Noch liegen die Gold- und Silberpreise am Boden, doch Experten glauben, dass dies nur ein vorübergehendes Tief ist. Einerseits bleibt die Nachfrage vor allem in China sehr hoch, zum anderen könnte sich auch auf der Angebotsseite etwas ändern. Es gibt gut begründete Theorien, dass in der zweiten Jahreshälfte 2014 und vor allem ab 2015 ein deutlicher Angebotsengpass beim Gold droht. Die Folge wären steigende Goldpreise.

Immer mehr Stilllegungen

Die aktuellen Goldpreise sind für viele Minenbetreiber bereits zu niedrig. Es lässt sich kein Geld mehr mit der Förderung des Edelmetalls verdienen. In der Konsequenz werden kostenintensive Minen vorläufig oder ganz stillgelegt. Mehr und mehr Förderstätten stellen die Produktion ein, das wird Auswirkungen auf das weltweite Goldangebot haben. Wenn die Anlagen nur vorübergehend stillgelegt werden, kann man sie reaktivieren, doch auch das dauert seine Zeit. Noch kritischer wird es, wenn der Goldpreis länger unter 1.100 Dollar je Unze sackt, das wäre ein Killerargument für viele noch arbeitende Minen.

Auch die Explorationsarbeiten leiden darunter, viele Konzerne investieren weniger in die Goldsuche, da die niedrigen Preise das wenig rentabel erscheinen lassen. So zeigt die Statistik, dass von Januar bis September 2013 die weltweiten Bohrtätigkeiten nach Gold um mehr als 50 Prozent nachgegeben haben im Vergleich zum Vorjahr. Schaut man auf die Zahlen von Ende 2011 und vergleicht diese mit aktuellen Daten, so haben sich die Bohrungen gedrittelt . Das sind keine guten Voraussetzungen für den künftigen Goldnachschub.

Quelle: Casey Research

Mineralisierungen gehen zurück

Ein weiteres Problem vieler Minenbetreiber ist, dass die Goldmineralisierung im Gestein deutlich nachlässt. 2004 gab es im Schnitt noch fast 6 Gramm Gold je Tonne Gestein, 2012 sackt die Mineralisierung auf knapp über 1 Gramm je Tonne ab. Das drückt die Förderdaten ebenfalls.

Quelle: Casey Research

Aufgrund der Kostensituation fördern viele Gesellschaften derzeit nur das höhergradige Gestein, obwohl auch Gestein mit niedrigeren Goldgraden in den Minen vorhanden ist. Doch bei den aktuellen Preisen lohnt dies den Abbau nicht. Ob es jemals ans Tageslicht gefördert wird, ist fraglich, die Kalkulationsgrundlage stimmt nicht mehr, wenn die höhergradigen Schichten weg sind. Damit fallen viele Reserven aus den Statistiken – ein weiteres Minus für das kommende Angebot.

Politiker als Projektbremser

Politiker und Umweltschutzorganisationen zählen nicht unbedingt zu den Freunden der Bergbaubetreiber. Zu oft erhöhen Regierungen die Steuern auf Gewinne, zu häufig verhindern sie mit bürokratischen Hemmnissen einen lukrativen Abbau. Zudem gibt es immer wieder auch umweltpolitische Bedenken gegen Großprojekte. Anglo American (ISIN: GB00B1XZS820) wird das Pebble Projekt in Alaska aufgeben. Wann Barrick Gold (ISIN: CA0679011084) die Mine von Pascua-Lama im Grenzgebiet von Argentinien und Chile in Betrieb nehmen kann, ist unklar. Die Conga Mine von Newmont Mining (ISIN: US6516391066) in Peru könnte aufgrund der Wasserversorgung scheitern, die Liste lässt sich fast beliebig fortsetzen. All diese eigentlich eingeplanten Fördermengen werden dem Markt in den kommenden Jahren somit nicht zur Verfügung stehen.

Südafrika verliert den Platz an der Spitze

Mit Sorge blicken Beobachter zudem nach Südafrika. Noch vor wenigen Jahren war das Land am Kap der größte Goldförderer der Welt, inzwischen liegt man auf dem fünften Platz, Tendenz weiter fallend. Die Kosten in Südafrika steigen und steigen. Einerseits gehen die Löhne, auch nach einer Vielzahl von Streiks, immer weiter nach oben, andererseits verteuern sich die Energiekosten. Zudem ist die Stromversorgung längst nicht immer gesichert, die gesamte Infrastruktur bereitet Sorgen. Eine Reihe von Minen ist so weit ausgeschöpft, dass man auf mehr als drei Kilometer Tiefe gehen muss, um noch vernünftige Goldadern zu finden. Das geht zu Lasten der Kosten. Sorge bereiten auch die immer wieder auftauchenden Nationalisierungsideen einiger Politiker, die sich mit neuen Steuerideen abwechseln. All das drückt auf die Fördermengen in Südafrika und damit auf den Weltmarkt.

Beobachter glauben deshalb, dass es nur noch eine Frage der Zeit ist, bis man das Angebotsdefizit am Markt spüren wird. Sie rechnen in der Folge mit klar steigenden Preisen. Bis das Defizit behoben werden kann, wird es hingegen eine Weile dauern. Man rechnet mit mindestens 10 Jahren, bis eine Mine in Betrieb genommen werden kann. So schnell lässt sich der immer weiter steigende Nachfragewunsch der Konsumenten somit nicht im gewünschten Maße bedienen.