Die Lage im Rohstoffsektor bessert sich nach einigen „schmerzvollen“ Jahren langsam wieder. Das ist nicht nur am viel beachteten Goldpreis zu sehen, der sich in den vergangenen Monaten klar stabilisiert hat und an einer möglichen mächtigen Trendwendeformation arbeitet. Während einzelne Sparten der Branche zwar weiter mit Problemen bei der Preisentwicklung der Rohstoffe zu kämpfen haben, zeichnet sich ab, dass die Großen des Rohstoffsektors wieder spendabler werden und zu Investitionen bereit sind.

Das war zuletzt längst nicht so, es war eher das genaue Gegenteil der Fall. Milliardenschwere Ausgaben wurden gekürzt, Kosten zusammen gestrichen wo immer es ging. Branchenweit wurde der Gürtel nach der Rohstoffbaisse so eng geschnürt, wie es nur eben geht. Bilanzen wurden bereinigt, Breakevenschwellen nach unten verschoben. Die ganzen Maßnahmen hatten vor allem ein Ziel: Die Unternehmen wieder fit zu machen und dem Ruf des Kapitalmarktes nach mehr Cashflow und Renditen zu folgen.

Rohstoffe: M&A-Aktivitäten nehmen Schwung auf

Nun, wo sich der Markt stabilisiert, profitieren vor allem die finanzstarken Blue Chips der Branche von ihren Kostensenkungen und den Restrukturierungen. Da zugleich die Kurse vieler Rohstoffe und Rohstoffunternehmen extrem niedrig sind, trifft die Finanzstärke auf günstige Bewertungen – ein Umfeld, das für Übernahmen wie geschaffen ist. Und tatsächlich gab es zuletzt bereits einige bemerkenswerte Deals, große wie kleine. Spektakulär war vor allem die Übernahmeschlacht zwischen Goldcorp (ISIN: CA3809564097) auf der einen Seite sowie dem Duo Agnico Eagle (ISIN: CA0084741085) und Yamana Gold (ISIN: CA98462Y1007) auf der anderen Seite um Osisko Mining, das schließlich das Duo für sich entscheiden konnte. Aber auch kleinere Deals wie Mandalays (ISIN: CA5625682045) Kauf von Elgin Mining oder im Kupfersektor die Übernahme von Lumina Copper durch First Quantum Minerals (ISIN: CA3359341052) waren zu sehen. Nicht zu vergessen die Übernahme des australischen Gold-Developers Papillon Resources durch den kanadischen Goldkonzern B2Gold (ISIN: CA11777Q2099).

Die Aktivitäten stehen im Gegensatz zur absoluten Flaute, der in den Monaten zuvor bei M&A-Transaktionen im Bergbausektor herrschte. Sprott-Rohstoffexperte Steve Todoruk sieht in der wieder aufflammenden Einkaufsfreude der Unternehmen ein zuversichtlich stimmendes Zeichen. Es sehe so aus, als lockeren die großen Minenkonzerne ihren enorm eng geschnürten Gürtel ein wenig, lautet die Einschätzung von Todoruk zu den jüngsten M&A-Deals in der Branche. Der Experte sieht darin ein weiteres Zeichen, dass die Rohstoffmärkte Ende 2013 ihr Tief gesehen und nun durchschritten haben.

Akquisitionen tun den Berwertungen im gesamten Sektor gut

Für Investoren, die sich im Bergbausektor engagieren, ist dies eine wichtige Entwicklung. Starke M&A-Aktivitäten in der Branche haben schon oft für hohe Bewertungen gesorgt. Nun ist man derzeit zwar weit von einer Übernahmewelle aus Boomzeiten entfernt, doch die Käufe zeigen, dass man in den Chefetagen wieder optimistischer wird. Die Zukäufe lassen zudem den Druck aus den Bewertungen weichen und wieder höhere Kursniveaus in den Blick kommen – ein Fakt, von dem vor allem kleinere Bergbaugesellschaften profitieren könnten. Diese waren in den Jahren der Baisse vom Kapitalmarkt weitgehend abgeschnitten, Finanzierungen kaum möglich. Finanzstarke Investoren kommen da gerade recht in der aktuellen Lage. Und dass die „big guys“ des Rohstoffsektors aufgrund geringer Explorationserfolge der vergangenen Jahre Nachholbedarf bei neuen Projekten haben, ist weitgehend bekannt. Der Druck, Akquisitionen zu tätigen, wächst, gerade im aktuellen Zeitfenster mit seinen niedrigen Bewertungen.

Davon können auch die Aktionäre profitieren. Eine Übernahmeofferte ist oft mit hohen Preisaufschlägen verbunden. Todoruk rät, bei den kleineren Bergbautiteln vor allem solche im Auge zu behalten, die Qualitätsprojekte besitzen. Auch Unternehmen mit hochqualitativen Royalty-Rechten seien mögliche Übernahmeziele. Von Zukäufen profitieren aber auch andere Titel, vor allem wenn sie regional nahe zum übernommenen Unternehmen liegen, dank Spekulationen des Marktes, wer wohl der nächste Kandidat sein werde.