Seit Weihnachten geht es mit dem Goldkurs wieder aufwärts. Von Kursen um die 1.182/1.187 Dollar je Unze hat sich das Edelmetall auf rund 1.260 Dollar erholt. Das klingt nicht nach viel, ist jedoch ein Schritt in die richtige Richtung. Eine derart lange Aufwärtsphase des Goldes hat es seit Sommer 2013 nicht mehr gegeben, sie macht Hoffnung.

Die Zeichen am Markt sind jedoch sehr unterschiedlich. Es gibt Indizien dafür, dass sich der Aufwärtstrend fortsetzt, es gibt aber auch Anzeichen für eine Stagnation oder ein weiteres leichtes Abflauen der Preise. In diese Richtung gehen die aktuellen Analysen von Morgan Stanley und Goldman Sachs.

In ihrer vierteljährlichen Bewertung der Rohstoffmärkte kommen die Experten von Morgan Stanley zu der Überzeugung, dass Gold so lange keine Chance auf eine wirkliche Wende hat, wie die Aktienmärkte, und vor allem der US-Aktienmarkt, stark bleiben. Unter Druck geraten kann der Goldpreis zudem durch den Rückzug der Deutschen Bank aus dem Goldpreisfixing in London. Noch ist unklar, wer den Sitz der Frankfurter einnehmen wird.

Für die Experten von Morgan Stanley ist Optimismus beim Goldpreis daher fehl am Platze. Sie reduzieren ihre Erwartungen an den Kurs für 2014 und 2015 um 11,6 Prozent bzw. 12,5 Prozent. Demnach rechnen sie für das laufende Jahr mit einem durchschnittlichen Kurs je Unze von 1.160 Dollar. 2015 wird mit einem Kurs von 1.138 Dollar gerechnet. Erst langfristig sehen sie wieder einen Aufwärtstrend. 2019 soll der Preis je Unze bei 1.325 Dollar liegen. Keine großen Änderungen erwarten sie zudem beim Angebot und der Nachfrage, die sich zudem die Waage halten sollen. Hier wird für die kommenden Jahre regelmäßig mit einem Wert um die 4.250 Tonnen kalkuliert. Bei Goldman Sachs zeigt man sich noch etwas zurückhaltender. Für die kommenden zwölf Monate rechnen die dortigen Experten mit einem Goldkurs von 1.050 Dollar je Unze.

Marktbeobachter fürchten, dass auch der jüngste leichte Höhenflug des Goldes bald enden könnte. Zuletzt haben Investoren immer sehr rasch Gewinne mitgenommen, haben den Goldkurs nach einem kurzen Anstieg immer wieder mit klaren Verkaufsorders gedrückt. Dabei bewegt sich der Preis derzeit in einer engen Spanne.

Andere Analysten verweisen jedoch auf die Eigenschaft von Gold als sicheren Hafen. In den Schwellenländern läuft es derzeit alles andere als rund, die Währungen der Türkei und Argentiniens stehen gehörig unter Druck. Die Auswirkungen sind auch in Deutschland zu spüren, der DAX hat aufgrund der dortigen Probleme in den vergangenen Tagen klar nachgegeben. Die Länder überlegen derzeit, welche Gegenmaßnahmen sie einleiten können, um ihre Währungen zu stützen. Die türkische Notenbank hat einen Krisengipfel einberufen, eine Erhöhung der Leitzinsen gilt als wahrscheinlich. Auch Brasilien und Indonesien sowie Südafrika und Indien geraten in den Strudel.

Das kann sich positiv auf den Goldkurs auswirken. Investoren, die ihr Geld aus diesen Ländern abziehen, suchen nach Alternativen, sie wollen Sicherheit. Da bietet sich Gold an.

Wie sehr Gold derzeit nachgefragt wird, zeigt sich auch an den Statistiken der verschiedenen Münzprägeanstalten. Die österreichische Münzpräge hat auf ein Drei-Schicht-System umgestellt, dort laufen die Maschinen inzwischen rund um die Uhr. Auch aus Australien und den USA sind deutliche Anstiege bei der Nachfrage nach Münzen zu vernehmen. Dass der jüngste Kursanstieg des Goldes also bald wieder Historie ist, ist gar nicht so sicher.