Seit Monaten ist der Preis für Rohöl auf dem absteigenden Ast. Die 100 Dollar Marke je Barrel wurde längst unterschritten. Inzwischen kostet Brentöl um die 83 Dollar, für US-Öl zahlt man um die 75 Dollar je Barrel. Die Verbraucher in Europa und USA freuen sich über die günstigen Preise für Heizöl und Benzin, die Ölproduzenten schütteln den Kopf. Einige fangen auch schon an zu rechnen, wie lange sie das Preistief durchhalten.

Dabei muss man unterscheiden, ob die Ölförderung auf konventionelle Weise abläuft, via Fracking erfolgt oder ob das Öl aus Schiefersand stammt, wie es vor allem in Teilen von Kanada üblich ist. Die konventionellen Ölproduzenten haben dabei die wenigsten Probleme, ihre Förderungen sind auf der Kostenseite meist robust aufgestellt.

Breakeven bei Fracking-Projekten in Gefahr

Bei den Gesellschaften, die auf Fracking setzen, hört man hingegen ein leichtes Stöhnen. Denn viele Projekte lohnen sich erst, wenn der Ölpreis bei mindestens 90 Dollar liegt. Es kommt jedoch darauf an, in welchem Gebiet das Ölfeld liegt und wie lange schon produziert wird. Einige Regionen, wie Tuscaloosa in Louisiana, benötigen einen Preis von 92 Dollar je Barrel, um auf Breakeven-Basis arbeiten zu können. Andere Gebiete, wie der Süden von Texas, haben andere Voraussetzungen und können damit auch zu niedrigeren Preisen kostendeckend arbeiten.

Ein wichtiger Punkt ist zudem die Erfahrung. Gut zu sehen ist dies an der Bakken-Formation in North Dakota. Dort wurden vor zwei Jahren täglich rund 300 Barrel Öl gefördert. Inzwischen hat man ein wenig an der Technik gearbeitet, versteht das Areal besser und kann deutlich mehr Öl aus dem Boden holen. 530 Barrel am Tag sind es momentan. Dies drückt naturgemäß die Kosten deutlich nach unten. Medien berichten, dass hier sogar Ölpreise von 60 Dollar je Barrel noch keine Probleme bereiten werden. Davon ist man in der aktuellen Lage aber noch weit entfernt.

Saudi-Arabien als Zünglein an der Waage

Es sind aber nicht nur die Amerikaner, die den Ölpreis genau beobachten. Auch die Ölförderer in Saudi-Arabien sind mit der Entwicklung nicht ganz glücklich. Dort werden für den Breakeven zwischen 83 Dollar und 93 Dollar je Barrel benötigt. Somit arbeiten viele saudische Quellen derzeit mit Verlust. Doch das Land sitzt auf riesigen Devisenvorräten. Man kann demnach die derzeitige Krise locker aussitzen, ohne sich groß anzustrengen. Ob das Königreich dennoch Maßnahmen vorschlagen wird, wird sich am Monatsende zeigen. Am 27. November gibt es das nächste OPEC-Treffen in Wien. Dort könnte die Fördermenge der OPEC-Staaten zur Diskussion stehen.

Statistiker zählen die Zahl der Bohrtürme

Die Entscheidung in der österreichischen Hauptstadt kann Auswirkungen auf die Zukunft amerikanischer Ölförderer haben – sowie deren Zulieferer. Bleibt der Preis für Öl auf dem aktuellen Niveau, wird die eine oder andere Investition überdacht werden müssen, wird die eine oder andere Produktion beendet werden, könnte das eine oder andere Unternehmen pleite gehen. Aktuell melden die Statistiker in den USA noch Rekordwerte bei den Ölfördertürmen. Mehr als 1.500 Türme sind landesweit im Einsatz, das ist nahe an den Rekordwerten der Branche. Doch seit einigen Wochen stellen mehr und mehr Anlagen ihren Dienst ein. Der Trend setzt sich seit rund sechs Wochen fort, ein Ende ist aktuell nicht abzusehen.

Auch die Zulieferer leiden unter dieser Entwicklung, vor allem deren Börsenkurse. Diese haben in den vergangenen Wochen teils um 30 oder 40 Prozent nachgegeben, dabei ist die Stimmung bei den meisten Gesellschaften unverändert gut. Die Auftragsbücher sind voll, teils ist man für 2015 schon fast ausverkauft. Langfristige Verträge sorgen dafür, dass man gut ausgelastet bleibt.

Branche bleibt noch gelassen

Vom Sandproduzenten Hi-Crush (NYSE: HCLP; WKN: A1J2SL; ISIN: US4283371098) hört man, dass es noch nicht einmal Diskussionen mit Auftraggebern über eine möglicherweise kritische Lage gegeben hat. Andere Zulieferer haben ähnliche Erfahrungen gemacht. U.S. Silica Holdings (NYSE: SLCA: WKN: A1JS16; ISIN: US90346E1038) hat im dritten Quartal den Umsatz verdoppelt, die Aussichten werden als gut angesehen. Auch hier hat kein Kunde bisher irgendwelche Bedenken hinsichtlich der künftigen Entwicklung angebracht. Einen anderen Ansatz fährt man bei United Guar. Der texanische Zulieferer will seine Kapazitäten in den kommenden 18 Monaten sogar verdreifachen. Hier rechnet man mit steigenden Ölpreisen und will für einen neuen Boom gerüstet sein.

Analysten bewerten die Haltung der Branche jedoch mit einem gewissen Opportunismus. Während der Markt, wie die fallenden Kurse zeigen, bereits einen Abwärtstrend für 2015 aufgrund der niedrigeren Ölpreise eingepreist hat, glauben viele Companies an den Rebound. Das Momentum in der Fracking-Branche scheint so stark zu sein, dass es tatsächlich entsprechend positive Auswirkungen auf 2015 geben kann.

Konventionelle Produzenten als Sieger

Sollten die Ölpreise aber weiter sinken, könnte es mit dem Optimismus rasch vorbei sein, fürchten Marktbeobachter. Daher wird die Anzahl der in Betrieb befindlichen Öltürme mit Argusaugen beobachtet. Ein weiteres Absinken der Ölpreise würde viele Produzenten und Zulieferer hart treffen, die Spreu würde sich vom Weizen trennen. Unternehmen, die im Bereich Fracking in teuren und komplizierten Lagen agieren, könnten zu Opfern werden. Andere Gesellschaften, die auf konventionelle Varianten setzen, könnten zu den Siegern zählen. Dazu zählen die bekannten Großen der Branche aber auch kleine Companies wie Hemisphere Energy (TSX-V: HME; WKN: A0RM3S; ISIN: CA4236301020), über die wir an anderer Stelle bereits berichtet haben.