Seinen Spitznamen „Dr. Doom“ hat Marc Faber nicht zu Unrecht. Der Schweizer Börsenexperte gilt als ausgemachter und überzeugter „Börsen-Bär“, der allerdings auch bei einigen seiner Crashvorhersagen goldrichtig lag. Auch derzeit ist Faber für den Aktienmarkt alles andere als positiv gestimmt, er rechnet mit einer deutlichen Kurskorrektur des breiten Marktes, der sich nur wenige Aktien werden entziehen können.

Im Interview mit dem US-Fernsehsender CNBC unterstreicht Faber seine Ansicht mit einem Blick auf die technische Verfassung des Marktes. Obwohl der S&P 500 Index nur wenige Punkte unter dem Allzeithoch liegt, haben seiner Meinung nach eine hohe Zahl von Aktien neue 52-Wochen-Tiefs erreicht. Faber legt damit den Finger in eine Wunde, die schon 1987 für eine drastische Abwärtsbewegung gesorgt hat: Die Aufwärtsbewegung wird nicht durch den breiten Markt getragen, sondern durch einige Boom-Titel.

Diese könnten die Börse zwar noch weiter nach oben ziehen, doch die Situation ist gefährlich. Nicht zuletzt, weil die US-Notenbank laut Faber die Kontrolle über den Bondmarkt verloren hat. Hier kam es zuletzt zu Kursrückgängen und entsprechenden Renditeanstiegen. Der Bondmarkt sei überverkauft und könnte kurzfristig zu einer Erholung ansetzen, glaubt Faber.

Am Aktienmarkt hat der Eidgenosse vor allem einen Favoritensektor, der zurzeit bei kaum einem Anleger auf der Liste steht: Gold-Aktien. Der Sektor sei unglaublich niedergeschlagen und habe ein ultra-pessimistisches Sentiment, so Faber, der hierin eine Einstiegschance nach dem Contrarian-Ansatz sieht. Wer billig kaufen und teuer verkaufen will, müsse bei Goldaktien zugreifen, sagt der Börsenexperte bei CNBC. Faber hat dabei vor allem die „big guys“ der Branche wie zum Beispiel die Aktien von Barrick Gold, Newmont Mining oder Iamgold im Blick. Der Goldsektor sei im Vergleich zu anderen Assetklassen und dem Aktienmarkt relativ billig, so der Schweizer.

Doch der Blick über den Globus zeigt, dass nicht alle Goldaktien unbedingt attraktiv sein müssen, denn einige Länder haben derzeit stark erhöhte Risikoprofile. Das gilt allen voran für Südafrika, wo die Bergwerksindustrie nach vielen Streiks und starken Kostenerhöhungen in einem schlechten Zustand ist. Derzeit laufen in der wichtigsten afrikanischen Volkswirtschaft bedeutende Tarifverhandlungen. Einen Vorschlag der Arbeitgeber, die eine Lohnerhöhung um 5 Prozent angeboten haben, haben die Gewerkschaften abgelehnt.

Die sehr schwierige Lage für Südafrikas Edelmetallproduzenten hat nun die Analysten bei HSBC veranlasst, die Aktien wichtiger Branchenvertreter des Landes auf Verkaufsempfehlungen herabzustufen. Namentlich sind dies AngloGold Ahsanti, Harmony Gold und Sibanye Gold. Die Experten begründen dies vor allem mit dem schwächeren Goldpreis und der sehr angespannten Lage bei den Ergebnismargen der Konzerne. In Südafrika ist es der Minenbranche nicht gelungen, die Kosten einigermaßen im Zaum zu halten.

Solange die Rohstoffpreise auf Rekordkurs waren, wurde dies nicht als große Belastung empfunden. Nun, nachdem Gold deutlich unter den Hochs aus dem Jahr 2011 liegt, sieht das völlig anders aus. Daher haben die Manager südafrikanischer Bergwerksunternehmen auch vor zu hohen Lohnforderungen gewarnt. Zu starke Lohnerhöhungen könnten den Abbau von Arbeitsplätzen und die Schließung von Standorten bedeuten. Die stark rivalisierenden Gewerkschaften sehen dies offenbar anders, neue Auseinandersetzungen drohen.