Das Jahr 2016 war wieder einmal kein ganz leichtes für Rohstoff-Anleger. Jedoch zeigte es in den letzten Monaten sein versöhnliches Gesicht und die Preise für Edelmetalle, Industriemetalle und Energierohstoffe konnten sich mit einer Rally vom vergangenen Jahr verabschieden. Was erwartet uns nun für das Jahr 2017?

Edelmetalle

Die Edelmetalle gehören 2017 zu den Rohstoffen, denen wir eine positive Überraschung bei der Preisentwicklung zutrauen. Auch wenn die Bäume für Gold, Silber, Platin oder Palladium nicht in den Himmel wachsen dürften, so haben diese Rohstoffe nach dem jüngsten Preisanstieg im November 2016 inzwischen wieder ein Preisniveau erreicht, welches uns als attraktiv erscheint. Neben einer stabilen Nachfrage aus der Industrie, beispielsweise für Platin oder Palladium zur Verwendung in Katalysatoren oder bei Gold und Silber in der Elektroindustrie, scheinen insbesondere die weltweit steigenden Förderkosten und ein bei weiter fallenden Preisen sinkendes Angebot die Preise für Edelmetalle nach unten hin abzusichern. Auch wenn durch die jüngsten Zinserhöhungen in den USA und einem Anstieg der Inflation in der Eurozone festverzinsliche Wertpapiere wieder an Anreiz gewinnen, ist das Zinsniveau doch weiterhin historisch niedrig. Auch wenn Edelmetalle keine Zinsen zahlen, so sind sie als Mittel zur Wertaufbewahrung auch 2017 eine interessante Anlageklasse. Dürften die Zinsen in Europa, Nordamerika oder Japan doch weiterhin kaum dazu ausreichen, die Inflation auszugleichen und somit zu einem realen Wertverlust von Sparguthaben führen. Auch die angekündigten Konjunkturprogramme in den USA und China könnten die Inflation weiter beflügeln und somit den Edelmetallen in die Karten spielen.

Meine persönlichen Favoriten bei den Edelmetallen sind Platin und Palladium, da sich hier die Preise in der Vergangenheit schlechter als bei Gold und Silber entwickelt haben und ich hier noch einen größeren Aufholbedarf sehe. Den Goldpreis sehe ich auf Jahressicht bei etwa 1300 – 1350 USD/Unze, während der Silberpreis etwa den Bereich zwischen 18 – 19 USD/Unze erreichen dürfte.

Basis -und Industriemetalle

Bei den Basis -und Industriemetallen Aluminium, Kupfer, Nickel, Zink und Zinn zeigte sich in den letzten Wochen ein positives Bild und es gab quer über alle Metalle entsprechende Kurssteigerungen. Für den Jahresverlauf 2017 sind wir hier jedoch etwas vorsichtiger und raten zu einer differenzierten Sichtweise.

Weiterhin sehr positiv sehen wir die Preisentwicklung beim Zink. Aufgrund eines Angebotsdefizits, welches aus unserer Sicht kurzfristig nicht behoben werden kann, ist hier weiterhin mit steigenden Notierungen zu rechnen. Auch wenn die positive Preisentwicklung beim Zink im Jahr 206 zu einer Steigerung der Explorationsaktivität geführt hat und hier auch einige bemerkenswerte Bohrergebnisse zu vermelden waren, so wird es unserer Einschätzung nach noch eine längere Zeit andauern, bis der Zinkmarkt wieder ins Gleichgewicht gekommen ist und ein stabiles Preisniveau gefunden hat. Bis dahin gehen wir davon aus, dass die Notierungen beim Zink durchaus noch einmal ca. 20% zulegen werden und in den Bereich von 3500 USD/t steigen.

Nickel konnte beim jüngsten Preisanstieg der Industriemetalle nur unterproportional partizipieren. Nachdem im Dezember 2016 ein Hoch bei etwa 11.500 USD/t erreicht wurde, hat der Nickelpreis schon wieder um 1000 USD/t abgegeben und notiert aktuell bei etwa 10.500 USD/t. Aktuell sind die Lager für Nickel gut gefüllt, und Angebot und Nachfrage scheinen im Wesentlichen in Gleichklang zu sein. Daher gehen wir davon aus, dass sich er Nickelpreis im Jahr 2017 im Wesentlichen seitwärts bewegen wird. Nickelpreise wie im Jahr 2007, als der Kurs kurzfristig die Marke von 50.000 USD/t überschritten hat, scheinen auch auf mittlere Zukunft nicht in Sicht.

Aluminium gehört 2017 nicht zu unseren Favoriten, auch wenn der Rohstoff im letzten Jahr eine sehr solide Preisentwicklung hingelegt hat und uns damit positiv überrascht hat. Was für Aluminium spricht, ist die Tatsache, dass die Überkapazitäten bei den Aluminiumhütten im Wesentlichen vom Markt verschwunden sind und der Preis somit nach unten abgesichert scheint. Jedoch ist Aluminium mit 1815 USD/t nicht mehr so günstig, als dass wir weiterhin viel Luft nach oben sehen. Nach unserer Einschätzung wird der Preis von Aluminium sich im Jahr 2017 in einer Bandbreite von 1700 – 1900 USD bewegen.

Kupfer gilt gemein hin als das Industriemetall, welches am stärksten mit der globalen konjunkturellen Entwicklung korreliert. Nachdem Kupfer in den letzten drei Monaten eine sensationelle Rally hingelegt hat und mehr als 25% Preisanstieg verzeichnen konnten, deckt sich dies nicht mit der konjunkturellen Erwartung an das Jahr 2017. Denn neben einigen durchaus positiven wirtschaftlichen Meldungen scheint der jüngste Anstieg beim Kupfer durchaus zu einem nicht unerheblichen Teil von Spekulanten getrieben. Während in den ersten neun Monaten des Jahres 2016 die Short-Positionen an den Warenterminbörsen beim Kupfer stets höher als die Long-Positionen lagen, so hat sich das Bild in den letzten drei Monaten drastisch gewandelt. Doch nicht nur die Tatsache, dass es nun eine Netto-Long-Position am Warenterminmarkt gibt, sondern auch die Höhe dieser Position hat uns eher vorsichtig werden lassen. Zudem stehen zahlreiche Kupferprojekte vor Kapazitätserweiterungen, welche im Laufe des Jahres 2017 dazu führen dürften, dass der Kupferpreis wieder etwas zurückkommt. Kurzfristig sind jedoch auch noch weitere Kursansteige denkbar, denn niemand weiß, wann der Markt von seinen spekulationsgetriebenen Anstiegen wieder auf eine fundamental begründete Situation zurückkehrt. Unser Kursziel für Kupfer zum Jahresende 2017 liegt bei 5300 USD/t und daher deutlich unter den aktuellen Notierungen.

Ein Ausblick für Zinn fällt uns aktuell sehr schwer. Zinn hat im vergangenen Jahr positiv überrascht und mit einer Performance von plus 60% die meistens Industriemetalle (mit Ausnahme von Zink, welches sich sogar 80% verteuert hat) outperformt. Dabei zeigte sich nach einem starken Preisanstieg in den ersten zehn Monaten des Jahres 2016 zuletzt eine Seitwärtsbewegung, welche zunächst gegen einen weiteren Anstieg des Zinnpreises spricht. Zinn wird beispielsweise als Lot-Material in der Elektroindustrie oder zum Korrosionsschutz von Konservendosen verwendet. Informationen zu Angebot und Nachfrageentwicklung auf dem Zinnmarkt sind vergleichsweise schwierig zu erhalten, sodass uns ein seriöser Ausblick für 2017 schwerfällt und wir hierzu keine Prognose zur Preisentwicklung abgeben werden.

Energierohstoffe

Bei den Energierohstoffen Erdöl, Erdgas, Kohle, Uran und Lithium sehen wir für 2017 ebenfalls ein uneinheitliches Bild.

Erdöl wird auch gerne als das Schmiermittel der Weltwirtschaft bezeichnet. Nachdem wir uns noch vor wenigen Jahren Gedanken gemacht haben, ob (zu) hohe Ölpreise von 120 USD/Barrel und mehr unser Wirtschaftswachstum abwürgen, so hat sich in der jüngsten Vergangenheit gezeigt, dass auch (zu) niedrige Ölpreise durchaus schädliche Folgen für die Wirtschaft haben können. Nach Beendigung des Handelsembargos gegen den Iran und unter dem Druck der erdölexportierenden Staaten wie Saudi-Arabien und Venezuela hat sich die globale Fördermenge nun scheinbar auf einem Niveau eingependelt, welches für alle Seiten (teils auch mit empfindlichen „Schmerzen“, d.h. Einschränkungen) akzeptabel ist. Dieses neue Niveau scheint bei etwa 55 USD/Barrel zu liegen. Auch wenn der Hype um Elektrofahrzeuge bereits groß ist, so bleibt Erdöl auch in den nächsten Jahren der dominante Rohstoff, wenn es um die Mobilität auf unserem Planeten geht. Der niedrige Ölpreis in den vergangenen Jahren hat dazu geführt, dass die globale Nachfrage nach Erdöl gestiegen ist. Der Markt für Erdöl dürfte sich daher in diesem Jahr im Wesentlichen im Gleichgewicht befinden, sodass ein erneuter (dauerhafter) Verfall des Ölpreises ebenso unwahrscheinlich ist wie ein (dauerhafter) Anstieg auf ein Niveau von mehr als 80 USD/Barrel. Aufgrund der zahlreichen politischen Konflikte und Spannungen dürfte es jedoch bei einer im Wesentlichen seitwärts verlaufenden Preisentwicklung weiterhin sehr volatil am Ölmarkt zugehen. Der Preis für Erdgas dürfte sich im Wesentlichen parallel zum Ölpreis entwickeln, wobei wir hier eine noch höhere Volatilität als beim Erdöl erwarten.

Steinkohle ist sowohl als Energieträger in der Kraftwerksindustrie als auch bei der Stahlherstellung unverzichtbar. Jedoch liegen mehr als 50% der globalen Steinkohleförderung als auch des globalen Steinkohleverbrauchs in China, was eine starke Abhängigkeit der Preisentwicklung in Abhängigkeit der konjunkturellen Entwicklung im Land der Mitte nahelegt. Tatsächlich scheint der Appetit Chinas nach Stahl und Kohle erstmal nicht weiter zu steigen, sodass auch bei der Steinkohle zunächst einmal kein weiterer Preisanstieg zu erwarten ist. Zudem dürfte China aufgrund der massiven Luftverschmutzung in seinen Städten dazu gezwungen sein, den Anteil von Kohlestrom im Energiemix zurückzufahren und zunehmend auf erneuerbare Energien und Atomstrom zu setzen.

Uran ist einer unserer Favoriten für das Jahr 2017. Nach der Reaktorkatastrophe von Fukushima zunächst als „Auslaufmodell“ gehandelt und mit Missachtung gestraft, erlebt Uran als Energieträger ein Comeback. Auch wenn die Anlagen zur Energiegewinnung aus erneuerbaren Energien weltweit ausgebaut werden, so scheinen die Tage von konventionellen Großkraftwerken, in den Kohle, Erdöl oder Gas verfeuert wird, noch lange nicht vorbei. Atomstrom spielt hier für viele Länder eine zentrale Rolle im Energiemix. Da Atomkraftwerke nur sehr langsam hochgefahren werden können, sind sie bevorzugt zur Abdeckung von Grundlasten im Einsatz, während andere Kraftwerkstypen wie Gaskraftwerke sehr schnell zur Verfügung stehen und insbesondere zur Abdeckung von Spitzenlasten eingesetzt werden können. Weltweit werden aktuell mehr neue Atomkraftwerke geplant und gebaut, als das alte Atomkraftwerke vom Netz genommen werden. Der Bedarf an Uran als Energieträger steigt kontinuierlich weiter, während das Angebot nicht in gleichem Umfang mit der Nachfragesteigerung schritthalten kann. Die zunehmende Diskussion um Feinstaub und sonstige Luftverschmutzung dürfte der Atomindustrie zusätzlich in die Karten spielen, sodass wir sowohl kurzfristig als auch langfristig sehr positiv für die Preisentwicklung von Uran eingestellt sind.

Lithium

Lithium ist als Material für Lithium-Ionen-Akkus ein Rohstoff, dessen Bedarf in den nächsten Jahren weiter rasant steigen wird. Neben Lithium-Ionen-Batterien in Mobiltelefonen, Laptops oder Tablets haben sich Lithium-Ionen-Batterien als die bevorzugte Energiequelle für die Elektromobilität durchgesetzt. Spätestens wenn die ersten Volumenmodelle 2018 auf den Markt kommen und Elektrofahrzeuge nicht mehr nur in homöopathischen Stückzahlen verkauft werden, dürfte die Nachfrage nach Lithium schnell das verfügbare Angebot übersteigen. Da Lithium nicht wie beispielsweise Öl an Warenterminbörsen gehandelt wird, ist ein Direktinvest in Lithium bzw. ein direkter Handel des Rohstoffs schwierig bis unmöglich. Die Aktenkurse der Lithiumexplorer und -produzenten haben sich im vergangenen Jahr jedoch schon sehr gut entwickelt, sodass hier teilweise sehr ambitionierte Notierungen erreicht wurden, denen teilweise erst noch entsprechende Taten folgen müssen, um dieses Kursniveau zu rechtfertigen. Für Lithium möchten wir daher keine generelle Empfehlung aussprechen, es lohnt sich jedoch eine differenzierte Betrachtungsweise der vielen Explorer und Produzenten, da hier sicherlich nicht alle ihre (ambitionierten) Ziele erreichen werden.