Seit Freitag hat der Goldpreis mehr als 10% von seinem Wert verloren und ist von 1560 USD/Unze auf unter 1390 Dollar gefallen. Während Gold immer wieder als „Sicherer Hafen“ bezeichnet wurde, als Schutz gegen Unsicherheit und drohende Inflation, so drängt sich der Schluss auf, dass wir vor einer großen Phase der Deflation oder neuer wirtschaftlicher Stabilität stehen, welche Anleger aus dem Gold in den Aktienmarkt flüchten lässt. Aufgrund der sehr lockeren Geldpolitik sowohl in Japan, als auch in den USA und einer andauernden Niedrigzins-Phase auch in Europa, scheint der Kursverfall übertrieben und fundamental nicht gerechtfertigt. Da Gold aber für industrielle Anwendungen nur von geringer Bedeutung ist und der Goldmarkt sehr stark emotional bestimmt wird, ist eine Aussage für die weitere Preisentwicklung nicht seriös.

In einem früheren Artikel hatte ich Silber schon einmal als „Sandwichkind“ zwischen Gold und Kupfer bezeichnet, und aus aktuellem Anlass möchte ich noch einmal darauf zurückkommen. Silber wird zwar formal den Edelmetallen zugerechnet, aufgrund der hohen industriellen Verwendung ist es aber weit mehr als ein „Wertaufbewahrungsmetall“, sondern mehrheitlich ein Industriemetall. Nachdem der Kursrutsch am Freitag bei Silber schon im Bereich von 8% lag und damit deutlich höher als beim Gold, hat es den Silberpreis heute noch einmal deutlich heftiger als den Goldpreis erwischt und die Notierung liegt ca. 11% unter dem Schlusskurs von Freitag. 20% Wertverlust in zwei Tagen, sowas kennt man sonst nur aus dem Kraftfahrzeughandel, wo das Fahrzeug in etwa in diesem Rahmen verliert, wenn es den Hof des Händlers verlässt. Bei Silber spielen aber solche Themen wie Abnutzung durch Vorbesitzer, Produkthaftung und Garantien keine Rolle, so dass die Frage bleibt, warum der Kurs derartig unter die Räder gekommen ist. Legt man rationelle Maßstäbe wie bei anderen Industriemetallen (die sich in den letzten beiden Tagen ebenfalls deutlich vergünstigt haben) an, so scheint sich weder die weltwirtschaftliche Lage und die damit verbundene Nachfrage nach Silber derart eingetrübt zu haben, noch gab es eine technische Revolution, die den Bedarf an Silber massiv gesenkt hätte.

Auch wenn bei dem aktuellen Abwärtstrend für Gold und Silber scheinbar noch kein Boden zu sehen ist, so sprechen viele Gründe dafür, sich nach einer Bodenbildung eher in Silber als in Gold zu engagieren. Die Kombination aus „Edelmetall-Funktion“ und „Industriemetall-Funkion“ sorgt dafür, dass Silber selbst bei einer völligen Abkehr von einem Goldstandard (welche sehr unwahrscheinlich ist) aufgrund der industriellen Nachfrage stets einen realen Preis haben wird.

Ihr Manuel Giesen