Der Goldpreis wackelt derzeit wieder, die Aktienkurse mancher Trendwerte in der Rohstoffbranche zeigen wieder nach unten, zum Beispiel Goldaktien wie Barrick Gold (ISIN: CA0679011084). Doch Rick Rule, Chairman und Gründer von Sprott Global Resource Investments, ist sich sicher: Derzeit ist für mutige und antizyklisch agierende Investoren eine historische Chance gekommen, in Rohstoffe zu investieren. Viele Minenaktien notieren weit unter ihren Werten aus dem Jahr 2011, dem Jahr des Höhepunktes der Hausse zum Beispiel beim Goldkurs und beim Silberpreis. Rick Rule gilt am Kapitalmarkt als exzellenter Investor, was er sagt und schreibt, hat Gewicht. Deshalb haben wir einmal hingeschaut und nehmen Rules Meinungen unter die Lupe.

Droht ein Crash am Aktienmarkt?

Die Kursentwicklungen seit 2011 sind eindeutig: Während der Aktienmarkt sich seitdem im Höhenflug befindet, hat der Rohstoffsektor eine dramatische Talfahrt hingelegt. Rule glaubt, dass dies vor allem durch die Nullzinspolitik in den USA verursacht wurde. Eine tatsächliche Wirtschaftserholung finde dagegen nicht statt. Das birgt die Gefahr deutlicher Kursrückschläge, wenn die Zinsen drehen. Solche Schritte sind nicht mehr allzu lang entfernt, zeichnen sich für das kommende Jahr ab. Liegt Rule richtig, würde dies den Aktienmarkt deutlich belasten und könnte zu einem Favoritenwechsel zurück zu den Rohstoffen führen. Die Goldpreisentwicklung 2014 zeigt zum Beispiel per Saldo bereits nach oben. Nicht ganz so stark dagegen fällt die Silberpreisentwicklung 2014 aus.

Wie lange wird die Fed die Zinsen niedrig halten?

Rule geht nicht davon aus, dass es trotz der sich abzeichnenden Trendwende bei den Zinsen zu schnellen Zinssteigerungen kommt. Die Fed werde, auch aus politischen Gründen, die Zinsen so lang es geht niedrig halten. Die blutleere Wirtschaftsentwicklung ermögliche dies, auf längere Sicht rät Rule aber, steigende Inflation und höhere Zinsen einzukalkulieren.

Welchen Effekt hat die Krise zwischen Russland und der Ukraine auf Rohstoffe?

Rule glaubt nicht, dass der Aufschwung beim Goldkurs in diesem Jahr auf die Krim-Krise zurückzuführen ist. Vielmehr, so der Sprott-Experte, seien schlicht mehr Käufer als Verkäufer für das Edelmetall im Markt. Für Investoren seien die Auswirkungen gering, so Sprott. Anders sehe dies für die Energieversorgung Europas aus, hier sei eine stärkere Unabhängigkeit vom russischen Gas nötig. Eine solche alternative Quelle könnten die USA sein.

Welche Entwicklung wird der Uranpreis nehmen?

Im weltweiten Energiemix nimmt die Atomenergie immer noch eine wichtige Rolle ein. Rule glaubt nicht, dass die Kernenergie ihre Wettbewerbsfähigkeit einbüße, auch wenn die Uranbranche derzeit ein Tal durchschreite. Auslöser seien die Fukushima-Probleme in Japan, die zur Abschaltung der Kraftwerke geführt habe. Das habe zu einem Überangebot an Uran auf dem Markt geführt. Förderer des Rohstoffs verzeichnen derzeit hohe Verluste pro Pfund des radioaktiven Elements, die Branche lebe von finanziellen Reserven aus der Boomphase. Rule geht davon aus, dass der Preis wieder steigen wird, allein weil die Kernkraftwerksbetreiber es sich nicht leisten können, den Nachschub an Rohstoff durch zahlreiche Pleiten von Uranförderern zu gefährden.

Welche Goldpreisentwicklung 2014 wird zu sehen sein?

Rule geht davon aus, dass der Goldpreis im vergangenen Jahr seinen Boden gefunden hat. Die Tiefs, die der Goldkurs 2013 erreicht hat, liegen bei 1.180 Dollar und 1.182 Dollar. Nach unten getrieben haben die Feinunze unter anderem gehebelte Wetten auf fallende Goldpreise, glaubt Rule. Die Goldpreisentwicklung 2014 müsse nicht zwingend von einer Rallye geprägt sein, so der Experte. Investoren, die einen Ausblick von drei bis fünf Jahren verfolgen, sollten seiner Meinung nach aber auf jeden Fall in Gold investieren, um ihr Vermögen zu schützen.

Rule geht allerdings nicht davon aus, dass es weiter starke manipulative Tendenzen am Edelmetallmarkt geben wird. Hier gehen die Aufsichtsbehörden mittlerweile rigoroser vor. Die diversen Skandale am Finanzplatz London, eine der wichtigsten Rohstoffbörsen weltweit, zeigen dies. Anleger sollten laut Rule daher eher darauf achten, eigene Fehler zu vermeiden als sich vor Manipulation zu fürchten. Marktmanipulationen können zudem immer wieder interessante Einstiegsgelegenheiten bringen.

Wie sieht die Silber-Prognose aus?

Die Silberpreisentwicklung 2014 dürfte weiter von einer größeren Volatilität geprägt sein als beim Goldpreis. Die Entwicklung beim Silberpreis tendiere dazu, dramatischer zu verlaufen als beim Goldpreis, sagt Rule. Ein Problem bei einer Silber-Prognose sei, dass das Metall oftmals als Beiprodukt in der Förderung anderer Rohstoffe gewonnen werde. Daher müsse man auch die Geschehnisse bei anderen Bodenschätzen im Auge behalten und diese verstehen, rät Rule Silberinvestoren.

Was machen Platin und Palladium?

Rule geht davon aus, dass die Preise für die Metalle langfristig steigen werden. Der Grund: Auf dem aktuellen Preisniveau verlieren die Produzenten Geld. Dabei seien die Rohstoffe wichtig für die moderne Gesellschaft. Ein wichtiges Einsatzgebiet ist die Abgasreinigung in Katalysatoren und damit die Smogbekämpfung – ein Problem, was in Asien mehr und mehr auf der Tagesordnung steht. Kurzfristig allerdings könnten Platinverkäufe durch Finanzanleger den Markt belasten, die vor allem im vergangenen Jahr massiv Positionen aufgestockt haben.

Gibt es noch einmal einen Kurseinbruch im Rohstoffsektor vor dem nächsten Bullenmarkt?

Auszuschließen sind solche Entwicklungen an der Börse natürlich nie, doch Rule beruhigt. Der Experte geht nicht davon aus, dass es im Rohstoffsektor noch einmal zu einer Baisse kommt wie in den Jahren 2011 bis 2013. Allerdings gibt Rule zu bedenken, dass Rohstoffaktien eine der volatilsten Börsenbereiche der Welt seien. Aussteigen solle man nach einer Hausse wieder, wenn am Markt keinerlei Zweifel mehr bestehen, dass die Kurse im Sektor nur noch steigen können und daher überall Kaufempfehlungen herumgereicht werden – dies sei ein gutes Zeichen für ein nahendes Top.

Sorgen macht dem Experten allerdings, dass mehr und mehr Staaten beginnen, die Branche mit höheren Steuern zu belegen, um die Einnahmen zu steigern – so wie derzeit Mexiko. Dies sei eine unglückliche Entwicklung, obwohl der Bergwerkssektor Garant für Umsätze und Arbeitsplätze sei, so Rule.