Die Märkte rätseln, wie es mit den Edelmetallpreisen weiter geht. Im Fokus stehen dabei vor allem die Feinunzenpreise von Gold und Silber, die seit einigen Monaten unter Druck stehen. Während die Feinunze Gold seit Anfang Oktober 2012 von 1.796 Dollar auf vor wenigen Tagen erreichte 1.555 Dollar gefallen ist, hat bei Silber die Abwärtsbewegung zu einem ähnlichen Zeitpunkt bei 35,39 Dollar begonnen und die Feinunze auf Kurse um 28 Dollar fallen lassen, die sich auch am Dienstag zeigen. Trendwenden sind bei beiden Preisen noch nicht zu beobachten.

Während viele vor allem die Irritationen um ein mögliches Ende der extrem expansiven Politik der US-Notenbank als Gründe für den Absturz anführen, bringt Edelmetallexperte Eric Sprott im Interview mit The Gold Report noch einen anderen Faktor ins Spiel: Die anderen Notenbanken. Während diese in der öffentlichen Meinung derzeit als Goldkäufer gelten, geht Sprott davon aus, dass sich einige der westlichen Notenbanken still und leise von Goldbeständen trennen. Der erfahrene Experte begründet dies unter anderem mit Beobachtungen des Angebotsvolumens an den Märkten – dieses könne in der Höhe unmöglich aus der Goldproduktion der Bergwerksgesellschaften stammen und auch Verkäufe des Edelmetalls durch ETFs können hierfür nicht alleine verantwortlich sein, glaubt Sprott.

Welche Hintergründe solche Verkäufe haben, ist allerdings kaum sicher zu sagen. Sprott geht davon aus, dass westliche Notenbanken derzeit an einem niedrigeren Goldpreis Interesse haben. Dies vor allem mit Blick auf die eingangs zitierte und immer wieder kritisierte expansive Politik, die Inflationsgefahren schürt und als wichtigster Faktor für steigende Goldpreise gilt. Wenn der Goldpreis als „Alarmfaktor“ nun schwächer wird, gerät die Politik der Notenbanken aus der Schusslinie. Denn um die schwache Wirtschaft zu stützen, müssen die Fed & Co. weiter auf dem Gaspedal der Notenpresse stehen, da andere Instrumente wie der Zinssatz ausgereizt sind. Sprotts Gründe für den Goldpreisrutsch mögen auf den ersten Blick verrückt klingen, könnten aber vor dem Hintergrund des ausgereizten Instrumentariums der Fed Sinn machen.

Wie geht es nun weiter? Noch sind weder beim Gold noch beim Silber Trendwenden nach oben zu sehen. Dennoch bleibt Edelmetallexperte Sprott bullish für die Preise der beiden Edelmetalle. Das gilt allerdings vor allem für den Silberpreis, für den der Fachmann weitaus größeres Kurspotenzial sieht. Sprott geht davon aus, dass das Verhältnis von Gold- und Silberpreis bei 16 zu 1 liegen müsste. Schon bei einem aktuellen Goldpreis knapp unter der 1.600er-Marke würde ein solches Verhältnis eine massive Silberpreishausse bedeuten – die Unze müsste bei knapp 100 Dollar stehen, tatsächlich pendelt das Edelmetall bei nicht einmal einem Drittel dieses Preises. Sprotts klares Fazit: Der Experte geht davon aus, dass der Silberkurs sich über Jahre hinweg besser entwickeln wird als der Goldpreis.