Das Problem bedrückt Indiens Politiker: Das Land schiebt ein gigantisches Leistungsbilanzdefizit vor sich her, was die Finanzen und die Währung schwächt. Im letzten Fiskaljahr waren es knapp 88 Milliarden Dollar – ein Rekord. Einer der bedeutenden Gründe für dieses Defizit im indischen Außenhandel ist der Goldimport. Das Land war lange Zeit der weltweit wichtigste Konsument auf dem Weltmarkt, hat diesen Platz aber inzwischen an China verloren. Nicht nur, dass die Inder gerne Gold als Geschenk oder Geldanlage kaufen, das Land hat auch eine bedeutende Schmuckindustrie, die das Edelmetall in großem Stil nachfragt.

Um das Leistungsbilanzdefizit einzudämmen, hat Indien im vergangenen Jahr den Goldimport mit drastischen Restriktionen belegt. So müssen Importeure unter anderem eine 10-prozentige Steuer zahlen. Auf das offizielle Marktangebot an Gold in dem Land hatte dies fatale Auswirkungen: Der Import und damit das Angebot brach zusammen, der lokale Goldpreis in Indien lag zum Teil weit mehr als 100 Dollar über den Weltmarktpreisen. Das gigantische Aufgeld hat das organisierte Verbrechen angezogen. Der Goldschmuggel nach Indien blüht und die Schmuggler haben riesige Netzwerke aufgebaut. Das begehrte Edelmetall kommt illegal über Land, zum Beispiel aus Pakistan, aus der Luft unter anderem über Flughäfen an Indiens Westküste und über See, hier vor allem mit Fischerbooten, nach Indien.

Nicht zuletzt aufgrund des überbordenden Schmuggels, der aber nur Teile der weggefallenen „offiziellen“ Einfuhren ersetzt, ist der Gesamterfolg der indischen Einfuhrrestriktionen für Gold fraglich. Welche Auswirkungen die Maßnahmen auf das Leistungsbilanzdefizit haben, bleibt abzuwarten. Fest steht aber bereits, dass der deutlich verteuerte Goldpreis im Land die Schmuckindustrie stark unter Druck setzt, was kaum im Interesse der Politiker sein kann und maximal als temporärer Effekt hinnehmbar erscheint. Die Schmuckhersteller wehren sich gegen die staatlichen Einfuhrzölle und gegen weitere Auflagen. Die Branche verweist auf die deutlichen Kostensteigerungen bei der Schmuckproduktion, die die Maßnahmen mit sich bringen. Das hat unter anderem Sonia Gandhi auf den Plan gerufen, die Lockerungen gefordert hat.

Kehren Indiens Importeure im großen Stil auf den Weltmarkt zurück?

Nun kommt man in der indischen Regierung offensichtlich ins Grübeln. Darauf zumindest lassen Äußerungen aus dem Finanzministerium des Landes schließen. Man könne zum Ende des Fiskaljahres, in Indien ist dies der 31. März, über die derzeit geltenden Restriktionen bei den Goldimporten nachdenken, heißt es aus dem verantwortlichen Ministerium. Ohne Einschränkung geht diese Aussage aber nicht vonstatten: Eine Lockerung der Restriktionen soll nur dann möglich sein, wenn man Auswirkungen auf das Leistungsbilanzdefizit sieht. Doch genau damit ist zu rechnen, Experten gehen von einem deutlich verkleinerten Defizit aus.

Wird die indische Regierung bei den Vorgaben für den Goldimport wieder weniger restriktiv, könnte die Goldnachfrage aus Indien sprunghaft steigen. Offen ist, welcher Nachholbedarf sich in dem riesigen Land aufgestaut hat. Für den Goldpreis wäre eine solche Rückkehr indischer Goldkäufer auf den Markt jedenfalls enorm positiv. Ohnehin besteht aus dem asiatischen Raum eine hohe Nachfrage nach physischem Gold, diese würde dann weiter steigen und das treibt die Feinunzenpreise. Noch aber ist es nicht soweit. Die Entscheidung des indischen Finanzministeriums ist noch offen.