Schaut man sich einmal die Platinpreis an, so könnte man kaum glauben, dass in Südafrika gestreikt wird. Das Land ist mit Abstand der wichtigste Platinproduzent weltweit und beim „Schwestermetall“ Palladium befindet man sich ebenfalls in der Spitzengruppe. Die ausführlichen Streiks haben Zahlen der Commerzbank zufolge bisher zu Produktionsausfällen von 0,7 Millionen Unzen Platin und etwa 0,35 Millionen Unzen Palladium geführt.

Den Kursen der beiden Rohstoffe, die vor allem im Autobau und hier in Katalysatoren zum Einsatz kommen, merkt man dies nicht unbedingt an. Das gilt vor allem für Platin: Der Future für die Feinunze pendelt im laufenden Jahr müde zwischen 1.361 Dollar und 1.489 Dollar. Zuletzt zeigte sich im Chart der Platinunze bei 1.387/1.394 Dollar eine stärkere Unterstützung, von der der Platinpreis nach oben abgeprallt ist. Am Dienstag pendelt der Platinpreis bisher zwischen 1.405 Dollar und 1.417 Dollar. Palladium verzeichnet zugleich Kurse zwischen 792 Dollar und 799 Dollar. Die Notierungen sind kaum verändert, immerhin kam es bei diesem Rohstoff seit Anfang Februar zu einer Aufwärtsbewegung von 695 Dollar auf Mitte April erreichte 817 Dollar. Seitdem konsolidiert der Preis mit starken Schwankungen.

Angebot am Markt verringert sich stark

Dabei wird das Angebot an Platin und Palladium stetig enger. Dass dies beim Platin bisher noch nicht zu einer starken Preisexplosion geführt hat, führen die Experten der Commerzbank auf Lagerbestände zurück. Die schon länger andauernden Streiks in Südafrika hatten sich angekündigt, sodass die Industrie genügend Zeit hatte, vorzusorgen. Doch je länger die Produktion am Kap still steht und je mehr an Produktionsvolumen ausfällt, desto schwieriger wird die Situation. Lagerbestände sind endlich und die Importe der Rohstoffe fallen. Zeigen sich bisher keine großen Streikfolgen in den Preisen, so könnte dieser Effekt noch kommen.

Ein Beispiel für ein völlig zusammen brechendes Importvolumen ist die Schweiz. Die Commerzbank-Experten beziffern das Minus im März auf satte 95 Prozent, dabei gilt die Schweiz als ein zentraler europäischer Umschlagplatz für Platin und Palladium. Das sind alarmierende Zahlen, auch für die Autoindustrie Europas. „das Angebot bei Platin und Palladium wird immer enger“, so das Fazit der Commerzbank, die die relative Stärke des Palladiumpreises darauf zurück führt, dass der Markt hier noch enger ist als beim Platin.

Noch kein großer spekulativer Druck zu sehen

Diese Zeilen müssen als Warnung begriffen werden, denn zugleich zeigen sich auf der Nachfrageseite interessante Entwicklungen. Südafrikanische Exchange Traded Funds, kurz ETF, verzeichnen nämlich im Platin- und Palladiumsektor Zuflüsse, neue Fonds übertreffen laut Commerzbank-Experten die Erwartungen. Bisher ist dieser Nachfrageeffekt aber auf Südafrika begrenzt, in Europa und den USA halten sich die Spekulanten zurück. Die Commerzbank vermutet, dass dies mit der allgemeinen Reserviertheit der Investoren gegenüber dem Edelmetallmarkt.

„Offensichtlich gibt es bisher noch keinen starken spekulativen Drang in die beiden Edelmetalle“, so das Fazit der Commerzbank, wobei die Betonung auf „bisher noch“ liegen muss. Denn, so argumentieren die Experten, dies könne sich angesichts des enger und enger werdenden Marktes bei Platin und Palladium schnell ändern. Es winkt ein Umfeld, wie es Spekulanten lieben. Steigt das spekulative Kapital verstärkt ein, könnten angesichts der Marktenge deutliche Gewinne bei Platin und Palladium vor der Tür stehen.