An der Börse finden von Zeit zu Zeit Favoritenwechsel statt. Das geht im Kleinen, wenn zum Beispiel innerhalb eines Index die „Liebe“ der Trader von einer zu einer anderen Aktie übergeht. Das geht aber auch im Großen, dann wechseln in den Portfolios großer Anleger die Gewichtungen einzelner Assetklassen. Das hat gewaltige Auswirkungen auf den gesamten Markt, denn große Summen werden bewegt.

Was das ausmachen kann, erleben Gold und Silber seit nunmehr rund zwei Jahren. Am 6. September 2011 verzeichnete die Feinunze Gold ihren Höchststand bei 1.921 Dollar. Der Silber-Peak war bereits am 25. April 2011 bei 49,82 Euro zu sehen, worauf eine deutliche Abwärtsbewegung folgte. Am 22. August 2011 erreichte der Silberpreis aber noch einmal 44,25 Dollar, ein markantes lokales Hoch. Seitdem geht es auch dort unter teils starken Schwankungen nach unten. Silber und Gold haben gerade erst bei 18,21 Dollar bzw. 1.180 Dollar je Unze ihre Verlaufstiefs gesehen.

Dies muss man einmal mit verschiedenen Aktienindizes vergleichen. Zwei Beispiele: Der DAX hat seit September 2011 von 4.965 Punkten auf bis zu 8.557 Punkte, erreicht im Mai, zulegen können. Heute pendelt der Index knapp unterhalb von 7.900 Punkten. Der Dow Jones Industrial hat im Oktober 2011 bei 10.404 Zählern eine Hausse begonnen, ebenfalls im Mai wurde das bisherige Top der Bewegung bei 15.542 Punkten verzeichnet. Gestern lag der Dow um die 15.000er-Marke nicht weit entfernt vom Hoch. Die gegenläufige Entwicklung ist das Ergebnis einer massiven Rotation in der Gunst der Anleger.

Doch das Pendel könnte nun wieder in eine andere Richtung ausschlagen. In den vergangenen Wochen hat die Nervosität am Aktienmarkt zugelegt, die Kurse sind gefallen. Die steigende Unsicherheit bei Investoren zeigt sich an vielen Faktoren, unter anderem im UBS Investor Sentiment Index. Der misst die Risikobereitschaft der Käufer von Discountzertifikaten – und die ist im Juni aktuellen Zahlen der Schweizer Bank zufolge stark zurückgegangen. Das deckt sich mit anderen Beobachtungen am Markt. Die Entscheidung der Fed, „Quantitative Easing 3“ auslaufen zu lassen, verstärkt die Verunsicherung. In den letzten Monaten war viel der Notenbankliquidität aus dem QE-Programm an den Aktienmarkt geflossen.

Steht uns eine neue Rotationsbewegung an den Märkten bevor? Rohstoffexperte Christopher Ecclestone von Hallgarten & Co. glaubt, dass eine neue Rotationsbewegung bereits begonnen hat. Die Kursverluste an den Aktienmärkten und am Anleihemarkt könnten dazu passen, auch wenn Gold und Silber hiervon noch nicht profitiert haben. Die steigende Nervosität und der starke Abwärtstrend der beiden Edelmetalle könnten Investoren vorerst dazu bewogen haben, „cash“ zu halten.

Wie sind die Aussichten? Steigende Nervosität und eher hohe Bewertungen am Aktienmarkt, der viel von einem besseren Konjunkturverlauf vorweg genommen hat, fallende Anleihekurse bei zugleich steigenden, aber vergleichsweise weiterhin niedrigen Zinssätzen – beide Märkte erscheinen vor diesem Hintergrund aktuell nicht besonders attraktiv. Es scheint daher durchaus möglich, dass sich das „big money“ eine neue Spielwiese sucht. Nach dem Crash der Preise von Gold und Silber bieten sich hier wieder interessante Möglichkeiten. Andere Rohstoffe, wie zum Beispiel Platin und Palladium, bieten Sondersituationen durch mögliche Angebotsengpässe. Zugleich boomt die weltweite Autoindustrie weiter, die wichtigste Platin- und Palladium-Abnehmerbranche in der Industrie. Gerade erst hat Daimler neue Absatzrekorde gemeldet. Die nächste Rotation könnte also durchaus wieder den Rohstoffen und vor allem den tief gefallenen Rohstoffaktien zugute kommen.