Während die Welt mit wachsenden Sorgen auf die eskalierende Situation in der Ukraine blickt, pendelte die Feinunze Gold zuletzt in engen Kursgrenzen. Ein Anstieg von 1.182 Dollar per Jahresende 2013 auf knapp 1.390 Dollar, erreicht am 17. März, wurde in den vergangenen Wochen konsolidiert. Der Chart des Goldpreises zeigt allerdings um 1.268/1.277 Dollar eine klare Unterstützungszone, die seit Anfang April immer wieder Abwärtsbewegungen des Edelmetalls stoppt. Nach oben absetzen konnte sich der Feinunzenpreis indes noch nicht. Bei 1.307 Dollar und um 1.331 Dollar trifft Gold auf charttechnische Widerstandsbereiche, am Montag kann die erste Hürde vor dem Hintergrund der Nachrichten über die Ukraine-Krise aber überwunden werden.

Das Sentiment des Marktes für Gold bleibt insgesamt eher zurückhaltend. Das ist ein Fehler, wie Rohstoffexperte John Embry findet. Der Chef-Investmentstratege von Sprott Asset Management weist in einem Interview unter anderem auf die starken Goldkäufe aus Asien hin. Seiner Meinung nach hat das Edelmetall langfristig großes Aufwärtspotenzial – und einer der Gründe sind die Inflationsdaten.

US-Inflation höher als offiziell angegeben?

Das klingt angesichts niedriger offizieller Inflationsdaten in den USA erst einmal grotesk, doch Embry weist auf die Schattendaten hin, die weitaus höhere Inflationszahlen für die USA errechnen als die offizielle Statistik zugibt. Die tatsächliche Inflation liege wahrscheinlich irgendwo zwischen den offiziellen Zahlen und den Daten, die Informationsdienste wie Shadowstats errechnen.

Ein zweites großes Thema bleibt die Politik der US-Notenbank. Embry glaubt nicht daran, dass die Fed ihr „Tapering“ in großem Stil durchführen kann. Dass plötzlich Belgien als großer Käufer am Markt auftauche, zeige, dass etwas am Markt nicht stimme. Embry vermutet Hintertüren, die die Fed nutzt, um die Märkte weiter mit Liquidität zu fluten. Geld, das dringend benötigt wird, denn Embry sieht die Konjunktur längst nicht so stark wie andere Experten.

Wiederholt sich das Muster des Dotcom-Crashes?

Im Gegenteil: Wenn die Fed ihre stark expansive Politik zu stark eindämme, werde die Konjunktur einknicken, glaubt Embry. Der Experte rechnet allerdings auch damit, dass die Fed und die US-Regierung hieran kein Interesse haben. Daher werde man den Dollar weiter schwächen statt die wirtschaftliche Entwicklung einem Risiko auszusetzen, glaubt der Kapitalmarktexperte.

Die Liquiditätsflut der Fed sorgt nach Meinung von Embry aber auch an anderer Stelle für problematische Entwicklungen. Da sich am Kreditmarkt gar nicht so viele interessante Investitionsmöglichkeiten bieten, wie die Fed Liquidität bereit stelle, fließe Geld in andere Kapitalmarktbereiche. Hiervon profitiert laut Embry der Aktienmarkt, in dem es zu einer Blasenbildung komme. Der Sprott-Chefstratege vergleicht dies bereits mit den Entwicklungen Ende der 90er-Jahre, als die Börsen von einer riesigen Hightech-Kursblase in die Höhe getrieben wurden. Das Ende ist bekannt: Der Dotcom-Crash ließ am Aktienmarkt viel Geld verloren gehen, während der Goldpreis im Jahr 2001 zu einer jahrelangen Hausse und einer Kursvervielfachung ansetzte.