Viel wird darüber diskutiert, ob bei heutigem oder eventuell noch niedrigerem Goldpreis die Produzenten überhaupt Chancen haben um zu überleben. Sehr oft hört man, dass bei Goldpreisen um oder unter $ 1.000,- je Unze viele Minen nur mehr mit Verlust produzieren oder im schlimmsten Falle sogar zusperren müssen. Um darüber ein wenig Klarheit zu bekommen, was an diesen Behauptungen wahr ist oder nicht, sind wir der Sache auf den Grund gegangen.

Fest steht jedenfalls, dass die meisten Unternehmen seit dem Jahr 2013 ihre Hausaufgaben gemacht haben, um die Kostenseite in den Griff zu bekommen. Mit den vor 2-3 Jahren noch existenten Gesamtkosten wären heute sicherlich schon etliche Unternehmen vom Kurszettel verschwunden. Kosten die auf all-in-Basis $ 1.200,- je Unze und oft mehr betrugen, findet man jedoch heute zum Glück nicht mehr. Und so gut wie alle Produzenten haben die Wende geschafft, ihre tatsächlichen Gesamtkosten auszuweisen und nicht mehr die irreführenden reinen cash costs, die ja tatsächlich nur einen Teil der wirklichen Kosten abbildeten und ein geschöntes Bild vorgaukelten. Daher soll die angeführte Kostenübersicht der größten Betriebe dazu dienen, das Bild wieder ein wenig zurecht zu rücken und Verunsicherung aus dem Markt zu nehmen.

Ergänzend zu der unten angeführten Kostenübersicht der Unternehmen darf nicht unerwähnt bleiben, dass sich die Darstellungen auf das laufende Jahr 2015 beziehen. Künftige und zu erwartende Kostensteigerungen bei Energie- und Lohnkosten sind in keiner Vorschau dargestellt. Um vergleichbar zu bleiben, wurden bei den australischen Unternehmen die AISC (all-in-sustaining-costs) auf US-Dollar umgerechnet. Der dafür gewertete Wechselkurs vom 14.8.2015 beträgt: AUD 1 zu USD 0,74. Alle ausgewiesenen Beträge beziehen sich daher auf Kosten in US-Dollar je produzierter Unze und alle Werte stammen aus den von den Unternehmen veröffentlichten Berichten des ersten Halbjahres 2015.

Major Gold

Betrachtet man nun die AISC der einzelnen Unternehmen, so erkennt man, dass die Branche wesentlich besser aufgestellt ist, als man meinen möchte. Natürlich sind diejenigen Betriebe, die AISC von über $ 1.000 je Unze ausweisen am Rande der Profitabilität, solange sich der Goldpreis nicht wesentlich erholt. Doch den meisten anderen würden auch weiter fallende Goldpreise noch nicht wirklich schaden. Bei Goldpreisen von $ 900 je Unze würde die Branche noch nicht einbrechen.

Die früher oft angeführten cash costs liegen bei all diesen Unternehmen rd. 30% bis 40% unter den AISC und natürlich in einem attraktiven Verhältnis zum Goldpreis. Nur entsprachen sie eben nicht der ganzen Wahrheit. Obwohl, so ganz falsch sind die cash costs auch nicht, denn sie bilden das worst case Szenario für das Unternehmen, also die Kosten, zu denen das Unternehmen noch etliche Quartale überleben kann, denn zum Beispiel Aufwendungen wie Schließungskosten der Mine und der Infrastruktur am Ende der Minenlaufzeit, die ja in den AISC enthalten sind, haben kurzfristig keine direkte Bewandtnis zur Wirtschaftlichkeit der Produktion und belasten daher auch nicht die laufenden Jahresergebnisse.

Nicht verhehlen wollen wir allerdings, dass die oben angeführten Unternehmen zu den Großbetrieben zählen, die durch ihre zumeist mehreren Produktionsstätten sehr gutes Cashmanagement aufweisen, aber auch flexibler agieren können. Deutlich gefährlicher kann die Kostenseite für kleinere und mittlere Betriebe sein, die nur über eine Produktionsstätte verfügen und daneben noch unter Umständen teure Untergrundminen mit geringen Erzgraden betreiben. Für diese Betriebe können länger anhaltende niedrige Goldkurse tatsächlich existenzgefährdend sein. So traurig es klingen mag, diese Unternehmen werden vom Markt wegrationalisiert und ihre Projekte werden von größeren Betrieben zu überwiegend extrem günstigen Preisen übernommen werden. Ein Trend, den man bereits seit geraumer Zeit feststellen kann und der noch lange nicht abgeschlossen ist. Man nehme zum Beispiel die Unternehmensentwicklung der beiden australischen Goldproduzenten Northern Star Resources und Metals X her. Binnen 2 Jahren wurden aus gut florierenden kleineren Betrieben schlagstarke Großbetriebe mit durch Übernahmen vervielfachten Produktionsstätten.

Neben allen anderen Medienberichten darf man sich von den vielen Analystenmeinungen, die auch jetzt noch vorherrschen, nicht verunsichern lassen, die weismachen wollen, dass die Branche zum Sterben verurteilt sei, nur weil es ihnen schwer fällt ihre früher getroffenen Aussagen zu revidieren. Und tatsächlich haben viele vor geraumer Zeit bei Goldkursen um die $ 1.000 je Unze den Tod der Goldminen prophezeit.

Dass derzeit die Gold produzierenden Großbetriebe in einer angespannten Situation gegenüber ihren Aktionären stehen ist korrekt. Zu viele Abschreibungen von unwirtschaftlichen Projekten haben eine große Anzahl von Investoren verunsichert, ja sogar vertrieben. Die Beträge, die abgeschrieben wurden und die durch die Medien liefen, waren auch beträchtlich. Und viele haben mit enormen Schuldenbergen zu kämpfen, wo natürlich die Rückführung bei schmaleren Produktionsmargen ein Risiko darstellt.

Nehmen wir einmal aus der Reihe der oben angeführten Betriebe einige heraus und stellen die Erlöse bei heutigen Goldpreisen in Relation zu den AISC. Dann wird man bei Betrachtung der zumeist extrem gefallenen Kurse und des Gewinns je Aktie leicht feststellen können, dass in den Goldminenaktien enormes Potential steckt.

Durch die gewonnenen Erkenntnisse, dass es der Branche nicht so schlecht geht, wie die Medien und viele Analysten vermelden, kann man als Investor durchaus darauf bauen, dass bei sich erholender Marktsituation speziell bei Goldbetrieben attraktive Gewinne und stark steigende Aktienkurse abzeichnen können.

Wir vertreten die Ansicht dass die Goldproduzenten durch ihre Einsparungsmaßnahmen auf der Kostenseite, die geänderten Managementtrends und daraus neu ausgerichtete Unternehmensentwicklung den Stresstest durchaus bestanden haben und, solange die Goldpreise nicht wesentlich einbrechen, eine gesicherte Zukunft besitzen.