Adam Hamilton von Zeal Intelligence ist ein Goldbulle, kein Zweifel. Doch er ist einer der letzten seiner Art, und das ist für Anleger eine wichtige Information. Denn nach dem heftigen Rutsch von Goldpreis und Goldaktien könnten die beiden Märkte vor gigantischen Gegenbewegungen stehen. Daran glaubt Hamilton und er hat gute Gründe dafür.

Das Marktsentiment ist so schlecht, dass wichtige Goldindizes auf Mehrjahrestiefs gefallen sind. Der NYSE Arca Gold BUGS Index, kurz HUI, stand zuletzt so tief wie seit 2008 nicht mehr, ähnliche Levels wurden in den Jahren 2003 bis 2005 erreicht. Doch schauen Sie sich einmal die Goldpreise in diesen Zeiten an: 2003 und 2004 pendelte der Preis für die Feinunze bei rund einem Drittel dessen, was heute gezahlt wird. Und am Ende der 2008er-Baisse gab es die Feinunze für knapp 700 Dollar. Es sei grotesk, bei Goldpreisen um 1.200/1.300 Dollar Goldaktien auf den Niveaus dieser Jahre zu bewerten, glaubt Hamilton.

Zwei Dinge hat er als Ursache für den Absturz ausgemacht. Zum einen massive Abflüsse aus Gold-ETFs in Richtung Aktienmarkt. Zum anderen kam immenser Druck über den Terminmarkt, wo sich der Kurssturz irgendwann durch Zwangsliquidationen bei Futures verselbständigt hat. Das hat für eine gigantische Schieflage am Terminmarkt mit übergroßen Short-Engagements gesorgt – Sprengstoff für die weitere Kursentwicklung. Die Marktlage am Gold-Terminmarkt hat etwas von Panik und erinnert an den Crash im Oktober 2008. Nach diesem Crash setzten Goldpreis und Goldaktien zu Haussen an.

Schaut man sich einmal den Abstand des HUI von seinem Kursdurchschnitt der letzten 200 Handelstage an, wird diese Chance mehr als deutlich, auf die Hamilton setzt. Der HUI notiert trotz seiner jüngsten Kurserholung mehr als ein Drittel unter der 200-Tage-Linie, ein alles andere als normal großer Abstand nach unten. Das war selten heftiger, im Crash des Jahres 2008 lassen sich schlimmere Abstände sehen. Diese wurden aber enorm schnell wieder aufgeholt. Eine Entwicklung, die Goldaktien auch diesmal nehmen werden, glaubt Hamilton. Die Kurspotenziale sind stark: Würde das Pendel beim HUI in die andere Richtung ausschlagen und der Preis so stark über der 200-Tage-Linie liegen wie derzeit darunter, so müsste sich der Index verdoppeln – mithin auch die Aktienkurse der Goldkonzerne.

Ein solcher Short-Squeeze kann die Entwicklung dabei stark beschleunigen, zumal Hamilton den Goldsektor fundamental als klar unterbewertet ansieht. Dies lässt sich ebenfalls gut an Vergleichen der aktuellen Bewertung des Goldsektors mit früheren Zahlen erkennen. Schaut man sich zum Beispiel das Verhältnis von HUI zum Goldpreis an, so zeigt sich eine Bewertung, die sehr weit unter den langjährigen Durchschnitten vor den Panikverkäufen im Jahr 2008 liegt. Mehr noch, die HUI-Gold-Ratio liegt sogar unter den schlimmsten Paniklevels des Jahres 2008!

Hamilton sieht dies als absurd niedrig an. Selbst wenn der Goldpreis auf dem aktuellen Niveau verbleibe, erwartet der Goldexperte auf Basis dieses Bewertungsparameters ein Kurspotenzial von 170 Prozent. Goldaktien wären dann erst am Mittel ihrer langjährigen Durchschnittsbewertung vor dem 2008er-Crash angekommen. Und Hamilton bezeichnet die Idee, dass der Goldpreis auf den aktuellen Niveaus verbleibe, als „töricht“. Er rechnet mit steigenden Kursen, was aus dieser Sicht noch mehr Kurspotenzial für Goldaktien bedeuten würde und die aktuelle Unterbewertung der Papiere noch vergrößern würde. Hamiltons Fazit ist damit klar: Diese Anomalien werden nicht von Dauer sein, für Goldaktien werden deutlich steigende Kurse erwartet.