Wer sich im Rohstoffsektor engagieren will, benötigt einige Basisinformationen zu den betreffenden Bodenschätzen. In der nächsten Zeit wollen wir einige weniger beachtete Elemente genauer beleuchten und ihnen so Rüstzeug für ein Engagement an die Hand geben. Wir starten fast am Ende des Alphabets bei „WO“ – wie Wolfram.

Auch wenn das Übergangsmetall an der Börse eher eine untergeordnete Rolle spielt, ist Wolfram ein Rohstoff mit Alltagsbedeutung. Der extrem hohe Schmelzpunkt macht es besonders, tatsächlich besitzt Wolfram unter den Metallen den höchsten Schmelzpunkt. Der Rohstoff wird vor allem in Glühbirnen eingesetzt, wo er in Glühdrähten verarbeitet wird.

China hat ein Beinahe-Monopol

Beim weltweiten Abbau des Wolframs hat China nahezu eine Monopolposition. Letzten Zahlen des U.S. Geological Survey zufolge stammt knapp 85 Prozent der weltweiten Förderung von insgesamt rund 72.000 Tonnen aus dem asiatischen Land, das damit eine ähnlich starke Position bei Wolfram inne hat wie bei den Seltenen Erden. Zugleich sind in China mehr als 50 Prozent der weltweit bekannten Reserven des Metalls beheimatet. Hinter China weist die Statistik, allerdings mit enormen Abstand, Russland und Kanada auf Platz 2 und 3 aus. Dahinter folgen mit ähnlichen Fördermengen Bolivien und (keine Pointe und kein Übersetzungsfehler aus dem Englischen) Österreich sowie, wieder mit etwas Abstand, Portugal. Die beiden europäischen Länder weisen aber vergleichsweise kleine Ressourcen aus. Abgesehen von China bestehen größere bekannte Wolfram-Reserven vor allem in Kanada, Kasachstan, Russland und den USA.

Bei der Gewinnung von Wolfram spielen unter anderem Wolframit und Scheelit eine wesentliche Rolle. Aus dem letztgenannten Mineral, eine Verbindung von Calcium und Wolfram, dessen Namen auf den Chemiker Carl Wilhelm Scheele zurück geht, konnte Ende des 18. Jahrhunderts Wolfram isoliert werden. Weltweit gibt es tausende von Fundstellen, bedeutende unter anderem im österreichischen Felbertal, was die Bedeutung und Tradition Österreichs für die Wolframförderung erklärt. Selbst bei einer Mondexpedition wurde Scheelit nachgewiesen, was derzeit für den Bergbau aber uninteressant ist.

Wolframs herausragende Physik

Wenn man die wirtschaftliche Bedeutung des Wolframs erfassen will, muss man sich die chemischen und physikalischen Eigenschaften des Metalls genauer anschauen. Neben dem bereits erwähnten sehr hohen Schmelzpunkt hat der Rohstoff in seiner Reinform noch eine hohe Dehnbarkeit und das Material ist sehr hart. Die Dichte gleicht der des Goldes. Chemisch weist Wolfram, im englischen „Tungsten“ genannt, eine sehr hohe Widerstandsfähigkeit auf, zum Beispiel gegenüber Säuren. Zudem, auch das ist von Bedeutung, ist das Metall nicht radioaktiv und gilt in seiner Reinform gesundheitlich für den Menschen nach heutigem Stand der Wissenschaft nicht als bedenklich.

Nun, wo wir uns über die besonderen physikalischen Eigenschaften des Rohstoffes Wolfram ein Bild gemacht haben, die das Metall für den Einsatz in vielen wirtschaftlichen Bereichen interessant machen,wollen wir uns die Nutzung ein wenig detaillierter anschauen.

Wolfram ist mehr als Glühlampendraht

Mit Wolfram ist jeder schon einmal in Berührung gekommen. Das Element wird für die Herstellung von Glühbirnen genutzt und kommt hier als Glühdraht zum Einsatz. Doch ausgerechnet der bekannteste Einsatzbereichs des Materials dürfte langfristig stark an Bedeutung verlieren. Der Grund sind die Bemühungen um die Einsparung der Kohlendioxid-Emissionen. Glühbirnen gelten bei der Beleuchtung als wenig effizient, viel Energie geht statt als Licht als Wärme verloren. Und so werden nicht nur in der Europäischen Union Glühlampen mit einer geringen Effizienz bei der Energienutzung vom Markt verschwinden. Andere Beleuchtungsformen wie zum Beispiel die LEDs werden stattdessen die Marktanteile erobern.

Breites Einsatzspektrum außerhalb der Leuchtmittelindustrie

Doch die Nutzung des Wolframs in der Wirtschaft geht weit über die simple Verwendung als Glühdraht hinaus, Tatsächlich ist das Einsatzspektrum weit gefächert und umfasst viele Hightech-Bereiche. Von Nachteil ist hier allerdings, dass Wolfram teuer ist und sich schlecht verarbeiten lässt. Experten gehen dennoch davon aus, dass schon im nächsten Jahrzehnt die Nachfrage nach Wolfram höher ausfallen könnte als das Angebot. Langfristig orientierte Investoren wie Warren Buffet haben schon Positionen in der Wolframbranche aufgebaut.

Eine hohe Dichte, große Härte und Hitzebeständigkeit und Widerstandsfähigkeit gegen Umwelteinflüsse – Wolfram ist für eine Reihe von Anwendungen ein ideales Legierungsmetall, weshalb die Metallurgie nach der Leuchtmittelindustrie ein weiteres großes Einsatzgebiet des Rohstoffes ist. Man findet das Material zum Beispiel bei Werkstoffstählen, in Flugzeugtriebwerken und anderen Produkten.

Das Wolfram als Waffe

Eine längere Tradition hat Wolfram auch in einem weniger angenehmen Bereich der modernen Welt: Der Rüstungstechnik. Schon während des Zweiten Weltkriegs wurde Munition mit Wolframkern eingesetzt. Die Bedeutung kommt wie auch schon bei anderen Anwendungen aufgrund der hohen Dichte des Materials zustande, was es für panzerbrechende Munition interessant macht. Dies ist vor allem vor dem Hintergrund interessant, dass Urankernmunition durch Munition mit einem Wolframcarbidkern ersetzt werden kann. Probleme sind dabei der höhere Preis des Wolframs und dessen schwierige Verarbeitung. Ein Beispiel für den Einsatz solcher Wolframkernmunition ist der Schützenpanzer Puma, der in der Bundeswehr den alten Schützenpanzer Marder ersetzen soll.