Kurssteigerungen beim PlatinpreisDie russische Krim-Krise und die Streiks südafrikanischer Kumpel werfen aktuelle Schlaglichter vor allem auf zwei Rohstoffe: Platin und Palladium: Südafrika ist der bestimmende Anbieter von Platin auf dem Weltmarkt, bei Palladium sind die beiden Länder die Top-Förderer weltweit. Kein Wunder, dass an der Börse heftig über mögliche Angebotsengpässe spekuliert wird. Die Bodenschätze kommen vor allem in der Automobilindustrie zum Einsatz, sind hier wichtig für den Bau von Katalysatoren.

Vor diesem Hintergrund müssten die Preise für beide Metalle in jüngster Zeit explodiert sein – glaubt man zumindest. Doch das ist nicht der Fall. Der Platinpreis bewegt sich seit Monaten uninspiriert in einer Seitwärtsbewegung, Palladium konnte immerhin seit Anfang Februar von der 700-Dollar-Marke in den Bereich um 800 Dollar klettern. Von Angebotskrisenpreisen ist der Rohstoff aber ebenfalls weit entfernt.

Befürchtungen über Palladium-Handelsbann gegen Russland übertrieben

Rick Rule, Rohstoffexperte und Gründer von Sprott Global Resource Investments, wundert dies aber nicht besonders. Die Streiks in Südafrika seien absehbar gewesen, sodass im Vorfeld die Verbraucher in der Autoindustrie mit Lagerbeständen vorgesorgt haben dürften, glaubt der Sprott-Chef. Befürchtungen, dass ein Bann westlicher Industriestaaten gegen russische Exporte von Palladium zustande kommen wird, hält Rule ebenfalls für ausgeschlossen – zu wichtig ist die Autoindustrie für Länder wie Deutschland, Frankreich und die USA. Kurzfristig könnten die Preise der beiden Metalle also durchaus fallen, wenn sich die Befürchtungen am Markt über Angebotsengpässe zerstreuen, so Rule.

Schaut man über den kurzfristigen Zeithorizont hinaus, glaubt Rule dennoch an steigende Preise für Platin und Palladium. Die Gründe hierfür seien aber völlig anders gelagert als die derzeitigen Befürchtungen der Börse, dass die Streiks und die Krim-Krise für einen Engpass beim Angebot sorgen. Es sind, wenn Rule richtig liegt, wesentlich tiefgreifendere fundamentale Gründe.

Palladium: In Russland sinken die Erzgrade

In Russland sieht Rule vor allem sinkende Mineralisierungsgrade in der Palladiumproduktion als Bedrohung für das Weltmarktangebot. Dies trifft vor allem auf alte Minen von Norilsk Nickel (ISIN: US46626D1081) zu, die weitgehend erschöpft seien, so der Sprott-Chef. Neue Bergwerke seien zugleich auf Sicht mehrerer Jahre nicht in Sicht. Rule glaubt, dass wesentliche Kapazitäten erst in bis zu zehn Jahren an den Markt kommen. Die Folge: Die russischen Exporte von Palladium könnten über einen langen Zeitraum hinweg stetig sinken. Zudem trifft die Palladiumkonzerne der laut Rule zu geringe Preis, was Investitionen erschwert.

Platin: Die Konzerne verdienen zu wenig

Mit diesem Problem sehen sich auch die südafrikanischen Platinproduzenten konfrontiert, die in immer größere Tiefen vorstoßen müssen. Der niedrige Platinpreis bringt die Minenbetreiber wirtschaftlich unter Druck, sodass sie zwischen die Mühlsteine der Forderungen nach deutlich höheren Löhnen und wirtschaftlichen Erwägungen geraten. Der Druck könnte so groß werden, dass mehr und mehr Förderkapazitäten vom Markt verschwinden – das würde das Angebot stark eindämmen und den Platinpreis in die Höhe treiben, glaubt Rule. Das gilt auch für Palladium. Fraglich bleibt aber, ob die Automobilindustrie es so weit kommen lassen wird. Sie ist auf den Rohstoff angewiesen und damit auch an einer gesicherten Förderung interessiert.