwertiger Salatkopf im Juni zum halben Preis erhältlich ist. Ein Beispiel für einen Rohstoff der aktuell in Backwardation notiert, ist Kupfer. Während Kupfer zur aktuellen Lieferung um 8.000 USD/t notiert, liegt der Preis für Lieferungen im Januar 2017 bei 7600 USD/t und im Jahre 2020 bei ca. 7300 USD/t. Hier wird also erwartet, dass das Angebot in der mittelfristigen Zukunft schneller steigt als die Nachfrage. Die Margin ist die zu hinterlegende Sicherheitsleistung für einen Future-Kontrakt, um eventuell entstehende zukünftige Verluste abzudecken. Beim Handel mit Futures brauchen Sie nicht den Gesamtwert des Futures (z.B. den Preis für 25 Tonnen Kupfer) zu hinterlegen, sondern nur einen Bruchteil. Diese notwendige Sicherheitsleistung, um überhaupt eine Position im Markt eingehen zu können, nennt man Initial Margin.

Haben Sie kein Interesse an einer physischen Rohstofflieferung, wollen also nur mit dem Rohstoff handeln, können Sie ihren Future Kontrakt entweder verkaufen, oder aber "rollen". Unter dem Rollen versteht man den Verkauf eines Futures mit einem früheren Liefertermin und den Ersatz dieses Futures durch einen Kontrakt mit späterem Liefertermin. Besitzen Sie beispielsweise einen Future-Kontrakt auf Kupfer mit Liefertermin in einem Jahr (also Ende Mai 2013), so können Sie diesen Kontrakt beispielsweise Ende August "rollen" und gegen einen Future mit Liefertermin Ende August 2013 austauschen. Bei Rollen entstehen in der Regel Gewinne, wenn der Rohstoff in einer Backwardation-Situation notiert, und es entstehen Verluste, wenn der Rohstoff "in Contango" notiert. Dabei können die Rollverluste selbst Gewinne überkompensieren, welche durch eine positive Preisentwicklung beim Rohstoff resultieren und insgesamt zu einem Verlust führen.

Ihr Manuel Giesen

P.S. für weitere Informationen zum Thema Forward-Kurven von Rohstoffen siehe auch

www.onvista.de/rohstoffe/forwardkurven/

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