Der Abschwung, in dem sich die sehr zyklische Rohstoffbranche befindet, ist etwas anders als in vorherigen Börsenkrisen des Wirtschaftszweigs. Während in Jahren wie zum Beispiel 1987 oder 2008 die Börse über die gesamte Breite hinweg von stark fallenden Kursen betroffen war, konzentrieren sich die Bären diesmal weitgehend auf die Rohstoffaktien. Es ist ein schwieriges Marktumfeld, aber auch eins mit vielen Chancen, wie Robert Quartermain weiß.

Quartermain ist ein alter Hase, hat in den vergangenen Jahrzehnten viel gesehen und ist CEO des Gold-Explorers Pretium, der das kanadische Brucejack-Projekt bis 2016 in Produktion bringen will. Sein Meisterstück war der Aufbau von Silver Standard, das er von einem kleinen Explorationsunternehmen zu einem milliardenschweren Unternehmen gemacht hat – eine typische Erfolgsgeschichte, wie sie die Rohstoffbranche immer wieder hervor bringt und auch zukünftig hervor bringen wird.

Trotz der aktuellen Krise der Branche ist Quartermain recht optimistisch, was deren Zukunft angeht. Er geht nicht davon aus, dass Goldpreise von 1.200 Dollar, wie sie jüngst zu sehen waren, ein nachhaltiges Kursniveau für das Edelmetall sind. Der Preis müsse steigen, sagt der Pretium-Chef. Zu deutlich seien die Unterschiede zwischen der physischen Nachfrage, die Rekorde erreicht, und der Preisentwicklung. Vor allem die Flucht aus den Gold-ETFs, die vorher wesentlich zur Hausse vor dem Goldpreishoch bei 1.921 Dollar im Jahr 2011 beigetragen haben, sieht Quartermain als Grund für die Abwärtsbewegung.

Derzeit bewegt sich die Feinunze Gold nach einer leichten Preiserholung knapp unter der 1.300er-Marke. Für viele Goldminenunternehmen ist das zu wenig, hier spielen sie kaum ihre Gesamtkosten ein, wenn man neben den reinen Ausgaben für die Förderung auch Investitionen etc. in der Berechnung berücksichtigt. Dies ist zusammen mit der starken Risikoaversion bei Investoren ein wichtiger Faktor, warum derzeit die Finanzierung in der Branche extrem stockt. Das gefährdet vor allem die Juniors der Bergbaubranche in ihrer Existenz.

Quartermains Worten im Interview mit Mineweb zufolge ist dies die Zeit der Gesellschaften, die eine starke Bilanz aufweisen. Wer das Glück oder die Weitsicht hatte, in der noch nicht lange zurückliegenden Boomphase größere Finanzierungen abgeschlossen zu haben, für den bieten sich viele Gelegenheiten. Nach wie vor sind viele interessante Projekte auf dem Markt, die aber Schwierigkeiten bei der Finanzierung haben. Es ist die Zeit, in der potenzielle Käufer günstige Preise für den Zukauf von Projekten vorfinden.

Quartermain geht daher auch davon aus, dass die zuletzt schwachen M&A-Aktivitäten wieder anziehen werden. Es sei wie in früheren Abschwungphasen, die immer zu Konsolidierungen geführt haben. Unternehmen seien vom Markt verschwunden und irgendwann später habe es wieder Börsengänge gegeben, so der Pretium-Konzernchef gegenüber Mineweb. Auch die Situation, dass Juniors im Rohstoffsektor Finanzprobleme in Abschwungphasen bekommen, ist nicht neu und mache Investoren in Zentren der Branche wie Vancouver nicht nervös. Die Nerven zu behalten und dabei vor allem immer wieder auf die Bilanzen der Gesellschaften zu schauen, ist daher in Marktphasen wie dieser die allerwichtigste Pflicht für Anleger.