Viel Negatives wurde im Bezug auf Minenaktien in den vergangenen Monaten berichtet. Die Gesellschaften bauen Stellen ab, verfolgen Projekte nicht mehr weiter und haben durch nicht transparente Bekanntgabe ihrer „Cash-Costs“ verschleiert, dass man zum Teil gar nicht mehr imstande ist mit Gewinn zu produzieren. Gestiegene Kosten und der Markt mit seinen rückläufigen Metallpreisen tragen ihr Übriges dazu bei. Alles zusammen drückt gewaltig auf die Stimmung der Anleger.

Dass es allerdings nicht nur die kleinen Produzenten der Bergbaubranche betrifft, hat der Londoner Redakteur Lawrence Williams anhand einer Recherche bei den Top-Goldproduzenten nachvollzogen.

Am Beispiel Barrick Gold, dem größten aller Goldproduzenten, macht er deutlich, wie sehr sich Investitionskosten, politische Mächte und Managemententscheidungen zu einem düsteren Bild verfinstern. Hat doch das Unternehmen jüngst verlautbart, dass man den Start der hochteuren Pascua Lama Goldmine, hoch in den Anden, auf Mitte 2016 verschoben hat.

Nun, das wäre an sich nicht weiter tragisch. Erschreckend allerdings mutet die Kosteneskalation für die Produktionsstätte an. Waren ursprünglich USD 2 Mrd. dafür angesetzt, so belaufen sich die neulich ermittelten Gesamtinvestitionen bereits auf mehr als USD 8 Mrd. Auch wenn für das 3. Quartal 2013 eine Revision der Kapitalkosten erwartet wird, so wird das Ergebnis wohl dennoch eine eklatante Kostensteigerung ergeben. Und hier sind noch nicht einmal die tatsächlich zu erwartenden Kostenerhöhungen durch Inflation und Preissteigerungen bis zum Jahr 2016 berücksichtigt.

Und wie sieht es mit den anderen Großprojekten von Barrick aus ?

Das Reko Diq Projekt in Pakistan kämpft ebenfalls mit enormen Problemen wie Gerichtsentscheiden, dem Standort im Gebiet von fundamentalistischen Islamisten und den nahen Grenzen zum Iran und zu Afganistan. Es wird für den neuen CEO Jamie Sokalski wahrlich kein Leichtes sein, für dieses Projekt Investoreninteresse zu generieren.

Ebenfalls in den Anden befindet sich Barrick`s Cerro Casale Projekt. Auch dieses wurde vorläufig auf Eis gelegt. Für dieses ultra-low-grade Gold- und Kupferprojekt wurden USD 5 Mrd. an Entwicklungskosten aufgezeigt. Natürlich hat Barrick große Erfahrungen mit low-grade-Projekten wie seine Veladero Mine in Argentinien, aber wenn nicht dementsprechende Kosteneinsparungen gefunden werden können und der Goldpreis in nächster Zeit nicht stark zulegt, so wird man dieses Projekt wohl nicht mehr in diesem Jahrzehnt fertig entwickeln.

All dem gegenüber hat Barrick, mit Ausnahme seines Gold rush Projektes in Nevada, USA, wenig Neues in seiner Pipeline. Und auch das Gold rush Projekt wird erst 2015 zu einer Produktionsentscheidung heranreifen, nachdem bis Ende 2014 eine vorläufige Wirtschaftlichkeitsstudie verfasst werden wird.

Einzig Pueblo Viejo, ein Joint Venture mit Goldcorp in der Dominkanischen Republik, kann dem Unternehmen ein wenig Rückhalt bei den Produktionszielen bieten.

Ungeachtet aller Probleme wird Barrick Gold auch in den kommenden Jahren der weltgrößte Produzent mit seinen für das Jahr 2013 erwarteten 7,0 Mio. bis 7,4 Mio. Unzen Gold bleiben.

Und bei anderen Goldproduzenten?

Newmont, zum Beispiel, durchlebt eine schwierige Phase, um sein USD 5 Mrd. teures Conga Goldprojekt in Peru überhaupt an den Start bringen zu können.

Kinross ist mit seiner Tasiast Mine bei der Produktion in enorme technische Probleme geschlittert und hat riesige Abschreibungen vornehmen müssen.

Freeport McMoran, zur Zeit zwar nicht unter den Top 10, aber dennoch zu den Großen zählend, vermeldet enorme Probleme bei seiner Grasberg Mine in Indonesien. Und diese ist immerhin die größte Gold produzierende Mine der Welt.

Was zu all den genannten Problemen bei den Topproduzenten noch hinzukommt, ist die Tatsache, dass deren all-in-Kosten bestenfalls knapp unter dem aktuellen Goldpreis liegen. Das bedeutet natürlich auch, dass sehr viele kleinere Produzenten mit ihren Produktionen tief im roten kaufmännischen Bereich liegen. Was dazu führen wird dass sie entweder die Produktion zurückfahren, oder überhaupt einstellen werden müssen, bis sich der Goldpreis wieder dementsprechend über den Gesamtkosten befindet. Nur zum Vergleich: Goldcorp, die von sich behaupten, der Produzent mit den niedrigsten Gesamtkosten zu sein, berichtet von all-in-Kosten im Bereich von USD 1.000,- bis USD 1.100,- je Unze. Das zeigt aber auch auf, wie unrentabel aktuell viele Goldproduzenten sind, die nicht zu so günstigen Kosten wie Goldcorp produzieren können. Goldcorp ist aber auch das einzige Unternehmen, das bislang von massiven Abschreibungen verschont blieb.

Zum Unterschied von Newcrest in Australien und Goldfields, die 2013 bereits große Abschreibungen vornehmen mussten.

Auch Barrick hat verlautbart, von seinem Pasqua Lama Projekt an die USD 5 Mrd. abschreiben zu wollen.

Lawrence Williams vermutet, dass diesen Abschreibungen bei den Großproduzenten noch weitere im Jahr 2013 folgen werden.

Zusammengefasst, ist es tatsächlich ein Albtraum für die Topproduzenten, wenn durch massive Abschreibungen deren Betriebsergebnisse ins Minus schlittern. Und wenn schon die Großen, die auf wesentlich besseren Kapitalfundamenten ruhen, bereits einen Albtraum erleiden, was geschieht dann bei den mid-tier-Produzenten oder den Juniorproduzenten? Bei denen könnte sich ein Blutbad abzeichnen.

Nick Holland, der CEO von Gold Fields, erklärte in einer Rede, dass die Branche zumindest einen Goldpreis von USD 1.500,- benötigt, um überlebensfähig bleiben zu können.

Aber das Ganze hat auch einen für die Zukunft positiven Aspekt. Wenn viele neue Minen nicht eröffnet werden, alte Minen auslaufen, wenig neue Projekte entwickelt werden können, dann wird zwangsläufig die Gesamtproduktion einbrechen. Dies hat zur Folge, dass der Goldpreis massiv ansteigen wird und die Produktionen werden wieder hochfahren. Lawrence Williams sieht dies als einen natürlichen Zyklus im Bergbau, von dem auch Gold nicht verschont bleibt.