Schon seit einiger Zeit gehen die Diskussionen am Parkett um, ob die Rohstoffbranche bei der Exploration neuer Vorkommen genügend aktiv ist. Viele Experten bezweifeln das und fürchten um die zukünftige Versorgung der Wirtschaft mit Rohstoffen. Eine Befürchtung, die nicht kleiner wird, wenn man sich den aktuellen Kommentar des MinEx-Rohstoffexperten Richard Schnodde zu dem Thema einmal genauer anschaut.

Die Zahlen, die Schnodde analysiert, sehen auf den ersten Blick wenig problematisch aus. Immerhin hat die Branche die Explorationsausgaben zwischen 2002 und 2012 mal eben so rund verzehnfacht. Mehr als 29 Milliarden Dollar wurden 2012 ausgegeben im Vergleich zu knapp 3 Milliarden Dollar im Jahr 2002. Vor diesem Hintergrund fällt der Rückgang der Explorationsausgaben im Jahr 2013 auf mehr als 21 Milliarden Dollar kaum ins Gewicht – glaubt man zumindest.

Trotz enorm hoher Ausgaben nur wenige neue Weltklasse-Projekte

Tatsächlich aber sind die Zahlen alarmierend, doch dazu muss man etwas tiefer in die Materie einsteigen. In dem Zeitraum von 2002 bis 2012 sind der Bergbauindustrie nämlich trotz der horrend gestiegenen Investitionen nicht gerade hochklassige Explorationszahlen gelungen. Im Gegenteil, hier tat sich, verglichen mit der Entwicklung der Investitionen, quasi nichts getan. 647 signifikante Neuentdeckungen gab es laut Statistik in dem Zeitraum, davon haben gerade einmal 18 das Etikett einer Neuentdeckung von „Top-Rang“.

Die Zahlen sind ernüchternd und zeigen, dass die Rohstoffbranche in den vergangenen Jahren deutlich mehr Geld ausgeben musste, um zum Beispiel eine Tonne Eisenerz oder eine Unze Gold zu entdecken. Dieser signifikante Kostenanstieg fällt der Branche derzeit kräftig auf die Füße, hohe Beträge mussten abgeschrieben werden, weil sich neu entdeckte Vorkommen nach dem Kursrutsch bei vielen Rohstoffpreisen schlicht nicht mehr rechnen. Doch die Auswirkungen gehen weit über Abschreibungen in den Bilanzen des Jahres 2013 hinaus. Laut Schnodde reicht das Volumen der Neuentdeckungen nicht aus, um Abbauraten zu ersetzen. Mit Ausblick auf das Jahr 2020 werden mit Gold und Kupfer zwei zentrale Rohstoffe als Beispiel für die nicht ausreichenden Explorationserfolge der Branche genannt.

Hausgemachte Probleme in der Rohstoffbranche

Das Problem der hohen Kosten ist allerdings zu einem großen Teil hausgemacht und eine Folge des ungezügelten Rohstoffbooms vor dem Jahr 2012. Nicht gerade zufällig fällt der Höhepunkt bei den Explorationsausgaben im Jahr 2012 zeitlich eng mit dem Goldpreishoch im Jahr 2011 zusammen. Billiges Geld war für die Branche in Massen vorhanden und wurde oftmals leichtfertig ausgegeben. Projekte ohne große Erfolgschancen wurden angegangen, teils von inkompetenten Management-Teams, kritisiert Schnodde. Der Boom hat natürlich die Preise steigen lassen: Geologen, Bohrdienstleister, Arbeiter – viele wollten ihren Anteil am größer werdenden Kuchen. Mit der Krise der letzten Zeit aber verkleinert sich das Problem zusehends, die Kosten sinken. Schnodde rechnet damit, dass sich der Trend fortsetzt.

Ein anderes Problem dagegen dürfte den Managern in den Unternehmenszentralen der Rohstoffbranche noch lange Zeit Kopfschmerzen bereiten. Generell wird es schwieriger und schwieriger, neue Funde von Top-Rang zu machen. Höhere Risiken und höhere Kosten müssen akzeptiert werden, man muss immer öfter tiefer bohren und sich stärker in Ländern engagieren, die nicht gerade als sichere Investitionsoasen bekannt sind. Im Gegensatz zur Kostenexplosion ist dies ein Trend, der sich nicht so einfach umkehren lässt. Ob bei der Lösung dieses Problems zum Beispiel neue Technologien hilfreich sind, bleibt abzuwarten.