Kann die Stimmung für Goldaktien nach drei Jahren des Goldpreiscrashs, nach einer Massenflucht institutioneller Anleger aus dem Edelmetall in Richtung Aktienmärkte und tief fallender Ergebnisse im Sektor noch schlechter werden? Viele Marktbeobachter verneinen dies, was antizyklisch orientierte Anleger alarmieren sollte. Da zudem der Goldpreis Ansätze einer charttechnischen Bodenbildung im Bereich 1.180/1.182 Dollar zeigt, wäre die aktuelle Marktlage interessant für Investoren.

Aktienexperte Frank Holmes von U.S. Global Investors verweist in einem Kommentar vor diesem Hintergrund auf die Chancen der Goldminenaktien. Die Vergangenheit zeigt dabei, wie es in der kommenden Zeit weiter gehen könnte. Holmes zieht hierzu den viel beachteten Philadelphia Gold & Silver Index, kurz XAU, heran. Der Aktienindex besteht aus 30 Anteilsscheinen von Edelmetallförderern, dem „Who is Who“ der Branche.

Der Blick auf den Langfristchart des XAU zeigt, dass der Index während der vergangenen 30 Jahre nie mehr als drei Jahre in Folge mit Verlusten verbucht hat. Zwei Perioden mit drei Verlustjahren in Folge gab es vor dem Kursabschwung der vergangenen Jahre bisher: Zum einen die Jahre 1990 bis 1992, zum anderen die Jahre 1996 bis 1998. Keine der in Frage kommenden sechs Jahre aus diesen beiden Perioden weist übrigens ähnlich hohe Verluste aus, wie der XAU sie im Jahr 2013 verbucht hat.

http://www.usfunds.com/media/images/investor-alert/_2014/2014-01-03/COMM-In-30-Years-the-XAU-never-experienced-a-losing-streak-of-more-than-3-years-01032014-LG.gif

Quelle: Bloomberg / U.S. Global Investors

Was passierte nach den Jahren 1992 und 1998? Die weitere anschließende Entwicklung verlief höchst unterschiedlich. 1993 explodierten die Kurse der Goldminenaktien regelrecht, zumindest gemessen am XAU. Satte 85 Prozent Jahresgewinn standen am Ende zu Buche. Der Einstieg für Mutige hätte sich also richtig gelohnt.

Die Kursentwicklung nach 1998 macht auf den ersten Blick weniger Mut. Die Kurse kamen erst im Jahr 2002 richtig in Schwung, nachdem der XAU im Jahr 2000 nach einer Mini-Erholung im Jahr zuvor noch einmal stärkere Kursverluste hinnehmen musste. Die schwache Performance in den Jahren 1999 bis 2001 lässt sich aber gut erklären. In dieser Zeit verkaufte die altehrwürdige Bank of England Goldbestände im Volumen von 400 Tonnen – ein Milliardenwert. Das belastete die Kurse im Goldsektor bis ins Jahr 2002 hinein, als die Verkäufe ausliefen.

Diese Entscheidung der britischen Notenbank zeigt übrigens auch, dass Währungshüter keinesfalls vor schlechten Investmententscheidungen gefeit sind. Kaum hatte die Bank of England die Verkäufe beendet, setzte der Goldpreis zu einer Hausse an, die zu einer Kursvervielfachung des Feinunzenpreises bis auf 1.921 Dollar führte. Bei 400 Tonnen haben die Banker einen zweistelligen Milliardenbetrag an Kursgewinnen in den Jahren danach verpasst.

Die 400 Tonnen aus den Jahren um die Jahrtausendwende sind allerdings eine gute Überleitung in die heutige Zeit. Etwa so hoch waren die Abflüsse aus Gold-ETFs im zweiten Quartal, weist die Statistik des World Gold Council aus. Institutionelle Anleger könnten 2013 also die Rolle der Bank of England von 1999 bis 2002 eingenommen haben. Zugleich zeigt dieser Vergleich, welche Last 2013 den Goldmarkt überrollte. Mittlerweile ebbt die Flucht der Großanleger aus dem Gold ab, Verkäufer von gestern werden zu möglichen Käufern von Morgen. Dreht der Trend beim Goldpreis, dürften sich Goldminenaktien nicht lange bitten lassen – so wie in den Jahren 2002 und 2003, die dem XAU dicke Gewinne bescherten.