Ein bewegtes Jahr geht für die Rohstoffbranche zu Ende. Entgegen mancher Hoffnungen und trotz erster Anzeichen einer konjunkturellen Erholung hat das Jahr für die Branche noch keine klar zu erkennende Wende nach oben gebracht. Barclays hat errechnet, dass die verwalteten Assets im Rohstoffsektor binnen elf Monaten um satte 88 Milliarden Dollar auf 332 Milliarden Dollar zusammen gebrochen sind. Zum Teil starke Preisrückgänge und eine Kapitalflucht der Anleger aus Rohstoffanlagen im Rekordvolumen von mehr als 36 Milliarden Dollar netto sind die Gründe hierfür.

2013 war vor allem das Jahr, in dem der Goldpreis trotz niedriger Realzinsen und weiter großen, vielfältigen Marktrisiken im Zentrum weiterer Turbulenzen stand. Das galt vor allem für die erste Jahreshälfte, in der es besonders bei Großanleger aus der Finanzbranche zur Massenflucht aus dem Gold kam. Während die Nachfrage nach physischem Gold über das Jahr hinweg enorm hoch blieb, sorgten Terminbörsen und die hohen Abflüsse aus Gold-ETFs in Richtung der haussierenden Aktienmärkte für stark fallende Feinunzenpreise. Bis auf 1.180 Dollar sank der Goldpreis, der im Januar 2013 noch knapp unter der 1.700-Dollar-Marke notierte. Einer von diversen Hoffnungsschimmern neben der hohen physischen Nachfrage nach dem Edelmetall: Um 1.180/1.210 Dollar könnte Gold einen Boden finden.

Für das Silber war die Entwicklung im zu Ende gehenden Jahr noch schlechter. Das Edelmetall, meist wesentlich schwankungsfreudiger als der „große Bruder“ Gold, fiel in dessen Schatten im Jahresverlauf von 32,48 Dollar auf bis zu 18,21 Dollar. Nicht vergessen darf man allerdings, dass sich Silber in der Zeit der Hausse von 2008 bis 2011 deutlich besser als das Gold entwickelt hat. Beim Silberpreis gibt es ebenfalls Hoffnungen auf eine Stabilisierung, hier ist der Bereich zwischen 18,21 Dollar und um 19 Dollar möglicherweise entscheidend. Kommt es 2014 zu einer Erholung der Weltwirtschaft, die von einer Reihe Experten erwartet wird, könnte das konjunktursensiblere Silber wieder interessanter als das Gold sein.

Enorme Konjunktursensibilität weisen auch einige andere Rohstoffen auf: Die Platinmetallgruppe (PGM). Ihre Verwendung vor allem im Automobilsektor als wichtiger Baustoff für Katalysatoren macht Platin und Palladium enorm abhängig von den Absatzzahlen in dieser Branche. Die europäische Nachfrageschwäche machte daher auch den beiden Rohstoffen zu schaffen, kommt aber zugleich als möglicher Treiber für PGM-Kurse für die kommenden Jahre ins Spiel, wenn sich die europäische Autokonjunktur erholt. Sonderfaktoren wie stärkere Umweltschutzbedingungen bei den Autoabgas-Emissionen prägen das Marktgeschehen ebenfalls. Bei der Kursentwicklung des Platins kommt zudem die enorm hohe Bedeutung von Südafrika als Produktionsland hinzu. In der Kap-Nation wird die Bergbaubranche seit langem von schweren Auseinandersetzungen zwischen Arbeitnehmern und Arbeitgebern erschüttert.

Sorgen um die Konjunktur waren 2013 ein wesentlicher Belastungsfaktor für andere Rohstoffe, die wie die stark am Automobilsektor orientierte Platingruppe enorm vom Wachstumsverlauf der Weltwirtschaft abhängig sind. Ein Beispiel für die schwache Performance, vor allem in der ersten Jahreshälfte, ist das Kupfer. Der Preis für das Industriemetall befand sich in den ersten Monaten des Jahres im Sinkflug, seit Anfang Mai kommt es zu einer volatilen Seitwärtsbewegung. Ähnlich verlief die Entwicklung beim Aluminium, obwohl der Baustoff erst vor einigen Wochen sein Jahrestief markiert hat, sich anschließend aber schnell wieder stabilisieren konnte.

Was einige Rohstoffe wie zum Beispiel das Kupfer belastet, sind zu große Kapazitäten bzw. eine aufgrund der eher schwachen Wirtschaft zu kleine Nachfrage. Während sich letzteres im Jahr 2014 mit einem möglichen Aufschwung bessern könnte, sind die hohen Kapazitäten bei einigen Bodenschätzen weiter eine Belastung. Hier ist das Kupfer ebenfalls ein Beispiel, denn der Markt weist einen Preis drückenden Angebotsüberschuss aus. Es sind Spätfolgen der Rohstoffhausse, die hier ins Kontor schlagen – die damals winkende Chance auf exzellente Geschäfte hatte hohe Investitionen in Erweiterungen von Förderkapazitäten und die Erschließung neuer Vorkommen gebracht. Diese Sünde der Vergangenheit lastet nun als Sonderfaktor auf den jeweiligen Rohstoffpreisen.

Turbulent ging es weiter bei den Seltenen Erden zu. Die Gruppe der Hightech-Rohstoffe, in der China ein Quasi-Monopol inne hat, wird seit Jahren von enormen Preissprüngen in beide Richtungen geprägt. Experten gehen davon aus, dass sich dies so schnell nicht ändert. Allerdings laufen die Entwicklungen bei schweren Seltenen Erden und den leichten Seltenen Erden auseinander. Mit dem Preisrutsch der letzten Zeit wurden zudem viele Projekte zurückgefahren, ein Beispiel hierfür sind die Aktivitäten der australischen Lynas (ISIN: AU000000LYC6), bzw. auf Eis gelegt.

Für Aluminium dagegen könnte trendentscheidend sein, welche Politik Indonesien beim Export des Aluminium-Rohstoffes Bauxit einschlägt. Der Staat handelt mit Exportrestriktionen mittlerweile deutlich protektionistischer, nicht nur beim Bauxit – Ziel ist es, die eigene Wirtschaft zu fördern und Rohstoffe nicht direkt zu exportieren, sondern in den eigenen Landesgrenzen weiterzuverarbeiten. Die Exportrestriktionen bringen andere Länder in mögliche Probleme: Vor allem für das rohstoffhungrige China ist Indonesien eine wichtige Bauxit-Quelle geworden.

Einer der großen Gewinner einer konjunkturellen Erholung könnten Energierohstoffe sein, glauben Analysten. Doch hier gibt es ebenfalls eine besondere Entwicklung, die 2013 unter anderem Teile der energiepolitischen Diskussionen in Deutschland bestimmte: Das Fracking. Hierzulande vor allem aufgrund völlig unklarer Langzeitfolgen für die Umwelt umstritten, boomt die Produktionsmethode in den USA und sorgt dort für billige Energie – Preisstürze für das Erdgas inbegriffen.

Tatsächlich krempelt Fracking nach und nach die Situation bei den Energierohstoffen um. Die USA gewinnt enorm an Unabhängigkeit von anderen Öl- und Gasexporteuren. Die Preise fallen, andere Förderregionen geraten in einen Wettbewerbsnachteil. Offen ist, wie es mit dem Ölsektor in Staaten wie dem Iran oder Libyen weiter geht – laut Postbank Research könnte sich das Angebot aus diesen Ländern normalisieren, was den Weltmarktpreis zusätzlich unter Druck setzen kann.

2014 wird wohl ein weiteres Jahr der Herausforderungen für die Rohstoffbranche, für diese Feststellung muss man kein Pessimist sein. Aber auch ein Jahr der Hoffnung: Die Anzeichen für eine Konjunkturerholung, die die US-Notenbank nun zum „Tapering“ veranlasst hat, könnten für Branche und Rohstoffpreise eine wichtige Unterstützung sein. Belastend allerdings könnten sich weiter vorhandene Überkapazitäten auswirken. Anleger müssen die einzelnen Rohstoffe daher sehr genau analysieren. Das kommende Jahr könnte also spannend und vor allem volatil werden.

Daher wünschen wir ihnen an dieser Stelle in diesen turbulenten Zeiten zumindest einige ruhige und besinnliche Weihnachtstage.