Wer sich über die Zukunft des Silbers Gedanken macht, muss vor allem eine Frage beantworten, wenn es um die Nachfrage in den nächsten Jahren geht. Wie kann die weggebrochene Nachfrage nach dem Edelmetall aus der Fotografie-Industrie durch andere industrielle Anwendungsbereiche ersetzt werden?

Trotz eines immensen Rückgangs kommt rund 6 Prozent der weltweiten Silbernachfrage noch immer aus der Fotoindustrie. Früher war es bedeutend mehr, doch der Siegeszug der digitalen Bilder hat für deutliche Rückgänge beim Silberbedarf in der Fotografie-Industrie gesorgt.

Vor allem zwei Bereiche sind es, die in die Bresche springen. Zum einen ist dies die Photovoltaikindustrie, die sich zu einem wichtigen Konsumenten entwickelt hat. Allen Problemen zum Trotz wird diese Branche langfristig weiter wachsen und damit auch zukünftig beim Silberverbrauch eine Rolle spielen. Zum anderen ist die chemische Industrie zu nennen, wo Silber vor allem als Katalysator für die Produktion von Ethylenoxid genutzt wird. Dabei handelt es sich um ein wichtiges Zwischenprodukt für die Herstellung einer Vielzahl anderer Güter, unter anderem diverse Chemikalien und Kunststoffe wie zum Beispiel PET, Desinfektionsmittel und Frostschutzmittel. Studien gehen davon aus, dass sich die Nachfrage aus diesem Bereich von 2002 an binnen 15 Jahren auf 225 Millionen Unzen Silber mehr als verdoppeln wird.

Ein weiterer Bereich, der sich positiv entwickelt, ist die Nachfrage nach Silber als Investmentmetall. Beim Charakter des Edelmetalls dominiert eigentlich dessen industrielle Nutzung, doch tatsächlich sieht der Markt das Silber als „kleinen Bruder“ des Goldes. Seit 2002 ist der Verkauf von Silbermünzen und -medaillen geradezu explodiert und 2013 geht die Rekordjagd weiter. Hinzu kommen große Bestände von börsengehandelten Silber-ETFs. Immer wieder kommt es zu Befürchtungen, dass aus diesem Bestand Silber an den Markt kommen und die Preise drücken kann. Doch die Abflüsse aus Silber-ETFs waren zuletzt nicht einmal im Ansatz so hoch wie beim Gold, wo es eine regelrechte Flucht gab.

Fallende Silberpreise setzen zudem, anderes als beim Gold, beim Silber mit einer gewissen Zeitverzögerung Prozesse in der Industrie in Gang. Das Metall ist in vielen wirtschaftlichen Bereichen unentbehrlich. Sinkt der Preis, steigt die Nachfrage – das alte Gesetz des Marktes. Mehr noch: Sinkt der Preis, könnte auch das Angebot sinken, vor allem wenn die Notierung der Feinunze unter Schmerzgrenzen fällt. Dann macht es für die Rohstoffkonzerne Sinn, die Produktionskapazitäten zu drosseln. Die Folge hiervon wäre ein sinkendes Angebot. So pendelt sich anschließend der Preis für das Silber wieder auf höhere Regionen ein.

Schaut man nun auf den Silberpreisverlauf seit 2011, wird man einen starken Kurseinbruch sehen. Von 49,82 Dollar ist der Preis auf Ende Juni erreichte 18,21 Dollar abgestürzt, am Montag pendelt die Feinunze nicht weit darüber. Für eine ganze Reihe von Silberförderern ist dies ein Problem, denn sie produzieren nicht mehr kostendeckend, vor allem wenn man über die reinen operativen Produktionskosten je Feinunze hinweg sieht und einen ganzheitlichen Ansatz wählt, also auch Ausgaben für die Exploration oder Investitionen ins Kalkül zieht. Silberproduzenten können das nun in der Hoffnung auf kurzfristig wieder steigende Kurse aussitzen, oder sie können die Förderung reduzieren. Da die Silbernachfrage aus dem Sektor Geldanlage hoch bleibt, wird hier kaum zusätzliches Material auf den Markt kommen. Das könnte eine Basis werden, die für steigende Kurse der Feinunze Silber sorgt.