Kurssteigerungen beim PlatinpreisUm die Entwicklung im Platin Preis zu verstehen, kann tiefergehendes Wissen hilfreich sein. Wer in Metalle aus dem Platinsektor investieren will, der muss seit jeher vor allem auf zwei Länder achten: Südafrika und Russland. Die beiden Länder dominieren das Angebot von Platin und Palladium auf dem Weltmarkt – und sorgen dabei immer wieder für Turbulenzen an der Börse. Betroffen sind neben dem Finanzmarkt vor allem die Schmuck- und Automobilindustrie, denn die Metalle der Platingruppe werden in erster Linie in der Schmuckherstellung und für den Bau von Katalysatoren zur Abgasreinigung genutzt.

Aktuell stehen beide Länder wieder einmal in den Schlagzeilen. Russland als prägender Akteur der Krim-Krise drohen umfangreiche Sanktionen westlicher Industriestaaten. Das ist gerade im Platinsektor bedeutend, denn einer der wichtigsten Verbraucher ist die europäische Automobilindustrie. Angesichts der enormen Bedeutung des Wirtschaftszweiges für Länder wie Deutschland und Frankreich, die in der EU tonangebend sind, darf man aber bezweifeln, dass sich Platin und Palladiumimporte aus Russland auf einer Sanktionsliste wiederfinden werden.

Streiks in Südafrika verringern Platin-Angebot

Problematischer für den Markt sind da schon die Ereignisse in Südafrika. 2012 haben Massenstreiks, die einige Todesopfer forderten, für einen erheblichen Einbruch der verfügbaren Platinmenge auf dem Weltmarkt gesorgt. Nachdem es 2013 ruhiger wurde, befinden sich die die Bergarbeiter der südafrikanischen Platinbranche nun schon wieder seit Wochen im Streik. Dieser dürfte weiter andauern, eine Einigung ist nicht in Sicht, sodass nach Ansicht von Marktbeobachtern in diesem Jahr wieder einige Prozent beim Platin-Weltmarktangebot fehlen werden.

Nachfrage könnte sogar steigen

Dies trifft auf eine Nachfrage, die nach Einschätzung der Experten der Nord LB zumindest konstant ausfallen wird, wenn nicht gar steigen könnte. Ein Grund für letzteres könnte unter anderem die europäische Automobilindustrie sein, die wieder Fuß fasst. Dennoch ist die Stimmung im Autosektor auf dem hiesigen Kontinent nicht gerade gut, die Neuzulassungszahlen überzeugen nicht.

Zu einem immer wesentlicheren Faktor für die Platinnachfrage wird auch die Finanzbranche, hier insbesondere die börsengehandelten Platinfonds. In Platin-ETF steigen seit Jahren die Bestände. Das war auch im vergangenen Jahr so, wie die Nord LB betont: Während es bei Gold-ETF eine regelrechte Flucht der Großanleger gab und die Bestände einbrachen, wurden bei Platin-ETF die Bestände um mehr als eine Million Unzen auf 2,5 Millionen Unzen stark aufgebaut – natürlich liegt das Gesamtniveau der Bestände weit unter Gold.

Können Regierungen in Russland und Südafrika das Platin-Angebot steuern?

Für den Platinpreis wird entscheidend sein, wie sich der in den letzten Jahren oft zu sehende Angebotsüberhang entwickelt. Das Jahr 2012 war mit einem Defizit eine Ausnahme, verursacht durch die heftigen Auseinandersetzungen in Südafrikas Platinindustrie. Südafrika und Russland haben nun in einem Abkommen vereinbart, diesen Angebotsüberhang stärker beeinflussen zu wollen – sprich abzubauen. Ob sich dies in Südafrika angesichts der diversen börsengehandelten Minenaktien wie zum Beispiel Lonmin (ISIN: GB0031192486) durchsetzen lässt, ist zweifelhaft. Diese werden sich kaum von der Regierung die Produktionsmengen diktieren lassen, zumal die Steuerung der Fördermengen operativ auf wesentlich größere Schwierigkeiten trifft, wie sich das die Politiker ausmalen.

Alles in allem aber könnte ein zumindest durch die Streikauswirkungen reduziertes Platinangebot preistreibend wirken, glauben die Experten der Nord LB. Diese rechnen für 2014 mit einem Preisanstieg Richtung 1.600 Dollar je Feinunze Platin, 2015 sollen es 1.700 Dollar werden. Am Donnerstag notiert der Platinpreis um 1.400 Dollar.