Man muss tatsächlich das Wort Rätselraten verwenden, denn 100%ige Sicherheit bei allen Angaben gibt es bei China ebenso wenig wie eindeutige Nachweise. Bei China ist es nicht viel anders als bei den USA und deren nach wie vor die kolportierten 8.133 Tonnen Gold. Interessant bei den USA – wenn wir diese schon nennen – alleine deshalb, da sich dieser Wert angeblich in den letzten rd. 30 (!!) Jahren nicht verändert haben soll, denn die letzte offizielle Bekanntgabe stammt aus den 80er Jahren.

Zurück zu China, über dessen tatsächlichen Goldbesitz in letzter Zeit so manche theoretische Hochrechnung gemacht wurde. Denn an die von der offiziellen Statistik bekannt gegebenen 1.778,5 Tonnen will man nicht so recht glauben. Zuviel Gold flösse bekanntlich seit Jahren in das Reich der Mitte als dass da nicht bereits mehr von staatlicher Seite gebunkert worden wäre. Nun hat sich in einem Interview der internationale Goldhändler und Besitzer einer privaten Schweizer Goldraffinerie, der nicht namentlich genannt werden wollte, zu diesem Thema geäußert und ein paar sachliche Facetten eingebracht, die nicht gänzlich von der Hand zu weisen sind. Dazu muss allerdings erwähnt werden, dass dieser Experte, dessen Raffinerie selbst im 3-Schicht-Betrieb wöchentlich an die 20 Tonnen Gold verarbeitet, eben von einer Chinareise zurückkam, wo er neben Goldminen auch chinesische Raffinerien besuchte und mit deren Bossen sprach. Und, was für seine Aussagen und Annahmen spricht, er durch seine „Gleichrangigkeit“ mehr Vertrauen bei denen genoss und daher ein wenig mehr Internes über China und seine Goldaktivitäten erfahren durfte als all die anderen Besucher.

Wie gesagt, seine Raffinerie, an der „Schweizer Goldküste“ gelegen, ist ausgelastet wie noch selten. Er verarbeitet Bruchgold mit Reinheiten zwischen 60% und 90% (überwiegend aus Malaysia, Indonesien und Thailand) und Barrengold von internationaler Standardreinheit (LBMA) von 99% in 99,99%iges Gold zu 1-kg-Grössen, dem neuen chinesischen Wunschstandard. In all den Jahren zuvor hatte er noch nie Schwierigkeiten gehabt genügend Gold für seine Auftraggeber zu bekommen. Heutzutage hat er aufgrund der hohen Nachfrage teilweise schon massive Probleme genügend Nachschub zu bekommen. Dabei könnte er durch die extreme Nachfrage noch weit mehr verkaufen. Von seiner Produktion gehen rd. 50% nach China, die restlichen 50% verteilen sich auf langjährige Schweizer und internationale Kunden. In all den Jahren hat er nur ganz vereinzelt Gold aus China erhalten, was für ihn ein klares Signal sei dass kein Gold aus China raus geht und alles im Land verbleibt. Denn durch den Stempel der jeweiligen Raffinerie sei leicht zu orten, wo das Gold herkäme.

In China, so führte er weiter aus, ist in den letzten Jahren ein Netzwerk an inländischen Raffinerien entstanden, die allesamt besten internationalen Standards entsprechen und effizient wie die Topraffinerien der Welt arbeiten. Einige davon hat er auch besuchen können, mehr wurden ihm von den restriktiven Behörden verweigert. Diese Raffinerien seien, entgegen internationalen Raffinerien, ausschließlich für die Aufbereitung des Edelmetalls aus der inländischen Minenproduktion und Bruchgoldaufkommen zuständig. Nun schließt er aus all den gemachten Erfahrungen auf den wahrscheinlich vorhandenen Goldbesitz Chinas. Wie überall, so auch in China, gehen rd. 70% des auf den Markt kommenden Goldes in die Schmuckbranche und Industrie. 30% verbleiben, da ja keine Exporte erkennbar sind, somit in chinesischem Besitz. Geht man nun von der statistisch bekannten Größe der Produktion von inländischen Minen in Höhe von rd. 450 Tonnen jährlich aus und addiert die seit rd. 7 Jahren gleichbleibende Importmenge von zumindest rd. 1.450 Tonnen, so stehen insgesamt jährlich ca. 1.850 Tonnen zur Disposition. Zieht man davon die für Schmuck und Industrie geltenden 70% ab, so verbleiben rd. 550 Tonnen jährlich, die im Staatstresor verschwinden.

Rechnet man nun weiter und nimmt an, dass China im Jahr 2009 landesweit nur (!!) 3.000 Tonnen besessen hat, so wären in den letzten 7 Jahren rd. 13.000 Tonnen hinzugekommen. Damit würde China mit insgesamt 16.000 Tonnen fast mit Indien gleichziehen. Legt man allerdings die dem Staat verbleibenden 30% auf gleicher Rechenbasis um, so würde dies bedeuten, dass China in etwa 4.800 Tonnen Gold in den Staatstresoren lagern hat, und nicht, wie behauptet nur 1.778 Tonnen. Für China ist es leicht, die 1.778 Tonnen darzustellen, denn das restliche Gold ist „außerhalb der Bücher“ im Bereich der staatlichen Verwaltung von Fremdbörsen gelagert und so nicht als Goldbesitz deklariert.

Apropos Goldbesitz. Zum Unterschied von internationalen Gepflogenheiten, so wurde ihm berichtet, sei das Edelmetall in China weder durch Belehnung noch durch Leasinggeschäfte oder andere Papiergoldgeschäfte belegt und somit unbelastet und jederzeit frei verfügbar. Darüber hinaus besteht in China der nicht unbedeutende Wunsch bis ins Jahr 2021 im Goldbesitz zu den USA aufgeschlossen zu haben. Das würde bedeuten, dass das Land der Mitte in den kommenden 5 Jahren weitere zumindest 3.200 Tonnen erwerben und einlagern muss. Damit wird aber auch offensichtlich, dass der Hunger nach Goldbesitz zumindest aus China noch länger nicht am abebben sein wird. Legt man dies nun um auf die zu erwartenden Reduktionen von der Produktionsseite (Nachzieheffekt des geringen Goldpreises bei der Entwicklung neuer Produktionen, geringer werdende Goldgehalte), so muss sich das zwangsläufig, so die Meinung des Interviewpartners, mittel- bis langfristig auf den Goldpreis auswirken.

Auch wenn dieses Interview ebenso wenig durch nachvollziehbare Beweise belegbar ist, so scheinen die gegebenen Informationen durchaus glaubhaft näher an der Wahrheit dran zu sein als viele andere aufgestellte Theorien über den tatsächlichen Goldbesitz Chinas.