Man schrieb das Jahr 2010, als die Branche die Aufmerksamkeit an der Börse ganz massiv auf sich zog: Der Rohstoffriese BHP Billiton wollte den kanadischen Weltmarktführer bei der Produktion von Kalisalzen, die Potash Corp., für rund 39 Milliarden Dollar übernehmen. Der Deal platzte zwar, doch seitdem diskutiert man am Markt immer wieder über die Kali-Branche.

Kalisalze, im Englischen „potash“ genannt, werden weltweit in großen Mengen gefördert. Weltmarktführer ist Kanada, von wo den Zahlen des U.S. Geological Survey zufolge mehr als ein Viertel der weltweiten 2012er-Produktion gekommen ist. Allerdings ist die Förderung von 2011 auf 2012 um fast ein Fünftel gefallen. Auf den Plätzen zwei bis vier folgen Russland, Weißrussland sowie China, die beiden letztgenannten Staaten weisen eine steigende Produktion auf. Kanada und Russland sind mit großem Abstand zudem die wichtigsten Regionen, was die Reserven an Kalisalzen angeht.

Eines der weltweit bedeutendsten Förderländer für Kalisalze ist Deutschland auf dem fünften Rang. 2012 kamen bei einer etwa gleichbleibenden Produktionsmenge knapp 9 Prozent der Weltmarktförderung aus Deutschland. Hierzulande ist die Förderung eng verknüpft mit dem DAX-notierten Konzern K+S, die Abkürzung steht für Kali und Salz. In Deutschland betreibt das Unternehmen sechs Bergwerke, in denen Kalium- und Magnesiumrohsalze gewonnen werden. Zudem expandiert die Gesellschaft in Kanada, sie hat dort das Legacy-Projekt in der Provinz Saskatchewan übernommen. Der in Deutschland bekannteste Salzstock aber ist Gegenstand einer völlig anderen Diskussion: Der Salzstock Gorleben ist als mögliches Endlager für atomare Abfälle im Gespräch.

Zurück zum Kalibergbau, wo das im unterirdischen Bergbau oder per Solung geförderte Kalisalz für die weitere Nutzung noch verarbeitet werden muss. Der Rohstoff ist weder durch Knappheit noch durch Substitutionsprodukte bedroht, was an seiner großen Bedeutung für Lebewesen liegt.

Experten gehen trotz einer kurzfristigen Marktschwäche, die sich schon 2012 zeigte und Anfang 2013 anhält, davon aus, dass die Kalinachfrage langfristig wachsen wird. Im Vorausgriff hierauf werden weltweit Kapazitäten ausgebaut. Bis Ende 2017 sollen weltweit 40 zusätzliche Kaliminen bzw. Ausbauprojekte bereits bestehender Anlagen fertig gestellt werden, so die Prognose. Allerdings treten manche Konzerne im ersten Halbjahr 2013 auf die Expansionsbremse, beispielsweise Mosaic. Die US-Amerikaner haben mit Blick auf die Marktlage Investitionen erst einmal zurück gestellt, bei K+S läuft der Ausbau des Legacy-Projektes ebenfalls langsamer als erwartet.

Der hohe Anteil an Kaliumverbindungen in den Kalisalzen spielt die wichtigste Rolle bei der wirtschaftlichen Nutzung des Rohstoffes. Das Material wird in erster Linie zu Düngemitteln weiterverarbeitet. Hierbei macht man sich den hohen biologischen Wert von Kalium zunutze, das einen wichtigen Pflanzennährstoff darstellt und Stoffwechselprozesse stärkt. So wird das Wachstum von Pflanzen gefördert und der Ertrag der landwirtschaftlichen Nutzfläche gesteigert.

Für die Ernährung der Weltbevölkerung werden Düngemittel in den kommenden Jahren und Jahrzehnten zunehmend wichtiger. Dahinter stecken mehrere Basistrends. Zum einen schrumpft die landwirtschaftlich nutzbare Fläche, zum Beispiel durch zunehmende Flächenversiegelung infolge des Städtewachstums, durch Erosion fruchtbarer Bodenschichten oder durch eine Ausdehnung von Wüstengebieten. Zum anderen wächst die Zahl der Menschen auf der Erde beständig, sodass weniger Ackerfläche den Bedarf einer steigenden Zahl an Menschen befriedigen muss. Oftmals treffen beide Trends in den Emerging Markets aufeinander. Hinzu kommt, dass sich in Ländern wie China die Ernährungsgewohnheiten ändern und die Erzeugung von Lebensmitteln im Ackerbau zunehmend mit dem Anbau von Feldfrüchten für die Energieerzeugung, zum Beispiel als Biogas, konkurriert.

Dass sich die Herausforderungen allein durch die Umstellung der Ernährungsgewohnheiten von Milliarden Menschen, insbesondere der Bevölkerung in den Industrieländern, beheben lassen, dürfte eine Utopie sein. Ein verantwortungsvollerer Konsum ist lediglich ein Teil der Lösung. Der Ausweg aus den sich anbahnenden Problemen wird langfristig vor allem ein gesteigerter Ertrag der landwirtschaftlich genutzten Fläche sein. Um die Ernährung der Menschen langfristig sicher zu stellen, werden also weitere Voraussetzungen erfüllt werden müssen. Dies beginnt beim Einsatz fortschrittlicher Landtechnik und Bebauungsarten und geht über eine ausreichende Bewässerung bis hin zu einer zielgerichteten Düngung der Ackerflächen.

So ist es kein Wunder, dass Experten mit einem langfristigen Anstieg der Düngemittelnachfrage rechnen. Kurzfristig kann die Nutzung der Kalidünger allerdings stark schwanken. Derzeit durchläuft die Branche eines dieser Täler, eine schwächer als erwartet ausfallende Nachfrage und Überkapazitäten am Markt drücken die Preise. Doch das Verhältnis wird sich wandeln und freie Kapazitäten dürften in nicht allzu langer Zukunft bereits wieder dringend benötigt werden. Eine so verbesserte Marktlage dürfte steigende Preise mit sich bringen, was wiederum der Branche die Luft geben dürfte, im Jahr 2012 und 2013 aufgeschobene Projekt zur Erweiterung von Kapazitäten anzugehen und abzuschließen.

Der langfristige Ausblick für die Kalibranche ist also von Wachstum geprägt, basierend insbesondere auf Megatrends wie dem weltweiten Bevölkerungswachstum, der zunehmenden Verstädterung und der damit einher gehenden Änderung von Ernährungsgewohnheiten und einer verstärkt knapper werdenden Ackerfläche.