Nick Holland, Konzernchef des südafrikanischen Goldförderers Gold Fields, warnt vor den langfristigen Auswirkungen der aktuellen Flaute in der Branche. Viele Goldunternehmen kürzen ihre Explorationsausgaben als Folge der schwierigen Lage an den Finanzmärkten. Investitionen in die Erkundung neuer Vorkommen lassen sich aufgrund der starken Risikoaversion der Geldgeber nur noch schwer finanzieren, oftmals gelingt dies vor allem den Juniors der Branche sogar gar nicht mehr.

Hollands Warnung, ausgesprochen in einem Interview mit Mineweb, ist nicht ganz neu. Aber sie ist deutlich. Schon seit einiger Zeit weisen Experten klipp und klar darauf hin, dass die Goldbranche viel zu wenig für die Entdeckung neuer Goldvorkommen tut, zu wenig investiert. Die jährliche Förderung kann nicht durch Neuentdeckungen kompensiert werden. Dieses Problem wird Auswirkungen haben: Schon in wenigen Jahren, so glaubt Holland, wird man einen Rutsch beim Fördervolumen bemerken. Während manche Experten hierbei einen Zeithorizont von zehn Jahren und mehr haben, bis solche Auswirkungen der zu geringen Explorationstätigkeit zu sehen sind, glaubt der CEO von Gold Fields, dass es dazu nicht einmal fünf Jahre brauchen wird.

Das sind langfristig gute Perspektiven für den Goldpreis, denn zugleich ist nicht damit zu rechnen, dass es zu einer Nachfrageschwäche kommt. Die aktuelle Situation an den Märkten zeigt dies bereits: Eine hohe Nachfrage nach Goldmünzen, während die Goldkurse über die Terminbörsen gedrückt werden. Die Nachfrage, insbesondere aus Märkten wie China und Indien, wird hoch bleiben, so die Prognose des Gold-Fields-Konzernlenkers.

Holland geht auch davon aus, dass die Goldbranche wesentlich höhere Preise braucht, um nicht von allein in einen Schrumpfungsprozess zu laufen. Bei aktuellen Goldpreisen ist das Niveau nicht zu halten. Im Gegenteil: Schaut man sich sämtliche Kosten an, die ein Goldförderer tragen muss – reine Förderkosten, allgemeine Ausgaben für das Unternehmen, aber auch Investitionen in die Exploration und die Entdeckung neuer Vorkommen – so sind bei Kursen um 1.300 Dollar für die Feinunze Gold viele Gesellschaften schlicht nicht in der Lage, diese „All-In-Kosten“ zu decken. Die Folge ist, dass Projekte eingestellt werden oder Unternehmen aus dem Markt gedrängt werden. Es ist ein längerfristiger Prozess, der aber bereits läuft.

Um die Abwärtsspirale aufzuhalten, werden laut Holland deutlich höhere Goldpreise benötigt. Schon bei 1.600 Dollar und 1.700 Dollar für die Feinunze habe die Branche keine großen Profite gemacht und sei „nur“ in der Lage gewesen, das Gold-Business nachhaltig zu betreiben, sagt Holland.

Hierfür gibt es trotz der massiven Preissteigerungen beim Gold bis 2011 vor allem zwei Gründe: Zum einen ist der geförderte Mineralgehalt gesunken. Die Förderer müssen daher für die Produktion einer Feinunze mehr Gestein ans Tageslicht holen. Dies geht einher mit deutlich gestiegenen Kosten. Binnen rund fünf Jahren verdoppelten sich diese, so der Gold-Fields-CEO. Daher ist die Produktivität gesunken, was Holland vor allem in Südafrika als Problem ansieht. Zu stark gestiegene Lohnkosten sind ein wichtiger Faktor für den Niedergang der südafrikanischen Bergbauindustrie, glaubt Holland – und werden es bleiben, wenn nicht alle an einem Strang ziehen, um die Probleme zu bekämpfen. Langfristig dürfte auch eine stärkere Automatisierung für die Goldförderer eine Rolle spielen, mit denen Kosten gespart und die Sicherheit verbessert werden kann. Doch bis Roboter in großem Stil ferngesteuert vor Ort fördern, wird noch Zeit ins Land gehen.