An der Börse wechseln immer wieder mal die Favoriten und die Dinge, auf die Investoren besonders achten. 2011 war es das letzte Mal soweit: Die Hausse des Goldpreises endete, zugleich starteten Aktienindizes wie der Dow Jones, der S&P 500 oder auch der DAX eine Rekordjagd.

Die Zeit hat auch bei Investoren, die nach wie vor auf Rohstoffaktien setzen, eine Veränderung der Anlagekriterien ausgelöst. Waren es einst vor allem die Ländereien, dann die Cashpositionen, die im Fokus der Anlageentscheidung standen, so ist es nun die Produktion und die Fähigkeit, sich darüber selbst zu finanzieren, schreibt Christopher Ecclestone von Hallgarten & Co. in einem aktuellen Marktkommentar. Und der Rohstoffexperte rechnet nicht damit, dass sich dies so schnell ändern wird.

Rohstoff-Manager müssen umdenken

Die Veränderung in den Präferenzen der Investoren ist eine unmittelbare Folge der Rohstoff-Preiskrise, die viele Explorationsgesellschaften mehr oder weniger stark von Finanzierungsmöglichkeiten abgeschnitten hat. Da aber die Erkundung von Rohstoffvokommen viel Geld kostet und sich über einen langen Zeitraum mit hohen Risiken hinzieht, stecken diese Gesellschaften in einem Dilemma. Wer keinen Plan vorweisen kann, wie er sich kurzfristig selbst finanziell durch entsprechend positive Cashflows über Wasser halten kann, fällt bei den Investoren mittlerweile schnell durch den Rost.

Das bedeutet auch, dass die Manager in den Unternehmen umdenken müssen. Wer heute bei Investoren noch Eindruck machen will, muss zumindest einen klaren Plan für die Produktionsaufnahme haben, glaubt Ecclestone. Es reiche nicht mehr aus, zwar eine vorläufige Wirtschaftlichkeitsanalyse vorweisen zu können, aber erst einmal die Ressource vergrößern zu wollen, bevor man an den Abbau der Rohstoffe denke. Dies sei mittlerweile geradezu ein Killer für Gespräche mit Investoren, schreibt Ecclestone in seinem aktuellen Kommentar. Wer solche Pläne verfolgt, kommt nur noch im Ausnahmefall bei den potenziellen Geldgebern positiv an.

Investoren achten stark auf die Qualität

Der Paradigmenwechsel hat tiefgreifende Auswirkungen auf die Rohstoffbranche. Zum einen sieben die Investoren derzeit gnadenlos aus, ein Bereinigungsprozess ist im Gange. Companies, die ihr Businessmodell rein auf Versprechungen aufbauen, fallen im Rahmen des Investitions-Entscheidungsprozesses durch das Sieb, werden als Folge daraus nach und nach womöglich verschwinden. Die Geldressourcen am Markt, längst nicht mehr so riesig wie einst, konzentrieren sich mittlerweile stark auf die aussichtsreichen Projekte. Qualität und harte Fakten stehen im Vordergrund.

Nah an der Produktionsaufnahme zu sein, erscheint hier mittlerweile der Mindeststandard, wenn man von den Börsianern Cash haben will, zum Beispiel auf dem Wege einer Kapitalerhöhung. Jüngste Investoren-Deals zeigen allerdings, dass eine Investitionsbereitschaft vorhanden ist, wenn die Rahmenbedingungen stimmen und die harten Fakten eine lohnende Geldanlage versprechen. Wer vor allem in die Röhre schaut, sind die schwarzen Schafe der Branche und die Trittbrettfahrer, die mit wolkigen Versprechungen Geld machen wollen und dann nicht „liefern“ können.